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England.
dem Ergebnis (Bericht von Krantz), dass durch nichts das wirtschaft-
liche Leben zu solchem Aufschwung gebracht werden könne, als durch
len Ausbau der bisherigen Wasserstrassen und deren planmässige Er-
weiterung, worauf der Minister Freycinet 1878 ein Gesetz einbrachte
und auch in dem folgenden Jahre durchsetzte, nach welchem gegen
300 Millionen Frks, zum Ausbau eines umfassenden Kanalsystems aus-
zeworfen wurden. Zu diesem Entschlusse wurde das Ministerium wie
die Volksvertretung besonders dadurch veranlasst, dass die Eisen-
ahnen in der Hand weniger grosser Gesellschaften waren, gegen deren
Monopol die Regierung sich vielfach machtlos erwies. Man wollte
nun ein den Eisenbahnen ebenbürtiges Wasserstrassennetz ausführen,
um damit den Eisenbahnen erfolgreich entgegentreten und ihr M onopol
brechen zu können, Begünstigt wurde das Unternehmen durch den
Umstand, dass die meisten und bedeutendsten Kanäle sich bereits in
der Hand der Staatsgewalt befanden; und die grösseren zu bauenden
sollte sich der Staat vorbehalten, nur die kleineren eventuell dem
Privatbau überlassen. Die anfängliche Begeisterung für diesen Plan
liess indess bald nach, einmal weil missliche Finanzverhältnisse eintraten,
die zur Sparsamkeit zwangen, und man ausserdem bald erkannte, dass
der Kostenanschlag viel zu niedrig war, vielmehr die Ausbauung: der
schon bestehenden Kanäle allein den grössten Teil der ausgeworfenen
Summe verschlang, so dass für die Erweiterung des Netzes nicht viel
übrig blieb. Erreicht wurde aber ein einheitliches System, welches
wesentlich grösseren Schiffen, als früher zugänglich war und eine
reichliche Benutzung fand,
Die pekuniäre Verwertung der Kanäle ist stets eine unzulängliche
zewesen. Von 1838—79 wurden durchschnittlich 11 Mill. Fres. ordent-
üche, und 16,2 Mill. ausserordentliche Ausgaben für die Wasserstrassen
gemacht, während die Einnahmen aus den Schiffahrtsangaben nur 6,4 Mill.
Fres., d. s. 58 °%, der ordentlichen Ausgaben betrugen, so dass jährlich
20 Mill. von dem Staate dafür verausgabt werden mussten. Hierunter
allen aber auch die Ausgaben für die Stromregulierung, welche ge-
macht werden müssten, auch wenn eine Schiffahrt darauf nicht statt-
fände, Seit 1880 sind dann die als unzureichend erkannten Schiffahrts-
abgaben aufgehoben, so dass die Last des Staates dadurch noch erhöht
wurde. Dabei ist von einer Verzinsung des Anlagekapitals natürlich
nicht die Rede, und die 5000 km Kanäle kosteten durchschnittlich
212000 Fres, pro Kilometer, Trotz dieses pekuniär wenig günstigen
Ergebnisses hat man den Kanalbau keineswegs aufgegeben, vielmehr
ıst gerade in den letzten Wochen in den französischen Zeitungen eine
aeue Gesetzesvorlage in Aussicht gestellt, welche eine halbe Milliarde
Fres. für den weiteren Ausbau der Wasserstrassen verlangt.
In England hat man früh begonnen, die natürlichen Wasser-
strassen durch Regulierung der Schiffahrt zugänglicher zu machen, und
damit in der Zeit der schlechten Landstrassen in früheren Jahrhunderten
den Verkehr ausserordentlich erleichtert. Erst 1759 ist dort der erste
Kanal gebaut, welcher die Kohlengruben des Herzogs von Bridgewater
mit Manchester verbinden sollte. Es ist der berühmte Bridgewater-
zanal, der einen ausserordentlichen Erfolg hatte und dem Erbauer zeit-
weise 15%, Dividende einbrachte. Dieses günstige Beispiel fand dann
umfassende Nachfolge, so‘ dass bis 1830 eine grosse Zahl wichtiger