4)
aus in einer traurigen Lage befand, seine Produkte konnte er teils gar-
nicht, teils nur zu Spottpreisen verwerten, Gelegenheit zu Neben-
verdienst gab es nur bei benachbarten Gutsbesitzern und grossen
Bauern, Er stand auf der tiefsten Stufe der Kultur, ohne Intelligenz,
Ohne Bedürfnisse, ohne Streben vorwärts zu kommen. Unter diesen
Verhältnissen konnte auf seine Konservierung in der That kein grosses
Gewicht gelegt werden, während es allerdings sehr wichtig war, dem
aufstrebenden Grossgrundbesitz die nötigen Arbeitskräfte zu erhalten.
Eine Erleichterung war es dabei, wenn die Zulegung der kleinen Be-
Sitzungen zum Gute ermöglicht war und die bisherigen Kosäthen als
dauernde Lohnarbeiter, Deputanten etc. in dasselbe selbst eintraten,
as Tür die Betreffenden meist selbst ein Segen war. In richtiger
Erkenntnis der Verhältnisse wurde von den leitenden Persönlichkeiten
N erster Linie Gewicht darauf gelegt, den Grossgrundbesitzer in seiner
Stellung zu erhalten und nach Beseitigung der Fronden ihm nicht nur
die Bewirtschaftung seines, nun vergrösserten Landes in der alten
Weise zu gestatten, sondern ihm den Uebergang zu einer intensiveren
Kultur zu ermöglichen. Mehr als ein halbes Jahrhundert ist eben in
jenen Gegenden nicht der Bauer, noch weniger der Kossäthe, sondern
der Gutsbesitzer der Träger des Fortschritts und der Kultur überhaupt
Sewesen, Wenn ebenso die Abtretung von Land als den Bauern schä-
digend hingestellt wird, so kann dieses im einzelnen Falle unzweifel.
haft der Fall gewesen sein, wo der Besitz des Bauern an der unteren
Grenze der Spannfähigkeit lag und sein bisheriger Betrieb dadurch
gefährdet. wurde. Im grossen Ganzen aber wird auch dieses Verfahren
dem Bauernstande mehr zum Nutzen als zum Schaden gereicht haben.
Denn in der damaligen Zeit der allgemeinen Verarmung nach den trau-
V"igen Kriegszeiten, dann nach den fast noch grösseren Leiden Anfang der
7 Wanziger Jahre infolge der Unverkäuflichkeit der landwirtschaftlichen
Produkte wäre die Reform eine Unmöglichkeit gewesen, wenn man sie
auf Geldzahlungen basiert hätte. Sie wäre einfach auf dem Papier
Stehen geblieben, während durch die Abtretung von Land der Bauer
“St in den Stand gesetzt wurde, seine Kräfte dem eigenen Besitz zu
Widmen, und von seiner Selbständigkeit Gebrauch zu machen. War
das geschehen, so konnte er leicht, die bisherige Hülfe des Grundherren
Pntbehren, die man nun als einen erheblichen Verlust für ihn hervor-
hebt. Dazu kommt, dass in den östlichen Provinzen durch die Auf-
teilung. der Gemeindeländereien der Bauer teilweisen Ersatz für das
äbgetretene Land erhalten hat, und deshalb faktisch sich sein Besitz
Nicht so erheblich veränderte, wie es hingestellt wird. Dass die Auf-
Sätgung der kleinen Bauern und Kossäthen nicht übermässige Dimen-
YOnen angenommen hat, dafür liefert uns die Statistik ausreichenden
Beleg, da sie noch gegenwärtig in erheblicher Zahl vorhanden sind.
Öhne eine ergänzende Industrie wäre eine grössere Zahl nur eine Last,
Nicht aber ein Segen für das Land gewesen, |
Wer die ländlichen Verhältnisse einigermassen kennt, weiss, dass
<S für den Gutsbesitzer so gut wie gar keinen Wert hat, die kleinen
Stücke Kossäthenlandes an sich zu ziehen, Wo gar das Land gekauft
werden Muss, muss es von ihm stets erheblich über den Wert bezahlt
Werden, denn das Gebäude wird mit gekauft und ist nur für den Ab-
bruch bestimmt. Um dadurch seinen Besitz zu vergrössern, ist schwer-
Ablösung
lurch Geld
unmöglich.