Full text : Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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der Kriege und die desinfizierende Wundbehandlung sind Faktoren,
welche in der Gegenwart gegenüber den früheren Zeiten die Volkszunahme
 erheblich unterstützen.
In den gebildeten Volksschichten wird diese Zunahme noch wesentlich
 durch das energische Hinaufstreben der unteren Klassen in die
höheren gehoben. Dies hat seine natürliche Berechtigung und ist in der
Hauptsache als cine erfreuliche Erscheinung zu begrüssen. Es wird
durch den wachsenden Wohlstand gefördert und durch die staatlichen
Einrichtungen wesentlich unterstützt. Die Gefahr einer Ueberfüllung
liegt hier noch besonders dadurch vor, dass unter sonst gleichen Ver-Yältnissen
 bei zunehmender Volksdichtigkeit nur eine geringere Zahl von
geistigen Führern gebraucht wird. Je grösser die Dichtigkeit der Bevölkerung,
 um so leichter können weniger Aerzte, Lehrer, Richter, Verwaltungseamte,
 als früher eine gleiche Zahl von Menschen behandeln, lehren, leiten
Vor allem braucht die Zahl der Beamten nicht in derselben Weise zu
steigen wie die Bevölkerungszahl. Wenn nun gleichwohl nicht nur die
zleiche, sondern eine grössere Zahl von Jurastudierenden auftreten, so
muss sich cin Missverhältnis herausstellen. Dem ist nur dadurch entvegenzuwirken,
 dass die physische Arbeit im Vergleich zur geistigen
wesentlich besser bezahlt wird und die gesellschaftliche Stellung der
in wirtschaftlichen Berufszweigen T’hätigen mehr und mehr den liberalen
gleich wird, wodurch zugleich erzielt werden kann, dass sich die besten Kräfte
nicht mehr vorzugsweise den letzteren, sondern gerade auch den ersteren
zuwenden, wie das in England und Amerika thatsächlich der Fall ist.

Kapitel IL.
Bevölkerungspolitik.

8 88.
Einleitung.
Die Bevölkerungspolitik ist die Lehre von der Fürsorge der
Staatsgewalt für die Bevölkerungsverhältnisse, speziell für die Bevölkerungsentwicklung.
 Aus dem früher Gesagten ergiebt sich, dass diese
Fürsorge nach zwei Richtungen gehen kann, einmal auf die Förderung
der Volkszunahme in einem Lande zu einer Zeit des Volksmangels,
dann umgekehrt auf die Zurückhaltung der Volkszunahme, um den daraus
antstehenden Uebelständen entgegenzuwirken. Die erstere Aufgabe hat
man sowohl im klassischen Altertume, wie in dem merkantilistischen
Zeitalter übernehmen zu müssen geglaubt, während in dem letzten Jahrhundert
 die entgegengesetzte Auffassung Platz gegriffen hat.
Namentlich im alten Sparta suchte man mit allen Mitteln eine
Zunahme des herrschenden Volksstammes der Spartiaten zu fördern,
da davon die Macht in dem Innern, wie die Wehrhaftigkeit nach aussen
abhing, und die vielen Kämpfe eine Menge Menschenleben kosteten.
Bei dem Fehlen des Familiensinns und des Familienlebens wurde die
Ehe nur als die Grundlage der Volkszunahme behandelt. Jeder Spartiate
war verpflichtet zu heiraten, der Widerstrebende konnte wegen Ehe-‚osigkeit
 in Anklagezustand versetzt werden und wurde mit Missachtung
yehandelt. Aber nicht nur auf eine Verheiratung überhaupt, sondern
insbesondere auf eine solche im richtigen Alter wurde Gewicht ge-Altertum.


            
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