Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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meiden zu können. 3. Die Bevölkerungsstatistik, welche nach 
dem Gesagten nicht hierher gehört und ausführlich im Bd. IV, 1. Heft 
»ehandelt wird. 
Bedeutung Die Bevölkerung ist, wie erwähnt, die Grundlage der ganzen 
ter Volkszahl. Volkswirtschaft, und ebenso der Träger der geistigen Kultur. Deshalb 
ist bis zu einem gewissen Grade die Volkszahl oder der Bevölkerungs- 
stand massgebend für die wirtschaftliche Arbeitskraft und für die 
politische Macht. Ein Land mit der doppelten oder gar zehnfachen 
Einwohnerzahl wird unter sonst gleichen Verhältnissen eine entsprechend 
höhere Bedeutung zu erlangen vermögen. In wirtschaftlicher Hinsicht 
wird ein Uebergewicht allerdings erst dann hervortreten, wenn die 
einzelnen Mitglieder nicht lose in privatwirtschaftlicher Isolierung neben- 
einander hergehen, wie in einer Heerde, sondern sie zu einem volks- 
wirtschaftlichen Ganzen unter fruchtbringender Organisation der Kräfte 
vereinigt sind. Wenn die Familien oder Gemeinden nur produzieren, 
was sie gebrauchen, und nur konsumieren, was sie produzieren; wenn 
Arbeitsteilung und Tauschverkehr fehlen, so wird auch eine stärkere 
Bevölkerung keine höhere wirtschaftliche Bedeutung zu erlangen ver- 
mögen, wie ebensowenig eine grössere politische Macht, so lange die 
Bevölkerung nicht durch einen gemeinsamen Führer zu einem ge- 
schlossenen Vorgehen gebracht wird, sondern jede Gemeinde, jeder 
kleine Stamm für sich selbst handelt, und auf eigene Hand vorgeht. 
In der gleichen Weise wird die Volkszahl an Bedeutung ver- 
lieren, je mehr sie sich auf einer grossen Fläche zersplittert, auch 
wenn sie in einem Staate vereinigt ist. Die Millionen, welche Sibirien 
5evölkern, repräsentieren bei weitem nicht die wirtschaftliche Kraft, 
wie die gleiche Zahl etwa Belgiens und Sachsens, weil sie nicht in der 
Vereinigung zur Geltung kommen können. 
Einen weit tieferen Einblick in die Verhältnisse gewinnen wir 
Jaher durch die Betrachtung der sogenannten Volksdichtigkeit eines 
Landes, oder der relativen Bevölkerung, die wir durch die Fest- 
stellung des Verhältnisses der Volkszahl zur Fläche, reduziert auf eine 
Einheit erhalten. Man nahm in früheren Zeiten die Quadratmeile zur 
Grundlage, jetzt allgemein den Quadratkilometer. So zählt 1900 
Deutschland 104 Menschen auf dem Quadratkilometer, aber Sachsen 
280, Ostpreussen 54, Württemberg 111, im Jahre 1895 England 
ınd Wales 203, Schottland dagegen 54, das europäische Russland 
20, Norwegen 6,3. Aber auch diese Durehschnittszahlen müssen 
kritisch aufgefasst werden. Sie führen irre, wenn in dem betreffenden 
Lande die Verteilung eine sehr ungleiche ist. In den ausgedehnten 
Gebirgsteilen Schottlands wohnen nur wenige Menschen auf einem 
uadratkilometer, wie ebenso in dem ganzen Norden von Norwegen 
und Schweden, Diese fallen für die wirtschaftliche Bedeutung des 
Landes gar nicht ins Gewicht, sie drücken den ganzen Durchschnitt 
vedeutend herab, während ein grosser Teil der genannten Länder eine 
ebensolche Dichtigkeit der Bevölkerung zeigt, wie Deutschland, und 
die gleiche wirtschaftliche Wirksamkeit entfaltet. 
Es bedarf hier keiner weiteren Ausführung, dass die Zahl allein 
nicht das bestimmende ist, sondern die Eigenschaften insbesondere die 
intellektuellen massgebend sind, wie sie die Rasse und die Kulturstufe, 
auf welcher sie sich befindet, bedingen. Wir haben dieses im Grund- 
Volksdichtig- 
keit.
	        
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