Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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aus in einer traurigen Lage befand, seine Produkte konnte er teils gar- 
nicht, teils nur zu Spottpreisen verwerten, Gelegenheit zu Neben- 
verdienst gab es nur bei benachbarten Gutsbesitzern und grossen 
Bauern, Er stand auf der tiefsten Stufe der Kultur, ohne Intelligenz, 
Ohne Bedürfnisse, ohne Streben vorwärts zu kommen. Unter diesen 
Verhältnissen konnte auf seine Konservierung in der That kein grosses 
Gewicht gelegt werden, während es allerdings sehr wichtig war, dem 
aufstrebenden Grossgrundbesitz die nötigen Arbeitskräfte zu erhalten. 
Eine Erleichterung war es dabei, wenn die Zulegung der kleinen Be- 
Sitzungen zum Gute ermöglicht war und die bisherigen Kosäthen als 
dauernde Lohnarbeiter, Deputanten etc. in dasselbe selbst eintraten, 
as Tür die Betreffenden meist selbst ein Segen war. In richtiger 
Erkenntnis der Verhältnisse wurde von den leitenden Persönlichkeiten 
N erster Linie Gewicht darauf gelegt, den Grossgrundbesitzer in seiner 
Stellung zu erhalten und nach Beseitigung der Fronden ihm nicht nur 
die Bewirtschaftung seines, nun vergrösserten Landes in der alten 
Weise zu gestatten, sondern ihm den Uebergang zu einer intensiveren 
Kultur zu ermöglichen. Mehr als ein halbes Jahrhundert ist eben in 
jenen Gegenden nicht der Bauer, noch weniger der Kossäthe, sondern 
der Gutsbesitzer der Träger des Fortschritts und der Kultur überhaupt 
Sewesen, Wenn ebenso die Abtretung von Land als den Bauern schä- 
digend hingestellt wird, so kann dieses im einzelnen Falle unzweifel. 
haft der Fall gewesen sein, wo der Besitz des Bauern an der unteren 
Grenze der Spannfähigkeit lag und sein bisheriger Betrieb dadurch 
gefährdet. wurde. Im grossen Ganzen aber wird auch dieses Verfahren 
dem Bauernstande mehr zum Nutzen als zum Schaden gereicht haben. 
Denn in der damaligen Zeit der allgemeinen Verarmung nach den trau- 
V"igen Kriegszeiten, dann nach den fast noch grösseren Leiden Anfang der 
7 Wanziger Jahre infolge der Unverkäuflichkeit der landwirtschaftlichen 
Produkte wäre die Reform eine Unmöglichkeit gewesen, wenn man sie 
auf Geldzahlungen basiert hätte. Sie wäre einfach auf dem Papier 
Stehen geblieben, während durch die Abtretung von Land der Bauer 
“St in den Stand gesetzt wurde, seine Kräfte dem eigenen Besitz zu 
Widmen, und von seiner Selbständigkeit Gebrauch zu machen. War 
das geschehen, so konnte er leicht, die bisherige Hülfe des Grundherren 
Pntbehren, die man nun als einen erheblichen Verlust für ihn hervor- 
hebt. Dazu kommt, dass in den östlichen Provinzen durch die Auf- 
teilung. der Gemeindeländereien der Bauer teilweisen Ersatz für das 
äbgetretene Land erhalten hat, und deshalb faktisch sich sein Besitz 
Nicht so erheblich veränderte, wie es hingestellt wird. Dass die Auf- 
Sätgung der kleinen Bauern und Kossäthen nicht übermässige Dimen- 
YOnen angenommen hat, dafür liefert uns die Statistik ausreichenden 
Beleg, da sie noch gegenwärtig in erheblicher Zahl vorhanden sind. 
Öhne eine ergänzende Industrie wäre eine grössere Zahl nur eine Last, 
Nicht aber ein Segen für das Land gewesen, | 
Wer die ländlichen Verhältnisse einigermassen kennt, weiss, dass 
<S für den Gutsbesitzer so gut wie gar keinen Wert hat, die kleinen 
Stücke Kossäthenlandes an sich zu ziehen, Wo gar das Land gekauft 
werden Muss, muss es von ihm stets erheblich über den Wert bezahlt 
Werden, denn das Gebäude wird mit gekauft und ist nur für den Ab- 
bruch bestimmt. Um dadurch seinen Besitz zu vergrössern, ist schwer- 
Ablösung 
lurch Geld 
unmöglich.
	        
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