Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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wesen daselbst allgemein in traurigem Zustande, selbst in der Um- 
yegend der Hauptstadt; und noch im Beginne des neunzehnten Jahr- 
hunderts haben Pferde Barchentpacken auf dem Rücken in England 
von einer Stadt zur anderen gebracht, weil die Strassen unpassierbar 
waren. Noch schlimmer sah es damit in Deutschland aus, wo für 
die Landwege bis Ende des 18. Jahrhunderts äussert wenig geschah. 
Die Entwicklung der Wasserstrassen wird uns später besonders zu be- 
schäftigen haben. 
Erst in dem Beginne des neunzehnten Jahrhunderts begann man 
eigentliche Kunststrassen anzulegen, besonders auf Grund der KErfin- 
dungen Mac Adams und Telfords, die statt der bisherigen Pflasterung 
eine Schicht ganz kleiner Steine auffüllten und damit die ungleich 
glatteren modernen Chausseen einführten. 1816 gab es in Preussen 
schon 420 Meilen, 1862 schon gegen 4000 Meilen solcher Chausseen 
Aber auch hiermit begnügte man sich nicht, sondern versuchte durch 
Schienenlegung die Reibung noch in einem höherem Masse zu ver- 
mindern. Schon in Jahre 1500 hat man in Bergwerken am Harz und 
im Erzgebirge Holzgeleise zur Anwendung gebracht; von dort sind die- 
selben auch am Ende desselben Jahrhunderts durch Harzer Bergleute, 
welche die Königin Elisabeth nach England zog, dort eingebürgert. 
Im Jahre 1767 wurde dann der Leiter eines Kohlenbergwerkes, der 
zufällig grossen Vorrat von Roheisen hatte, dazu gebracht, die langen 
Barren als Langschwellen zu einer Bahn zusammen zu legen, die, weil 
sie sich bewährten, mit einer Spur versehen wurden und schliesslich 
zur Sicherung des Laufs der, Räder flach gewölbte Schienenköpfe er- 
hielten, wodurch die eiserne Spurbahn gebildet wurde, die schon in 
den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts eine gewisse Verbreitung 
erlangt hatte. Erst 1830 wurden die jetzt allgemein angewendeten 
gewalzten Schienen von Robert Steffenson eingeführt. Eine geraume 
Zeit verging, bis man imstande war, sich von den Pferden als Zug- 
mittel zu emanzipieren, was bekanntlich erst auf Grund der Erfindung 
der Dampfmaschine von Watt durch die Lokomotive von George 
Stephanson geschah, die 1814 zuerst auf den Kohlenbahnen, seit 1830 
auch zum Güter- und Personenverkehre zur Anwendung kam. 1806 
wurde als wesentliche Ergänzung von Robert Fulton aus New -York 
das erste Dampfboot gebaut, welches 1807 den Hudson befuhr, nach- 
dem schon vorher in England ähnliche Versuche, doch ohne nach- 
haltige Bedeutung gemacht waren, 1817 fuhr das erste Dampfschiff 
auf dem Rhein, 1819 durchnitt das erste den atlantischen Ozean. 
Seitdem haben die Dampfschiffe immer mehr die Segelschiffe verdrängt 
und gegenwärtig nicht nur den grössten Teil des Gütertransportes, 
sondern fast den ganzen Personenverkehr zur See übernommen. 1814 
gab es in dem vereinigten Königreich erst 6 Dampfschiffe, 1836 69 mit 
9700 Tonnen Gehalt, 1896 8522 Dampfschiffe mit 6,3 Mill. Tonnen. 
Daneben waren noch über 12000 Segelschiffe im Gange, aber nur mit 
2,7 Mill. Tonnen Gehalt. Im deutschen Reiche ist diese Entwicklung 
erst sehr viel später eingetreten: 1871 zählte man hier nur 147 Dampf- 
schiffe mit 82 000 Tonnen neben 4372 Segelschiffen mit 900000 Tonnen, 
1900 war ihre Zahl auf 2288 Segelschiffe mit 578397 Tonnen ver- 
mindert, während die Dampfschiffe sich auf 1293 mit 1 863 524 Tonnen 
vermehrt hatten. 
Veue Zeit. 
“hausseen. 
chienenwege. 
DYammpfboot.
	        
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