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Darwin führt in seinem Werke des Näheren aus und belegt dies
mit einer Menge von Beispielen, wie die Pflanzen stets eine grosse
Zahl von Samenkörnern liefern, die ausgerüstet mit Keimkraft auf den
Boden gestreut werden, um überall dort Wurzel zu fassen und zu
wachsen, wo der Boden dafür geeignet ist. Aber nur ein kleiner Teil
derselben vermag die nötigen Bedingungen zu finden; bei weitem der
grösste Teil geht zu Grunde, vertrocknet oder dient zur tierischen oder
menschlichen Nahrung und gelangt nicht zur Entwicklung. Durch die
grosse Menge des Samens ist aber für jede Pflanze die Möglichkeit
gegeben, sich in kurzer Zeit gewaltig zu verbreiten, wo irgend die
Grundlagen des Gedeihens geboten sind. So zeigte es sich, dass
Pflanzen, die in Amerika ganz unbekannt gewesen waren, wie die
Distel in Brasilien, in Dakota, bald Quadratmeilen überwucherten, nach-
dem einzelne Samenkörner zufällig durch Einwanderer hereingebracht
waren. Ganz dasselbe ist von den Tieren zu sagen, die gleichfalls die
natürliche Fähigkeit besitzen, ihre Art in rapider Weise zu vermehren.
Der Hausen liefert im Jahre Hunderttausende, wo nicht Millionen von
Biern, welche Lebensfähigkeit besitzen, sobald sie in ihr Lebenselement
zelangen und befruchtet werden. Ein Kaninchenpaar kann in wenig
Jahren tausende von Nachkömmlingen haben. Auch die sich am lang-
samsten vermehrenden "Tiere, wie Elefanten, Löwen etc. vermögen
im Durchschnitte jährlich mehr wie zwei lebensfähige Junge zu liefern und
damit ihre Art zu vermehren. Auch diese Nachkommen sind er-
wachsen mit derselben Fähigkeit ausgerüstet, und so liegt für sie
die Möglichkeit vor, in progressiver Weise eine Zunahme zu bewirken,
so dass ihre Zahl unter günstigen Bedingungen in leicht zu berechnen-
derEntwicklung von Jahren derartig angewachsen wäre, dass sie nicht einmal
Platz auf der Erde haben würden, um neben einander zu stehen, ge-
schweige denn sich darauf zu ernähren und zu gedeihen. Die Folge
dieser natürlichen Fähigkeit ist, dass die Pflanzen wie die Tiere sich
den Platz und die Nahrungsmittel streitig machen, die sie gebrauchen,
um zu wachsen und sich weiter zu entwickeln, m. a. W. es entspinnt
sich deshalb ein allgemeiner Kampf um das Dasein. Die Distel
überwucherte auf den Prärien die dort vorgefundenen Gräser und war
imstande, sie in ausgedehntem Masse zu unterdrücken und Terrain zu
arobern. Sie zeigte sich als die stärkere; dann aber traten bei der Fülle
des ausgestreuten Samens die einzelnen Distelpflanzen mit einander in
Kampf, da unmöglich alle die aufgekeimten Pflanzen sich neben-
anander entwickeln konnten. Auch hier wurde die schwächere Pflanze
verdrängt, die stärkere dagegen wuchs heran, lieferte Samen und
pflanzte ihre Art fort. Auch ihrer Ausbreitung aber ist nur dadurch
eine Grenze zu setzen, dass ihr andere, kräftigere Pflanzen gegenüber-
stehen, die sie nicht zu überwältigen und zu verdrängen vermag.
Dieselbe Erscheinung tritt uns bei den Tieren entgegen. Die neue
Welt kannte weder Pferde noch Sperlinge, sie wurden erst von Europa
‚mportiert. Sich selbst überlassen bildeten die Pferde in den Prärien
9ald gewaltige Herden. Sie lieferten aber reichliche Nahrung für die
Raubtiere, die sich deshalb schneller vermehrten, den Pferden energisch
nachstellten und ihre. Zahl einschränkten. Die Sperlinge wurden in
Australien zuerst als ein Segen und als bestes Mittel zur Vernichtung
ler schädlichen Insekten gepriesen: aber nach wenig Jahren waren sie
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Kampf um
das Dasein
7ei Pflanzen.
Kampf um
las Dasein
bei Tieren.