Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

3904. 
Mittelalter. 
Jer Zeit, Leipzig, 1900, S. 51.) darauf aufmerksam, dass für die An- 
legung solcher Rinnen bei felsigem Boden und reichlichem Terrain bei 
Jem langsamen Gange der Opferfuhrwerke ebenso wenig ein Bedürfnis 
vorgelegen habe, wie für die Karren, auf denen die Steine vom Nil 
aach dem Erbauungsstellen der Pyramiden durch Menschen gezogen 
wurden. Weit wahrscheinlicher ist es, dass sich die Rinnen allmählich 
von selbst ausgefahren haben, wie man das auf jeder ursprünglichen 
Landstrasse beobachten kann und wie es insbesondere in den Strassen 
Pompejis ganz unzweifelhaft der Fall gewesen ist, die handbreite 
Spuren enthalten. Auch die bestimmten Weichenstellen sprechen keines- 
wegs gegen diesen natürlichen Vorgang, denn auch diese bilden sich 
auf den grossen Landstrassen von selbst aus. 
Das spätere Griechenland zeigt bereits eine grosse Zahl von 
sestimmten Landstrassen, die nach allen Richtungen das Land durch- 
ziehen. Weit mehr haben aber nach dieser Richtung die Römer ge- 
‘han, die gepflasterte oder mit grossen Steinplatten oder ausserordent- 
‘ich harten Ziegeln belegte Strassen in gewaltigstem Umfange herstell- 
ten, deren Spuren noch gegenwärtig nicht nur in Italien, von Rom 
nach Aquileja zu finden sind, sondern von da durch Istrien und Dal- 
matien, wie von Griechenland durch Macedonien und Tracien nach 
Konstantinopel und von Oberitalien durch Gallien nach Gross-Britan- 
nien hin. Am Rhein und in Süddeutschland finden sich auch die 
Reste solcher Römerstrassen. Zur Zeit Cäsars mündeten 6 Kunstrassen 
in Rom. Zu gleicher Zeit bildete sich der Seeverkehr aus, insbesondere 
nachdem zu den Rudern die Segel hinzugetreten waren, und es ist 
erstaunlich, welche Massen und Lasten schon in der damaligen Zeit auf 
einem Schiffe transportiert wurden, wie Mommsen in seiner römischen 
Geschichte Bd. V, S. 576 anführt, dass das Lastschiff, welches unter 
Augustus den berühmten Obelisken der Porta del Popolo nach Rom 
orachte, ausserdem 2000 Matrosen, 1200 Passagiere, 400 000 römische 
Scheffel Weizen (34000 Hektoliter Weizen) und ferner alle möglichen 
Waren, wie Leinwand, Glas, Papier und Pfeffer herübergebracht habe. 
In dem Mittelalter machte es sich Karl der Grosse zur Auf- 
yabe, nach dem römischen Vorbilde Strassen und Brücken herzustellen, 
und verfügte in seinen Kapitularien, dass, wie zur Römerzeit, die be- 
nachbarten Gemeinden zu Frohnden zur Instandhaltung der Strassen 
verpflichtet seien. Gleichwohl verfielen in den folgeuden Jahrhunderten 
die alten Römerstrassen, und der gesamte Binnenverkehr blieb bis 
in das neunzehnte Jahrhundert hinein durch schlechte Strassen im 
höchsten Masse erschwert, Nach Karl dem Grossen ist es Colbert 
yewesen, der die Bedeutung der Kommunikationsmittel für den Wohl- 
stand des Landes richtig erkannte und alles daran setzte, dieselben zu 
verbessern. Er liess die schon früher gepflasterte Strasse von Paris 
nach Orleans wieder herstellen und erweitern, ferner Strassen von der 
Champagne nach dem Elsass, dann durch die Languedoc u. s. w. hin- 
durchlegen. Das wichtigste Werk war aber der Kanal durch dieselbe 
Provinz, der in 15 Jahren zur Ausführung kann. Seitdem ist gerade 
in Frankreich ausserordentlich viel für das Strassenwesen geschehen, 
was die Bewunderung der Reisenden aus allen Ländern hervorrief. 
Selbst in England ist man erst viel später zu guten Strassen gelangt 
als in Frankreich. Noch am Ende des 18. Jahrhunderts war das Strassen-
	        
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