569)] Die zahlenmäßige und die piychische Wirkung von Angebot und Nachfrage. 111
Macht. Man denke, wie organisierte Arbeiter oft ihre Lohnhöhe gegen die Marktlage
verteidigen, ebenso die Unternehmer das Lohnsteigen zu hindern wissen; man erinnere
sich, wie in ruhigeren Geschäftszeiten die Wechsel- und Effektenkurse, die Diskontosätze,
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kleiner Schwankungen von Angebot und Nachfrage stabil oder fast stabil erhalten. Ver
frühere gefetzliche Zinsfuß blieb jahrzehntelang auf demselben Niveau, trotz sehr starker
Schwankungen von Angebot und Nachfrage. Ich möchte ein Gleichnis gebrauchen.
Der Tauschwert erscheint mir wie ein zwischen Schienen befindlicher beweglicher Kolben,
der durch einen Druck von oben und unten (Angebot und Nachfrage) auf- und abbewegt
werden kann; diese Bewegung ist aber nicht nur von dem Krafstüberschuß des einen
gegenüber dem anderen Drucke abhängig, sondern auch von der festeren oder loseren
Preffung zwischen den Schienen; der hier vorhandene Reibungswiderstand kann unter
Umständen ebenso jede Änderung hindern wie es der gleich starke Druck von oben und
unten thut.
b) Der weitere wichtigste Punkt ist der, daß Angebot und Nachfrage, wie wir
schon bei der Erörterung der Konkurrenz sahen, insofern sehr häufig schwankende Größen
sind, als ein weiterer Kreis von Anbietenden und Nachfragenden vorhanden ist, der
bei ihm zusagendem Preise auch ver- und einkaufen würde, und ein engerer, der auf
dem augenblicklichen Markt allein zum Geschäft kommt, weil der durch Feilschen ent—
stehende neue Marktpreis ihm paßt. Aus den jeweiligen subjektiven Wertschätzungen
der Käufer und Verkäufer ergiebt sich die Grenzziehung zwischen der äußersten möglichen
und der effektiven Größe von Angebot und Nachfrage. Es ist das Verdienst Böhm—
Bawerks, die Wirkung der möglichen Verschiedenheit der subjektiven Wertschätzungen auf
den Tauschwert und seine jeweilige Bildung durch glücklich gewählte Zahlenbeispiele
anschaulich gemacht zu haben. Die verschiedenen subjektiven Wertschätzungen erscheinen
dabei als jeweilige stärkere oder geringere Verkaufs- und Kauflust.
Ein Pferdebesitzer will sein Pferd verkaufen, aber nicht unter 800 Gulden, sein
Nachbar will ein Pferd kaufen, aber nicht so viel geben; es kommt kein Geschäft zu
tande. Will aber umgekehrt jener nur 100 Gulden haben, dieser eventuell 800
geben, so wird ein Abschluß zwischen 100 und 800 an irgend einem Punkte möglich
sein; die Kunst des Feilschens, die Gewandtheit, die wirtschaftliche Lage beider wird den
Punkt bestimmen; schließen sie bei 200 ab, so hat jeder gegenüber seiner ursprünglich
ubjektiven Schätzung einen Gewinn von 100 gemacht. Der Abschluß kann aber auch
bei 120 oder 180 stattfinden, je nach den Ursachen, welche das Feilschen beherrschen.
Bdöohm⸗Bawerk führt dann das Beispiel in dem Sinne weiter, daß mehrere Kauf-
ustige einem Verkäufer, mehrere Verkaufslustige einem Käufer gegenüber stehen. Im ersteren
Fall stegt der tauschfähigste Bewerber, d. h. der, welcher die Ware im Vergleich zum
Preisgut am höchsten schätzt, im zweiten Fall verkauft derjenige, welcher seine Ware im
Verhaͤltnis zum Preisgut am niedrigsten schätzt. Gewöhnlich aber stehen sich mehrere
Kauflustige und Verkaufslustige auf“ dem Htrkt gegenüber. Der Verfasser fingierl,
daß von Jehn gleiche Pferde begehrenden Liebhabern jeder seinen Wunsch zu kaufen —
nach seiner fubjektiven Schätzung — etwas höher beziffere, von 180 bis zu 300 Gulden,
daß von 8 Verkaufslustigen in ähnlich abgestufter Weise der erste zu 100, der letzte
gur zu 260 verkaufen wolle. Das Ergebnis des Feilschens werde, wenn alle Beteiligten
über die Marktlage voll unterrichtet seien, dahin gehen, daß die Käͤufer, welche die
Pferde am höchsten, die Verkäufer, welche sie am niedrigsten schätzen, ß Paare zum
sSeschaftsabschluß bei einer Preislage von 210—215 kommen, weil nach den subjektiven
Schatzungen bei diesem Marktpreis (210 — 215) von den 5 Paaren jeder durch das
KLeschaͤft noch einen Gewinn mache. Die übrigen werden vom Geschäft ausgeschlossen,
Deil jeder mehr an subjektivem Wert hätte opfern müssen, als er bei dem Marktpreis
don 210 218 yätte erhalten können Obe der Marktwert bei 210 oder 21 be
— sich fixiere, hänge von den persönlichen Eigenschaften der 5 Paare ab. Das
gischen dauere so lange, bis die größtmögliche Zahl von Tauschpaaren bei einem
arktwert gejunden sei, welcher jedem der tauüschenden Paare einen kleinen oder großen