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Vorteile des Der Kleinbetrieb hat naturgemäss seinen Vorzug, wo es auf die
Kleinbetriebes.g]eichmässige Sorgfalt in der Kultur ankommt; wo beständige Wach-
samkeit in der Handhabung erforderlich ist, die bei Bediensteten nicht
in dem Masse zu erwarten ist, als bei dem selbstthätigen Unternehmer,
und besonders kostspielig wird. Das ist ganz besonders der Fall bei
der Viehzucht, wo der Bauer weit weniger Verluste zu haben pflegt
und auch sonst geringere Produktionskosten hat, da die Besorgung
Jes Viehes in der Hauptsache von ihm selbst geschehen kann. Eben-
so wird er die Kultur des gewöhnlichen Gemüses, OÖbstes, einer
Menge Handelsgewächse, wie namentlich Tabak, gewisser Blumen-
zwiebeln und Blumen billiger, vielfach sogar allein durchführen können;
wie ebenso die Haltung des Geflügels, Aufzucht der Schweine, die sich
durch die sorgsame Verwertung aller Abfälle bei dem Kleinbetriebe
besonders billig gestalten.
Wo auch der Bauer Hülfskräfte gebraucht, werden dieselben von
ihm besser ausgenutzt und dadurch zu höherer Wirksamkeit gebracht,
dass er mit ihnen zusammen arbeitet und sie deshalb fortdauernd ohne
besonderen Kostenaufwand beaufsichtigt, während bei dem Grossbetrieb
die Kontrolle nicht unbedeutende Ausgaben verursacht und doch nicht
wirksam durchgeführt werden kann.
Wo das Bauernland wohlarrondiert ist, kommt ihm noch der
Vorteil der nahen Lage zum Gehöfte und dadurch erzielte Vermin-
derung der Arbeitskosten zu Gute. Je höher die Löhne, je niedriger
die Fruchtpreise sind, um so mehr fällt dies Moment ins Gewicht,
Das ist grade in der Gegenwart der Fall.
Wegen der fortdauernden Kontrolle ist es übrigens vielfach zu
bemerken, dass das Dienstpersonal sich lieber Gutsbesitzern als Bauern
zuwendet, wozu dann noch oft die bessere Beköstigung hinzutritt. In
Gegenden der Arbeiternot leidet deshalb der grössere Bauer oft noch
mehr als der Gutshesitzer. Der mittlere und kleinere Bauer pflegt
sich in höherem Masse durch Kinder oder Verwandte helfen zu können,
so dass er gegenüber dem Grossbauern und Gutsbesitzer günstiger da-
steht und auch bei steigendem Arbeitslohne einen wachsenden Vor-
sprung gewinnt,
Die Ueberlegenheit des Bauern gegenüber dem Grundbesitzer tritt
nach allem besonders dann hervor, wenn eine stärkere Viehzucht in
Folge dichterer Bevölkerung und höherer Preise der tierischen Pro-
dukte angebracht ist. Die Statistik zeigt, dass bei Kleinbetrieb die
Viehhaltung eine wesentlich grössere ist, als bei Grossbetrieb. Nicht
nur an Haupt-Grossvieh überhaupt, sondern auch an den einzelnen
Viehgattungen, wie die folgende Tabelle für Deutschland leicht er-
kennen lässt. .
Im deutschen Reiche wurden Haupt-Grossvieh auf Betrieben
der angegebenen Grössenkategorien auf 1000 ha gehalten:
unter 2 ha von 2—5 ha von 5—20 ha von 20—100 ha über 100 ha
1882 1334 1058 880 703 473
1895 1465 1155 947 765 482
an Pferden incl. Fohlen
L
15
1882 31,1
1895 49,1