sie kommt selbst in LassalleS Wohnung, und Lassalle, durchaus
Kavalier, beruhigt das Mädchen, daS sich verzweifelt auf sein Bett
geworfen, und führt eS, höchst ritterlich, in die Arme der suchenden
Mutter zurück. (Er hat diese Stunde später mit anderen Augen
gesehen...) Am nächsten Tag erscheinen zwei Bevollmächtigte
der Familie DoennigeS bei Lassalle, um ihn zu ersuchen, Genf zu
verlassen und auf Helene zu verzichten. Die Nacht vom 3. zum
4. August verbringt Lassalle schlaflos. Am 4. August ruft er sich
einen Helfer und Freund herbei, den demokratischen Oberst-Bri
gadier Rüstow.
Der erste Hilferuf
Rüstow!
Wenn Du je einen Funken Freundschaft für mich ge
fühlt hast, so setze Dich augenblicklich auf, ohne auch nur
den nächsten Aug zu versäumen, und eile hierher zu mir
nach Genf. Es handelt sich um einen rein persönlichen
Dienst, aber um Leben und Tod. Aum ersten Male in
meinem Leben brauche ich, der ich so vielen geholfen
habe, andere. Möge nicht der erste, an den ich mich
wende, mir den Rücken kehren! Rücken kehren — daS
heißt hier auch nur der kleinste Aufschub! Sage auch
Frau Emma (Herwegh), daß sie sich bereit hält, im
Augenblick, wo sie eine telegraphische Depesche empfängt,
hierher abzureisen. Sehr möglich, daß wir sie brauchen!
In fliegender Eile
Dein
F. Lassalle
Seine Korrektheit hat er bald heraus. Das beweist der folgende
Brief an die mütterliche Freundin, an die Gräfin Hatzfeldt.
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