142 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Guterumlaufes u. der Einkommensverteilung. [600
Viel zuverlässiger für derartige Berechnungen und Schlüsse sind die Resultate
der erwähnten Haushaltungsbudgets, so wenig sie auch im einzelnen ganz einwandfrei
sind. Ich führe zwei Tabellen an. Die erste giebt den summarischen Ausdruck von
100 Haushaltungsbudgets, wie sie Le Play und seine Schule sammelte; die Zusammen—
tellung ist von Cheysson und Toqus gemacht. Es ist berechnet, wie sich die Ausgaben
uf die Hauptposten je nach der Höhe der Gesamtausgaben pro Kopf des Haushaltes
derteilen.
Es kamen Gefsamtaus—
Jaben auf den Kopf
ahrlich .“cr 30—100 Fr. 200-250 Fr. 500- 600 Fr. 10001500 Fr. 2-38000 Fr.
Darnach betrugen die
Ausgaben für —2
Nahrung. .. 61,80
Kleidung... . . 16,2
Wohnung. 5 4
Heizung.
Diese Ausgaben zus.. 888 814 81,46 45,8 31,2
Für alle anderen Aus⸗
zgaben blieben 11,2 18,6 18,54 54,2 68.9
Um zugleich zu zeigen, wie neben den Prozentzahlen die absoluten Beträge für
die einzelnen Ausgabekalegorien sich je nach der Wohlhabenheit stellen, füge ich das
Ergebnis der Untersuchung Hampkes aus dem Jahre 1888 über vier hallische Familien
bei, welche jährlich von 1049 bis zu 18206 Mark verbrauchten.
Absolute Gefamtausgabe: 1049 Mk.
Sie verteilt sich auf: Mk. 0990 Mk. 90 Mk. 90 Mk. 900
Nahrung.... 555 332,9 1246 40,9 2211 28,0 2842 16,0
Kleidung... 241664 18,8 314 10,8 863 10.5 1554 85
Wohnung..4140 13,4 558 18,1 1234 15,5 4060 22,3
Heizung und Beleuchtung. 60 57 —A 239 30 470 2,6
Reinigung.... 3128 45 211 27 675 8,7
Summe dieser Posten.. 942 90 2 280 74,8 4732 59,7 9601 53,1
Alle anderen Ausgaben. 107 10 760 25,2 3213 40,3 8605 46,9
3045 Mk. 7945 Mk.
Auf alle diese Zahlen wirken die verschiedensten Nebenursachen, lokale und nationale
Preisb ildung, Standes- und Ortssitten und vieles andere. Aber die Hauptursache tritt
doch durchschlagend hervor: je ärmer die Familie oder die Nation, desto mehr steht
die Nachfrage nach Lebensmitteln im Vordergrunde; der Armere muß 50-60/0, ja
unter Umständen bis über 700/0 (nach einzelnen Nachrichten Le Plays) für die Nahrung
ausgeben. Wir sahen das oben schon. Mit steigendem Wohlstand verdoppelt, ja
berfünffacht sich die absolute Summe der Nahrungsausgaben, weil Fleisch und feine
Nahrung so viel teurer ist als Mehl und Kartoffeln; aber in Prozenten der Gesamt—
ausgabe sinkt die Quote der Ernährungsausgaben doch auf 40, 80 und noch weniger
Prozent herab; je reicher die Menschen werden, desto geringer stellen sich die Nahrungs—
»rozente, weil die auskömmliche guie Nahrung nur durch Luxus und durch Feste noch
im absoluten Betrage mäßig steigt, alle anderen wirtschaftlichen Lebenszwecke aber
diel leichter im Ausgabebudget anschwellen. Die reichsten Nationen der Mulhallschen
Tabelle geben nur 87—88 0/0 für Nahrung aus, die ärmste 60 00. In der Le Playschen
Tabelle sinkt die Ausgabe von 61 auf 18, in der Hampkeschen von 52 auf 160/0 je
aach der Wohlhabenheit.
Die Posten für Wohnung und Kleidung sind nächst der Nahrung die wichtigsten,
sie umfassen auch bei den ärmsten über 20, ja 280/0, auch bei den reichsten unserer
Tabellen nicht viel über 800/0; die absoluten Ausgaben hierfür steigen in unjserer
hallischen Tabelle von 304 Mark bei dem Armen bis 3600 Mark bei dem Wohl—