Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

wirkten und die Produktion einseitig beeinflussten. Solche Grosswirt- 
schaften bildeten sich, wie erwähnt, in Schottland aus, als man begann 
die grossen Schafherden zu halten. Wir finden sie unter gleichen Ver- 
hältnissen in dem Innern von Spanien, noch jetzt in Argentinien, ver- 
einzelt in den Riesenfarmen in Dakota ete. Ja wir können auch wohl 
einzelne der grossen Rübenwirtschaften der Provinz Sachsen so be- 
zeichnen, welche eine grössere Zahl von Gütern zusammen gekauft und 
gepachtet haben, und bis 3000 ha zu einem grossen Wirtschafts- 
komplex vereinigt haben. 
Diese Wirtschaftslatifundien müssen in einer ähnlichen Weise 
den Bauern verdrängen, und die Erlangung kleiner Stücke Landes zur 
sigenen Bewirtschaftung erschweren. Man wird aber auch hier ebenso 
sagen müssen, dass in der neueren Zeit die Gefahr der Ausbildung 
derselben sich wesentlich verringert hat, da die intensive Kultur nur 
zanz ausnahmsweise eine solche grössere Ausdehnung verträgt. Im 
Ganzen wirkt sie vielmehr auf eine Verkleinerung der Wirtschafts- 
komplexe hin. 
Ebenso wird aber auch das Ueberwiegen grösserer Güter, also 
grösserer Wirtschaften, die nicht zu Latifundien in wenig Händen ver- 
sinigt sind, wirken. Auch sie lassen weniger Land für den Klein- 
and Mittelbetrieb übrig, und sind angethan, einseitig zu wirken, 
Von ganz anderer wirtschaftlicher Bedeutung ist das entgegen- Bodenzersplit 
gesetzte Extrem übermässiger Zersplitterung des Grund und Bodens, !srune, 
welches in den meisten Fällen zugleich im Besitz wie im Betriebe 
dieselbe Zerstückelung zeigt. Indessen kommt es doch vor, dass beides 
nicht zusammen fällt. Das extremste Beispiel hierfür zeigt bekanntlich 
{rland, wo bei einer grossen Konzentrierung des Besitzes eine ausser- 
ordentliche Zersplitterung des Betriebes durch Verpachtung in Par- 
zellen vorliegt, während in England und auch vielfach in Oesterreich 
Jer Grossgrundbesitz in wohlarrondierten Farmen, respective grossen 
Bauerngütern verpachtet ist und die Latifundien in mittleren Betrieben 
bewirtschaftet werden, soweit sie nicht in Wald- und Jagdgründen 
oder Weidetriften liegen. 
Eine extreme Zersplitterung des Grund und Bodens . wird unter 
verschiedenen Verhältnissen eine sehr ungleiche Wirkung haben. Wo 
es sich um reine Agrargegenden handelt, liegt darin eine erhebliche 
Gefahr, dass die Arbeitskraft der kleinen Arbeiter nicht genügend aus- 
zenutzt wird, weil das Land nicht ausreicht, sie hinreichend zu be- 
schäftigen. Noch grösser ist die Gefahr, dass bei Mangel an Neben- 
verdienst bei Missernten übermässiges Elend entsteht, weil dann die 
Erträge für den Familienbedarf nicht ausreichen. Nur wo neben dem 
Kleinbetrieb noch grosse Güter vorhanden sind, die solche Gelegenheit 
für Arbeit und Verdienst gewähren, wird sich dieses einigermassen 
ausgleichen, und nur, wenn die Parzellenwirtschaften nicht zu grossen 
Umfang einnehmen. In extremster Weise traten diese Schattenseiten 
in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Irland auf, wo 
as bei Parzellenwirtschaft an ergänzender Industrie fehlte, als die Kar- 
toffelkrankheit den Ertrag der einzelnen Pachtstücke, auf die die Fa- 
milien angewiesen waren, in erheblichem Masse‘ verminderte, so 
dass eine weitgehende Auswanderung erst eine Entlastung des Landes 
und eine Zusammenlegung der kleinen Stücke ermöglichen musste. Die 
[rland.
	        
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