268 ZWEITER TEIL
Vorsätzlich herbeigeführte Krankheiten
Durch Statut kann bestimmt werden, dass Versicherte, welche ihre
Krankheit vorsätzlich oder durch schuldhafte Beteiligung an Schlägereien
herbeigeführt haben, oder wenn die Krankheit sich als unmittelbare Folge
von Trunkenheit darstellt, ihre Ansprüche auf Krankengeld ganz oder
‚eilweise einbüssen (8 9 ec, Nr. 2).
Mehrleistungen
Das Gesetz ermächtigt die Krankenkassen, im Wege der Satzung (jedoch
aicht durch einfachen Vorstandsbeschluss) Mehrleistungen über die gesetz-
lichen Unterstützungen hinaus zu gewähren.
Entsprechend. dem sozialen Zweck, der mit der Gewährung der Mehr-
leistungen verfolgt wird, lassen sich mehrere Arten dieser Leistungen unter-
scheiden :
1. Erhöhung des gesetzlichen Krankengeldes; das tägliche Krankengeld
kann für die ersten sieben Lohnklassen bis zur Höhe des durchschnittlichen
täglichen Arbeitsverdienstes und für die drei andern Klassen bis zu vier
Fünfteln des täglichen Arbeitsverdienstes erhöht werden. Dauert die
Arbeitsunfähigkeit mehr als 3 Monate, so kann ausserdem zum Zweck der
Erhöhung des Krankengeldes eine Neueinreihung des Erkrankten in die
Lohnklassen unter Zugrundelegung des durchschnittlichen Arbeitsverdienstes
vorgenommen werden, den Arbeitnehmer derselben Art in derselben Gegend
im Zeitpunkt der Neueinreihung durchschnittlich zu erwerben pflegen
(8 9, Nr. 1).
2. Verlängerung der Bezugszeit des Krankengelds; durch die Satzung
zann die Dauer der Krankenunterstützung bis zu 1% Jahren ausgedehnt
werden ($ 9, Nr. 5).
3. Krankheiten von weniger als 3 Tagen ; das Krankengeld kann auch
'ür Krankheiten von 3 oder weniger Tagen gewährt werden ($ 9, Nr. 2).
Zahl der Krankheitsfälle
Der Hundertsatz der Erkrankungen ergibt sich aus der untenstehenden
Tabelle, die der amtlichen Statistik des Bundesministeriums für soziale
Verwaltung entnommen ist.
Durchführungsergebnisse
ZAHL DER KRANKHEITSFÄLLE AUF JE 100 VERSICHERTE *
Tahr
„915
L916
L917
"918
1919
30
Zahl der Krank-
heitsfälle auf je
100 Versicherte
33,6
36,9
48,7
60,9
46,1
51 90
Jahr
Zahl der Krank-
heitsfälle auf
je 100 Versicherte
-921 51,55
1922 52,80
1923 47,38
1924 | 55,78
1925 60.07
vA miliche Nachrichten des Bundesmir tod Hihr soziale "Verwaltung.
Während der Jahre von 1915 bis 1918 steigt die Zahl der Krankheitsfälle,
um dann Ende 1919 wieder abzunehmen. Während des Krieges musste die
[ndustrie Personen mit geringerer Widerstandsfähigkeit beschäftigen,
auch haben die Schwierigkeiten der Verpflegung ungünstig auf den all-
yemeinen. Gesundheitszustand eingewirkt. Seit 1920 folgt der Hundertsatz
Jer Erkrankungen von neuem einer aufsteigenden Kurve, die auf die Über-
füllung des Arbeitsmarktes zurückzuführen ist.
Zahl der Krankheitstage
Nicht nur der Hundertsatz der Krankheitsfälle, sondern auch die Zahl
ler auf den Versicherten entfallenden Krankheitstage (Krankheitsziffer)
ist in den letzten Jahren im Steigen begriffen, wie sich aus der nachstehenden
Tahelle ersiht