Zentrum, um so niedriger werden ‘also die Fruchtpreise sein, und er
untersucht nun, welches Wirtschaftssystem in den einzelnen sich um
das Zentrum lagernden Kreisen den höchsten Reinertrag abliefert. Er
stellt dafür genaue Berechnungen an und entnimmt dazu das Material
seinen eigenen Wirtschaftsbüchern. Er kommt zu dem Ergebnis, dass
in der nächsten Nähe der Stadt die Kultur von Gemüse, frischem Obst,
die Gewinnung von Milch, Butter, Eiern, dann von Stroh und Heu sich
am meisten bezahlt macht, Produkte, welche teils durch ihr Volumen,
teils weil sie leicht verderben, einen weiteren Transport auf gewöhnlichem
Landwege nicht vertragen. Der Preis dieser Produkte muss deshalb
50 hoch steigen, dass durch sie ein höherer Reinertrag zu erzielen ist,
als durch die übrigen Früchte, die deshalb mehr und mehr verdrängt
and in der Kultur auf entferntere Gegenden verwiesen werden. Dies
wird dadurch begünstigt, dass aus der Stadt der Dünger beschafft
werden kann, der für die angegebenen Kulturen in reichem Masse not-
wendig ist. Die Viehhaltung zur Düngergewinnung ist deshalb nicht
nötig. Vieh wird nur gehalten, soweit es zum Zuge, dann zur Milch-
produktion erforderlich ist. Der Viehstand wird in diesem nächsten
Kreise also ein verhältnismässig geringer sein. Es ist der Kreis der
freien Wirtschaft.
In dem zweiten Kreise muss nach Thünen’s Berechnung die
Waldkultur Platz greifen. Das schwer transportable Holz ist in-
folge der hohen Kosten der Anfuhr so teuer, dass der Wald in dieser
Gegend eine höhere Rente abwirft, als der landwirtschaftlich benutzte
Acker.
In den dritten Kreis verweist er, unter Voraussetzung seiner
heimischen Verhältnisse mit üppigem Graswuchs, die Feldgraswirt-
schaft, während in anderen Gegenden mit einem trockneren Klima
die Fruchtwechselwirtschaft sich am besten bezahlt macht.
Hier müssen die voluminösen Hackfrüchte gebaut werden, hier ist die
Stallfütterung am Platze, um Mastvieh zu halten, während das Ge-
treide nur eine Ergänzung zu ihm bildet. Die Preise der Früchte
sind so hoch, dass eine intensive Ausnutzung des Bodens sich bezahlt
macht und ein grosser Aufwand von Arbeit und Kapital den Verhält-
aissen entspricht.
In dem vierten Kreise, wo nun bereits extensiver gewirtschaftet
werden muss, bleibt mehr Land als Brache liegen. Auf Hackfrüchte
muss verzichtet werden; Mastung macht sich nicht mehr bezahlt; so-
wohl an Arbeitskräften, wie an Dünger wird gespart, hier kann nur
Dreifelderwirtschaft durchgeführt werden. Das Getreide ist es,
welches hier hauptsächlich gebaut wird und zur Ernährung der Stadt
dient. In dem fünften Kreise lohnt sich auch nicht mehr der Ge-
'reidebau, es tritt die Weidewirtschaft ein. Mageres Vieh wird nach
dem dritten Kreise getrieben, Wolle, Felle etc. sind daneben die Ver-
kaufsartikel.
Das Hauptergebnis dieser Darstellung ist, dass der Landwirt
nicht beliebig das Wirtschaftssystem wählen kann, sondern gezwungen
ist, auf Grund einer Berechnung festzustellen, welches den höchsten
Reinertrag zu liefern vermag, weil unter gegebenen Verhältnissen stets
aur ein bestimmter Grad der Intensität des Betriebes sich bezahlt
macht.