307)] Die verschiedenen Arten beschränkten und unbeschränkten Angebots. 149
iehlen, in immer neuer Gestalt sich uns bieten. In welcher Geschäftsbranche gäbe es
nicht fähige und unfähige Unternehmer, hochstehende und geringere Arbeiter, verschieden
volkkommene technische Methoden. Nur wo die besten Produktivkräfte beliebiger Zu—
nahme und Ausdehnung fähig sind, verdrängen sie die geringeren. Und wo sie es
thun, bedarf es oft der Jahrzehnte und Generationen, wie wir heute in der Konkurrenz
vieler vollkommener Groß- mit unvollkommenen Kleinbetrieben sehen.
Was folgt aus allem für die Erkenntnis der Größe des Angebots und seiner
Urfachen? Zunächst, daß es nicht ganz richtig war, es einzuteilen in drei Gruppen,
von welchen man zwei als mehr nebensaͤchlich, eine als die Mehrzahl der Fälle um—
fassend darstellte. Man pflegte seit Ricardo und J. St. Mill zu unterscheiden, 1. das
Augebot einiger weniger Seltenheiten, deren Wert nicht durch die Produktionskosten,
sondern durch ihre Beschränktheit, ihren Nutzen und die jeweilige Kaufkraft der für sie
in Betracht kommenden Käufer bestimmt werde, 2. das Angebot der Güter, deren ver—
nehrte Produktion nur möglich sei unter größeren Schwierigkeiten und Kosten; man
jagte, ihr Wert werde durch die Kosten des Teils des begehrten und bezahlten Angebots
bestimmt, der unter den ungünstigsten Umständen produziert werde; man meinte damit
hauptfächlich Lebensmittel. 8. Das Angebot der Güter, deren Produktion beliebig
bermehr- und verminderbar sei. Diese Gruppe, wohin man vor allem die Mehrzahl der
—
Wert, jagte man, werde durch die Produktionskosten bestimmt. Der Satz, daß die
Produktionskosten den Wert regieren, galt als der Angelpunkt der Werttheorie. Es
kam nun nur noch darauf an, was man unter den Produktionskosten versteht. Wir
ommen darauf gleich näher zurück, bemerken aber gegenüber dieser ganzen Einteilung, 1. daß
die Produktion aller möglichen Waren entweder dauernd oder vorübergehend beschränkt
ist; alle Waren, deren Angebot von wechselnden Ernten abhängig ist, sind jeweilig
beschränkt oder im Übermaß vorhanden, sofern die Ernten vom Mittelmaß um 10 bis
10 Prozent sich entsernen; 2. daß die Verschiedenheit in der schwierigeren oder leichteren,
seuereren oder billigeren Produktion so ziemlich in allen Zweigen wirtschaftlicher Thätig⸗
eit vorkommt und 3., daß es eine ganz beliebige Vermehr- oder Verminderbarkeit der
Produktion eigentlich nirgends giebt: alle Menschen gehen nur schwer zu anderem
Berufe über; Geschäfte auszudehnen und einzuschränken ist auch da, wo es geht, eine
DOperation, die Wochen, Monate, Jahre dauert, vielfach aber ganz ausgeschlossen ist,
weil man einerseits das Kapital aus seiner derzeitigen technischen Verwendung nicht
herausziehen kann, andererseits zu beliebiger Vermehrung der Produktion nicht immer
die Mittel hat. So beschränkt sich jedenfalls der früher allein in den Vordergrund gestellte
Fall des Angebots ganz wesentlich; die Gesamtheit des Angebots zeigt in der Wirklichkeit
eine andere Erscheinung, als Ricardo, Mill und ihre Anhänger annahmen.
Trotzdem ist der ganze Sturmlauf, den Macleod, Jevons und in ihrem Gefolge
die Schule der österreichischen Werttheoretiker gegen das sogenannte Gesetz der Pro—
»uktionskosten eröffnet haben, im ganzen als ein mißlungener zu betrachten. Sie haben
zuletzt selbst zugestanden, daß in aͤller Regel die Produktionskosten praktisch die Preise
auf die Dauer bestimmen. Äber sie haben allerdings durch ihre Kritik den Fortschritt
herbeigeführt, daß man theoretisch die Definition und Wirkung der Kosten richtiger
bestimmt und umgrenzt hat, daß eine Reihe von früheren Irrtümern jetzt dauernd
beseitigt ist. Nemand glaubt heute mehr, daß die Aufwendung von Kosten oder Arbeit
irgendwo und wann einem Güte Wert gebe, wenn es nicht zugleich infolge seiner
Rützlichteit und seiner Beschränktheit begehrt ist. Riemand übersieht heute mehr, daß
die Produktionskosten nie direkt den Wert und die Preise bestimmen, sondern nur
dadurch und soweit, als sie die Größe des Angebots, also die Frage der Beschränktheit
beeinfluͤffen. Wie das geschehe, sehen wir nachher. Wir machen uns zunächst den
Begriff der Produktionsboften klar,
g 180. Die Analyse der Produktionskosten. Wer für sich ein wirtschaft—
iches Gut herstellt, fragt sich, ob der Erfolg der Anstrengung entspreche, ob er auf
andere Weife etwa bessere Eruährung durch kürzere Arbeit hätte erzielen können. Wer