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Das klassische Altertum.
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Bücher, Die Entstehung der Volkswirtschaft. 8. Aufl. Tübingen 1911.
Beloch, Die Bevölkerung der griech.-römischen Welt. Leipzig 1888.
Ders., Zur griech. Wirtschaftsgeschichte, in Wolfs Zeitschrift f. Sozialwissen-
schaft 1902,
Bücher, Zur griechischen Wirtschaftsgeschichte. Festgabe für Schäffle.
Tübingen 1901.
Ba „Br Die Entwicklung der antiken Wirtschaftsgeschichte, 1908, 3. F.,
Ders., Antike Wirtschaftsgeschichte. Leipzig 1908.
Brentano, Die wirtschaftlichen Lehren des christlichen Altertums. München 1902.
0. Spann, Haupttheorien der Volkswirtschaftslehre. Leipzig 1911.
Yolkswirt-
schaftliche
Leistungen des
klassischen
Altertums.
Unsere Wissenschaft ist eine durchaus moderne; weder das Alter-
tum noch das Mittelalter kennen ‚eine Lehre von der Volkswirtschaft.
Obwöhl die gewerbliche Tätigkeit und das ganze wirtschaftliche Ge-
triebe im klassischen Altertume eine sehr hohe Ausbildung erlangten,
unterließ man theoretische Untersuchungen derselben, und nur ganz
vereinzelt wurden von hervorragenden Männern praktische Fragen
des wirtschaftlichen Lebens näher betrachtet und allgemeine Schlüsse
daraus gezogen.
Die wirtschaftlichen Leistungen jener alten Zeit sind vielfach
sehr unterschätzt worden. Man braucht aber nur auf die enormen
Bauten, wie der Cyklopenmauern, der Pyramiden hinzuweisen, um zu
erkennen, daß die Vereinigung yon Arbeitskräften schon damals Ge-
waltiges zu leisten vermochte. Es erscheint uns rätselhaft, wie die
yewaltigen Felsmassen und großen Quadern zum Teil aus entfernten
Gebirgen, wie zu den Grundmauern des Salomonischen Tempels, mit
den geringen Hilfsmitteln und auf ungeebneten Wegen herbeigeschafft
und dann aufeinander getürmt werden konnten. Nicht nur der Be-
trieb der..Landwirtschaft.. ist bereits namentlich am Nil, in Sizilien
und auf der italienischen Halbinsel in großer Blüte gewesen, sondern
auch. das_Handwerk „hatte eine Entwicklung erlangt, die in den
Leistungen vielfach über die modernen hinausging.‘(Es genügt, an
die Kunstschätze, die uns aus jener Zeit, z. B. durch Ausgrabungen
in Pompeji überliefert sind, namentlich an die Arbeiten des Kunst-
gewerbes zu erinnern, an die uns noch erhaltenen Vasen, Gold-
geschmeide, die uns hauptsächlich durch Abbildungen und Schilde-
rungen bekannten Waffen, wie den Schild des Achill. Dieses Ge-
werbe hatte zur Zeit des Perikles sogar vielfach den Charakter des
Großbetriebes angenommen, wie durch eine Anzahl eklatanter Bei-
spiele belegt ist. . |
Der ‚ausgedehnte.„Handel. jener Zeit läßt auch erkennen, daß
nicht nur für den heimischen Bedarf, sondern auch für den Export
gearbeitet wurde. Griechenland exportierte Getreide, Wein, Höntg,
Früchte, dann Häute, Hausgerät aller Art und Waffen. Es bezog
dafür aus Phönizien, Aegypten, dem Orient Leinwand, kostbare Stoffe,
wie die Purpurzeuge, Teppiche, Salben und Gewürze; aus Phönizien
speziell Geschmeide und Glaswaren. Der außerordentliche Luxus des
alten. Bom. setzt nicht nur den verschiedenartigsten Gewerbebetrieb