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die Produktion oder der Absatz durch besondere Verhältnisse begüns-
tigt wird, wie z. B. in Lothringen die Geflügelzucht und Geflügelmastung.
8 9.
Die Statik.
Liebig, I)ie Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie.
Braunschweig 1862.
Conrad, Liebigs Ansicht von der Bodenerschöpfung. Jena 1864.
Ed, Heiden, Leitfaden von der ges. Düngerlehre und Statik des Landbaues.
Hannover 1873,
&. Drechsler, Die Statik des Landbaues. Göttingen 1896.
M, Maercker, Raubbau, Handwörterbuch der Staatswissenschaften. 2. Aufl.
Jena 1901.
Schon in uralter Zeit hat man die Erfahrung gemacht, dass der
Boden durch die Ernte erschöpft wird und einen Ersatz in der
Düngung bedarf, um seine Leistungsfähigkeit wieder zu erlangen. Das
jekunden Berichte der Israeliten und eine Menge Schriften der alten
riechen und Römer. Wie aber der Ersatz am zweckmässigsten zu
Dieten sei, durch welche Substanzen er gewährt werden könne, darüber
'st man bis in die neuere Zeit sehr im Unklaren gewesen und haben
verschiedene Auffassungen bestanden. Noch im Beginne des 19. Jahr-
aunderts glaubte vor allem Albrecht Thaer, in der Humussäure den
1auptsächlichsten Düngestoff annehmen zu können. In den fünfziger
Jahren empfahlen Wolf und Stöckhardt dem Landwirte in erster
Linie reichlichen Ersatz an Stickstoff, als der hauptsächlichsten Kraft
zur Belebung des Pflanzenwachstums im Dünger. Erst Justus von
Liebig war es, der in seiner oben angegebenen Schrift die richtige
Lehre aufstellte, dass die Pflanze im Boden hauptsächlich bestimmte
Aschenbestandteile als mineralische Nährstoffe vorfinden müsse, um
zedeihen zu können; dass ein Teil von ihnen, wie namentlich Phos-
ohorsäure, Kali und Kalk im Boden nur in beschränktem Masse vor-
handen sei, und in jeder Ernte ihm gerade diese Stoffe in erheblicher
Menge entzogen würden, der Acker deshalb in seiner Ertragsfähigkeit
z3rlahme, wenn hier nicht voller Ersatz geboten werde. Jedes Wirt-
schaftssystem, bei welchem nicht ein voller Ersatz dieser Stoffe vor-
liegt, bezeichnete er als Raubbau; vollständigen Ersatz, indem dasselbe
uantum, welches in der Ernte dem Boden genommen, in der Düngung
wieder zurückerstattet wird, nannte er Statik.
Auf Grund dieser jetzt von der Naturwissenschaft allgemein als
richtig anerkannten Lehre von der Ernährung der Pflanze zog Liebig
nun allgemeine Konsequenzen für die gesamte Volkswirtschaft und
Landwirtschaft, welche in seiner Zeit auf Staatsmänner wie Landwirte
einen grossen Eindruck machten, aber im Laufe der Zeit modifiziert
wurden.
Liebig’s Lehre Aus den erwähnten naturwissenschaftlichen Prämissen zog Liebig
‚om Raubbau.den Schluss, dass es für die Landwirtschaft notwendig sei, stets die
Statik zu wahren, und dass jeder Betrieb die Volkswirtschaft nach-
haltig schädige, welcher vollständigen oder teilweisen Raubbau in sich
schliesst, da die Bodenerträge dadurch seiner Ansicht nach nicht nur
momentan, sondern nachhaltig reduziert werden. Zu seiner Beweis-
führung zog er die Geschichte heran, indem er behauptete, dass alle