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Die sonstige Fürsorge für die untern Klassen durch
Gemeinden und Private.
F#. v. Reitzenstein, Der Arbeitsnachweis. Berlin 1897.
J/astrow, Die Einrichtung von Arbeitsnachweisen und Arbeitsnachweisverbänden.
Berlin 1898,
Georg Adler, Hawb. d. St.-W. Artikel: Arbeitsnachweis.
Paul Voigt, Grundrente und Wohnungsfrage in Berlin. I. Teil. — Jena 1901.
Schriften des Vereins f. Sozialpolitik, Bd. XCIV bis XCVII. Neue Unter-
suchungen über die Wohnungsfrage. Leipzeig 1901.
Fuchs in Hawb. d. St.-W., Bd. VII Art. Wohnungsfrage.
C, Clemen, Vic. Dr., Die sogen. Settlements-Bewegung in London. Deutsches
Wochenblatt 1897, No. 4.
E. Conrad, Amerikanische Settlements. Zeitschr. d. Centralstelle £. Arbeiter
Wohlfahrtseinrichtungen herausg. v. Prof, Albrecht. 1899, No. 19.
Wo cine angemessene Armenpflege existiert, muss das Betteln
selbstverständlich verboten sein. Aber auch wo das der Fall
ist, ist das Betteln ausserordentlich schwer auszurotten, weil das
Publikum kritiklos Almosen giebt und damit fortdauernd demorali-
sierend wirkt. Da Verbote des Almosengebens unwirksam zu sein
pflegen, kann man dasselbe nur bekämpfen durch eine sehr gute
Organisation der Armenpflege, bei welcher das Publikum die Ueber-
zeugung gewinnt, dass jeder wirklich Bedürftige ausreichend ver-
sorgt wird, und wo zugleich jedem Gelegenheit gegeben wird, die
Wohlthätigkeit zu bethätigen. Hierzu dienen Antibettelvereine, bei
denen die Mitglieder sich verpflichten, selbst kein Almosen zu geben,
sondern alle Spenden dem Ausschusse des Vereins zu übertragen, an
den jeder Unterstützung Nachsuchende zu verweisen ist, um sich dort
einer genauen Untersuchung seiner Verhältnisse zu unterziehen. Eine
angemessene Wirkung wird aber. nur zu erreichen sein, wenn der Verein
im ganzen Orte die weitgehendste Beteiligung und Geldunterstützung findet.
Eine der bedeutsamsten Aufgaben der Zeit ist unzweifelhaft eine
angemessene Organisation des Arbeitsmarktes durch Errichtung von
Centralstellen zur Orientierung über den Bedarf an Arbeitskräften
und das Angebot. Dieses kann nur durch Centralisation im
Grossen von Erfolg sein und müsste von den städtischen Gemeinden
ausgehen, die untereinander in Verbindung zu treten hätten. Die
modernen Hilfsmittel der Post, des Telegraphen, Telephons und der
Eisenbahn gestatten einen billigen Austausch der Arbeitskräfte. der
noch zu wenig verwertet wird.
Es fehlt bis jetzt leider allgemein an einer ausreichenden Ver-
mittlung des Arbeitsnachweises. Dass die private erwerbsmässige Stellen-
nachweisung nicht ausreichend ist und dabei für alle Teile nicht nur
überaus lästig ist, sondern sogar zu einer bedenklichen Ausbeutung
der arbeitenden Klasse führt, ist eine allgemein anerkannte 'Thatsache.
Ebenso reicht der Weg der Annoncen nur für verhältnismässig wenig
Fälle aus, während er für die grosse Masse der einfachen Arbeiter
nicht nur zu kostspielig ist, sondern bei der Masse der Auftretenden
überhaupt ohne Wirkung bleiben würde. Auch für den Arbeitgeber
bringt die Inserierung meistens übermässige Umstände mit sich, wenn
namentlich in Zeiten der Arbeitslosigkeit auf eine Ankündigung
hunderte von Offerten einlaufen. Je mehr nun in der neueren Zeit
Antibettel-
vereine.
Arbeits-
jachweis-
hureaus.