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lie Arkeitslosigkeit grössere Dimensionen annimmt, und dadurch die
Arbeiternot in bedeutendstem Masse gesteigert wird, ist es unumgäng-
Private ich notwendig, andere Wege einzuschlagen.
Organisation Vor allem haben die Arbeitervereine, wie besonders die Trade-
der Arbeits- . « x " .
sermittelung, Uhions in England, aber auch einzelne Fachvereine in Deutschland
zentralisierte Nachweisbureaus errichtet, die in den grossen, fest organi-
sierten, über das ganze Land verbreiteten Vereinen sehr wohlthätig ge-
wirkt haben. Je kleiner aber die Vereine sind, je weniger Fühlung
sie mit den verschiedenen Landesteilen haben, um so unzureichender
müssen ihre Leistungen sein.
Für das Handwerk sind naturgemäss die Innu ngen die gegebenen
Organe für den Arbeitsnachweis, der ausdrücklich nach dem deutschen
Gesetz vom 18. August 1881 als Aufgabe in die Statuten mit auf-
genommen ist. Die Stellen suchenden Mitglieder sollen sich an den
Ausschuss für-das Gesellen- und Herbergswesen wenden, und ebenso
sollen die Gesellen in den Herbergen entsprechenden Nachweis er-
halten. Indessen wird darüber geklagt, dass von beiden Seiten der
Einrichtung nicht das nötige Interesse entgegengebracht wird, und in-
folgedessen das Gesamtergebnis wenig befriedigend ist.
Freiwillige Vereinigungen von Arbeitgebern zu demselben Zwecke
sind mitunter erfolgreicher gewesen. Hier ist wohl vor allem an die „Con-
sordia“ in Köln zu erinnern, welche lange Zeit ein eigenes Organ herausgab,
ınd sich: den Arbeitsnachweis zur besonderen Aufgabe machte. Aehnliche
sind in Hamburg, Berlin, Dresden und anderen Orten in Wirksamkeit.
Eine solche Organisation gemeinnütziger Natur ist bereits 1865 in
Stuttgart als Bureau für Arbeitsnachweis von verschiedenen gemein-
aützigen Vereinen gegründet. Hier ist gleichfalls der Berliner Zentral-
verein für Arbreitsnachweis zu nennen, der seit 1883 in Funktion ist,
and alljährlich vielen Tausenden zu einer angemessenen Stelle verhilft.
Hierher gehören auch die Schutzvereine für entlassene Ge-
fangene, die unter verschiedenen Namen in Deutschland vertreten sind
und überaus segensreich den Unglücklichen zur Seite stehen, an denen
ain Makelhaftet, und die deshalb besonders schwer Beschäftigung finden.
Ein wichtiger Schritt auf diesem Gebiete ist neuerdings gethan, indem im
Februar 1898, sich ein „Verband deutscher Arbeitsnachweise“ gebildet
nat, der die bisherigen provinzialen und Landesverbände zu zentrali-
zieren und damit zu höherer Wirksamkeit zu bringen sucht. Der Ver-
band hat ein eigenes Organ in der von Professor Jastrow herausge-
Kommunale gebenen Monatsschrift „der Arbeitsmarkt“.
Staatliche Aber alle diese Versuche haben doch niemals Aussicht etwas
ATERST: A sreichendes zu leisten. Sehr erfreulich ist es daher, dass endlich
Ende der achtziger Jahre eine neue Bewegung zu verspüren ist, die
immer allseitiger und energischer die Hilfe der kommunalen und
staatlichen Organe verlangt, um in umfassenderem Massstabe dieser
grossen Aufgabe näher zu treten.
In erster Linie sind hier die „Arbeiterbörsen“ in Frankreich: zu
nennen, von denen die erste 1887 errichtet wurde. Der Gemeinderat
stellte den Arbeitern die entsprechenden Lokalitäten zur Verfügung,
um dort Arbeitsvermittlungsbureaus einzurichten, ausserdem aber auch
Versammlungen abzuhalten etc, Zwar hat der Gemeinderat sich die
ÖOberaufsicht vorbehalten, thatsächlich hat sie aber keine Bedeutung.