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Mittelalter.
Jer Zeit, Leipzig, 1900, S. 51.) darauf aufmerksam, dass für die An-
legung solcher Rinnen bei felsigem Boden und reichlichem Terrain bei
Jem langsamen Gange der Opferfuhrwerke ebenso wenig ein Bedürfnis
vorgelegen habe, wie für die Karren, auf denen die Steine vom Nil
aach dem Erbauungsstellen der Pyramiden durch Menschen gezogen
wurden. Weit wahrscheinlicher ist es, dass sich die Rinnen allmählich
von selbst ausgefahren haben, wie man das auf jeder ursprünglichen
Landstrasse beobachten kann und wie es insbesondere in den Strassen
Pompejis ganz unzweifelhaft der Fall gewesen ist, die handbreite
Spuren enthalten. Auch die bestimmten Weichenstellen sprechen keines-
wegs gegen diesen natürlichen Vorgang, denn auch diese bilden sich
auf den grossen Landstrassen von selbst aus.
Das spätere Griechenland zeigt bereits eine grosse Zahl von
sestimmten Landstrassen, die nach allen Richtungen das Land durch-
ziehen. Weit mehr haben aber nach dieser Richtung die Römer ge-
‘han, die gepflasterte oder mit grossen Steinplatten oder ausserordent-
‘ich harten Ziegeln belegte Strassen in gewaltigstem Umfange herstell-
ten, deren Spuren noch gegenwärtig nicht nur in Italien, von Rom
nach Aquileja zu finden sind, sondern von da durch Istrien und Dal-
matien, wie von Griechenland durch Macedonien und Tracien nach
Konstantinopel und von Oberitalien durch Gallien nach Gross-Britan-
nien hin. Am Rhein und in Süddeutschland finden sich auch die
Reste solcher Römerstrassen. Zur Zeit Cäsars mündeten 6 Kunstrassen
in Rom. Zu gleicher Zeit bildete sich der Seeverkehr aus, insbesondere
nachdem zu den Rudern die Segel hinzugetreten waren, und es ist
erstaunlich, welche Massen und Lasten schon in der damaligen Zeit auf
einem Schiffe transportiert wurden, wie Mommsen in seiner römischen
Geschichte Bd. V, S. 576 anführt, dass das Lastschiff, welches unter
Augustus den berühmten Obelisken der Porta del Popolo nach Rom
orachte, ausserdem 2000 Matrosen, 1200 Passagiere, 400 000 römische
Scheffel Weizen (34000 Hektoliter Weizen) und ferner alle möglichen
Waren, wie Leinwand, Glas, Papier und Pfeffer herübergebracht habe.
In dem Mittelalter machte es sich Karl der Grosse zur Auf-
yabe, nach dem römischen Vorbilde Strassen und Brücken herzustellen,
und verfügte in seinen Kapitularien, dass, wie zur Römerzeit, die be-
nachbarten Gemeinden zu Frohnden zur Instandhaltung der Strassen
verpflichtet seien. Gleichwohl verfielen in den folgeuden Jahrhunderten
die alten Römerstrassen, und der gesamte Binnenverkehr blieb bis
in das neunzehnte Jahrhundert hinein durch schlechte Strassen im
höchsten Masse erschwert, Nach Karl dem Grossen ist es Colbert
yewesen, der die Bedeutung der Kommunikationsmittel für den Wohl-
stand des Landes richtig erkannte und alles daran setzte, dieselben zu
verbessern. Er liess die schon früher gepflasterte Strasse von Paris
nach Orleans wieder herstellen und erweitern, ferner Strassen von der
Champagne nach dem Elsass, dann durch die Languedoc u. s. w. hin-
durchlegen. Das wichtigste Werk war aber der Kanal durch dieselbe
Provinz, der in 15 Jahren zur Ausführung kann. Seitdem ist gerade
in Frankreich ausserordentlich viel für das Strassenwesen geschehen,
was die Bewunderung der Reisenden aus allen Ländern hervorrief.
Selbst in England ist man erst viel später zu guten Strassen gelangt
als in Frankreich. Noch am Ende des 18. Jahrhunderts war das Strassen-