Full text: Nationalökonomie (1.1915)

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Zuneigung“ und durch die Furcht vor Ausschließung aus der Ge- 
meinschaft, ev. aber auch durch das Eingreifen der einzelnen Bürger 
würden die Rechtsnormen leicht genügend geschützt werden. Einer 
Staatsgewalt bedarf es dazu nicht, denn alle Formen derselben ver- 
fallen bald der Entartung und werden gemißbraucht. Die gewählte 
Volksvertretung ist dabei nicht besser, als ein Despot. „Freie Ent- 
faltung der Einzelnen in Gruppen und der Gruppen in Vereinigungen, 
freie Gliederung vom KEinfachen zum Zusammengesetzten nach Be- 
dürfnis und Neigung“ werden nach ihm das. gesellige Zusammenleben 
der Menschen in der neuen Gesellschaft harmonisch gestalten, und 
kein Zwang wird nötig sein, um den Einzelnen zur Erfüllung der 
freiwillig eingegangenen Verträge und der Pflichten gegenüber der 
Gesellschaft anzuhalten. Privateigentum wird völlig beseitigt und 
durch Gesamteigentum ersetzt, also „kommunistischer Anarchismus“ 
ausgebildet. „Den ganzen aufgehäuften Reichtum hat die Arbeit 
der Gesamtheit erzeugt, die des heutigen Geschlechts wie aller 
früheren“. .... „Diese Maschine, die von Dir erfunden und für 
Dich patentiert ist, trägt die Arbeit von fünf oder sechs Geschlechtern 
in sich; sie hat einen Wert nur als Teil des ungeheueren Ganzen, 
das wir die Industrie des neunzehnten Jahrhunderts nennen. Schaffe 
Deine Spitzenklöppelmaschine zu den Papuas nach Neuguinea und sie 
ist wertlos“. ,... „Mit welchem Recht kann sich da irgend Jemand 
den geringsten Bruchteil dieses ungeheuren Ganzen aneignen und 
sagen: dies gehört mir und nicht Euch?“ ... „Man hat zwischen 
dem Kapital, das zur Gütererzeugung dient, und demjenigen, welches 
die Notdurft des Lebens befriedigt, unterscheiden wollen und gesagt, 
die Maschinen, Fabriken und Rohstoffe, die Transportmittel sowie 
Grund und Boden seien bestimmt, Eigentum der Gesamtheit zu 
werden, dagegen würden die Wohnungen, die bearbeiteten Stoffe, die 
Kleider und Lebensmittel Privateigentum bleiben. Diese Unter- 
scheidung ist irrig und undurchführbar. Das Haus, das uns be- 
schützt, die Kohle, ... die Nahrung, die Kleidung, . .. ja sogar das 
Vergnügen, das wir genießen, alles das ist wesentlich für unser Da- 
sein und gerade so notwendig zur erfolgreichen Produktion und zur 
Weiterentwicklung der Menschheit, wie Maschinen, Fabriken, Roh- 
stoffe und sonstige Produktionsfaktoren. Mit dem Privateigentum 
an jenen Gütern werden Ungleichheit, Unterdrückung und Aus- 
beutung bestehen bleiben; und halbe Beseitigung des Privateigentums 
wäre von vornherein in ihrer Wirkung gelähmt.“ 
Er führt des Näheren aus, wie er sich die kommunistische Pro- 
duktion denkt. Zunächst soll das Notwendigste produziert werden, 
wozu, da Alle ca. vom 20.—50. Jahre zu arbeiten verpflichtet sind, 
5 Stunden am Tage genügen. Jeder kann die Gruppe wählen, an 
der er sich beteiligen will, vorausgesetzt, daß sie notwendige Dinge 
Schafft. Für den Rest der Zeit mag Jeder sich, mit wem er will, 
zu wissenschaftlicher oder künstlicher Erholung vereinigen. An der 
Produktion soll sich Jeder beteiligen nach seinen Kräften, an dem 
Ertrage nach seinen Bedürfnissen, da Jeder behaglich leben soll, 
Wo Ueberfluß vorhanden ist, steht Jedem frei, denselben beliebig zu 
benutzen. Was nur beschränkt zur Verfügung steht, wird nach 
Rationen verteilt. 
Der Uebergang kann, nach ihm, sich nur durch eine Revolution 
vollziehen. „Aber auf das Werk der Zerstörung wird ein Werk der
	        
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