Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Die moderne Dass in der Gegenwart thatsächlich in grosser Ausdehnung 
Landw.betreibt:Raubbau getrieben wird, unterliegt nach unseren eingehenden Unter- 
Saubbar, suchungen in verschiedenen Gegenden keinem Zweifel. Ueberall, wo 
keine ausgedehnten Wiesen vorhanden sind, die ungedüngt bleiben und 
durch Berieselung fruchtbar erhalten werden, oder durch Brennerei, 
Rübenzuckerfabrikation unter ausschliesslichem Verkauf des Brannt- 
weins und des Zuckers die mineralischen Pflanzennährstoffe nicht zur 
Ausfuhr gelangen, oder durch ausgedehnten Ankauf von Futtermitteln 
und künstlichem Dünger‘ besonderer Ersatz geschafft wird, — was in 
Deutschland keineswegs allgemein geschieht, bei bäuerlichem Betriebe 
vielmehr nur ausnahmsweise vorliegt, — findet thatsächlich eine nicht 
unbedeutende Mehrausfuhr an Phosphorsäure und Kali statt; bei Ge- 
treidewirtschaften hauptsächlich an dem ersteren Stoffe, nach unsern 
Berechnungen 2—3 Pfd.; wo Kartoffeln und Rüben verkauft werden, 
besonders an Kali, bis 5 Pfd. pro Morgen und Jahr. Dass hierdurch 
{rüher oder später eine Verarmung an Phosphorsäure und Kali ein- 
treten muss, ist ohne weiteres zuzugestehen. Während an Stickstoff 
durch den Regen, dann durch den Anbau von Leguminosen, welche 
denselben ansammeln und in den Wurzeln dem Boden erhalten, auch 
ohne Düngung ein gewisser Ersatz geboten wird, ist er an minera- 
lischen Pflanzennährstoffen nur durch den Verwitterungsprozess aus 
dem Bodenvorrat den Pflanzen in löslichem Zustande allmählich zu- 
gänglich zu machen. Dadurch kann eine gewisse Ertragsfähigkeit dem 
Boden eine lange Zeit erhalten bleiben, aber sie sinkt schon früh, wie 
Beobachtungen gezeigt haben, auf eine unrentable Tiefe herab. 
Versuche des Sehr interessant sind nach dieser Richtung Versuche von 
Anbau’s ohne Christiani-Kerstenbruch („Fünfzig Jahre ohne Düngung“, veröffent- 
Düngung. Jjicht im „Landwirt“ 1878), und von Lawes und Gilbert (vergl. die 
Rothhamstedter Publikationen derselben), die Beide eine lange Zeit 
hindurch einem Grundstück jährliche Ernten abforderten, ohne ihm 
irgend welche Düngung zu geben. 
Das Ergebnis der Versuche von Lawes und Gilbert waren 
die folgenden. Es wurden geerntet: 
ungedüngt volle Düngung 
kg Weizenkörner pro ha 
1320 1995 
1101 2336 
138 2067 
885 2636 
673 2689 
878 2655 
820 2467 
Hieraus ergiebt sich, dass schon in den ersten Jahren auf dem 
ungedüngten Lande die Ernte sehr bedeutend zurückging, während sie 
sich auf dem Gedüngten nicht unbedeutend hob. Nach einiger Zeit 
haben beide Felder eine gewisse Stabilität erreicht, auch die unge- 
düngte Fläche wurde nicht völlig unbrauchbar, der Verwitterungsprozess 
lieferte immer noch einen gewissen Zuschuss, aber der Ertrag war 
nur wenig über ein Drittel der gedüngten Fläche. Der reichere Boden 
Christianis bewahrte seine Tragfähigkeit längere Zeit hindurch, doch 
war zuletzt der Ertrag an Zuckerrüben auf weniger als ein Drittel 
gesunken, bei Gerste nur im Verhältnis von 25 zu 19. Hieraus lässt
	        
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