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Die moderne Dass in der Gegenwart thatsächlich in grosser Ausdehnung
Landw.betreibt:Raubbau getrieben wird, unterliegt nach unseren eingehenden Unter-
Saubbar, suchungen in verschiedenen Gegenden keinem Zweifel. Ueberall, wo
keine ausgedehnten Wiesen vorhanden sind, die ungedüngt bleiben und
durch Berieselung fruchtbar erhalten werden, oder durch Brennerei,
Rübenzuckerfabrikation unter ausschliesslichem Verkauf des Brannt-
weins und des Zuckers die mineralischen Pflanzennährstoffe nicht zur
Ausfuhr gelangen, oder durch ausgedehnten Ankauf von Futtermitteln
und künstlichem Dünger‘ besonderer Ersatz geschafft wird, — was in
Deutschland keineswegs allgemein geschieht, bei bäuerlichem Betriebe
vielmehr nur ausnahmsweise vorliegt, — findet thatsächlich eine nicht
unbedeutende Mehrausfuhr an Phosphorsäure und Kali statt; bei Ge-
treidewirtschaften hauptsächlich an dem ersteren Stoffe, nach unsern
Berechnungen 2—3 Pfd.; wo Kartoffeln und Rüben verkauft werden,
besonders an Kali, bis 5 Pfd. pro Morgen und Jahr. Dass hierdurch
{rüher oder später eine Verarmung an Phosphorsäure und Kali ein-
treten muss, ist ohne weiteres zuzugestehen. Während an Stickstoff
durch den Regen, dann durch den Anbau von Leguminosen, welche
denselben ansammeln und in den Wurzeln dem Boden erhalten, auch
ohne Düngung ein gewisser Ersatz geboten wird, ist er an minera-
lischen Pflanzennährstoffen nur durch den Verwitterungsprozess aus
dem Bodenvorrat den Pflanzen in löslichem Zustande allmählich zu-
gänglich zu machen. Dadurch kann eine gewisse Ertragsfähigkeit dem
Boden eine lange Zeit erhalten bleiben, aber sie sinkt schon früh, wie
Beobachtungen gezeigt haben, auf eine unrentable Tiefe herab.
Versuche des Sehr interessant sind nach dieser Richtung Versuche von
Anbau’s ohne Christiani-Kerstenbruch („Fünfzig Jahre ohne Düngung“, veröffent-
Düngung. Jjicht im „Landwirt“ 1878), und von Lawes und Gilbert (vergl. die
Rothhamstedter Publikationen derselben), die Beide eine lange Zeit
hindurch einem Grundstück jährliche Ernten abforderten, ohne ihm
irgend welche Düngung zu geben.
Das Ergebnis der Versuche von Lawes und Gilbert waren
die folgenden. Es wurden geerntet:
ungedüngt volle Düngung
kg Weizenkörner pro ha
1320 1995
1101 2336
138 2067
885 2636
673 2689
878 2655
820 2467
Hieraus ergiebt sich, dass schon in den ersten Jahren auf dem
ungedüngten Lande die Ernte sehr bedeutend zurückging, während sie
sich auf dem Gedüngten nicht unbedeutend hob. Nach einiger Zeit
haben beide Felder eine gewisse Stabilität erreicht, auch die unge-
düngte Fläche wurde nicht völlig unbrauchbar, der Verwitterungsprozess
lieferte immer noch einen gewissen Zuschuss, aber der Ertrag war
nur wenig über ein Drittel der gedüngten Fläche. Der reichere Boden
Christianis bewahrte seine Tragfähigkeit längere Zeit hindurch, doch
war zuletzt der Ertrag an Zuckerrüben auf weniger als ein Drittel
gesunken, bei Gerste nur im Verhältnis von 25 zu 19. Hieraus lässt