— —(1610
folgendes: jede privatwirtschaftliche Aufstellung von Kosten geht teilweise auf Be—
zahlungen zurück, die vor Monaten, vor Jahren gemacht wurden; wer Verträge auf
Jahre über Pacht, Miete, Zins geschlossen, wer Grundstücke vor Jahren, Rohstoffe vor
Monaten gekanft hat, will entsprechenden Ersatz dieser Kosten. Wenn nun seither die
Geldpreise dieser Elemente sich geändert haben, und wenn neben den Produzenten, die
rüher einkauften, eine große, den Markt beherrschende Zahl solcher steht, welche von
den billigeren Preisen der jüngsten Gegenwart ausgehen, so werden diese den Markt
und den Preis beherrschen: die sogenannten Reproduktionskosten, die so im Gegensatz
zu den Kosten einer bereits halbvergangenen Epoche gedacht werden. Als Schluß ergiebt
sich, daß diejenigen, die früher teurer eingekauft, beim gesunkenen Verkaufspreis Verlust
haben, diejenigen, die früher billiger gekauft, einen Extragewinn erzielen. Voraussetzung
des Eintreffens dieses Erfolges aber ist die siegreiche Konkurrenz derer, die in neuester
Zeit sich auf die Produktion eingerichtet. Ist dieser Sieg nicht vorhanden, bleiben
teurere und billigere Produktion nebeneinander für die Nachfrage nötig, so entscheidet
natürlich wieder die teuerste noch begehrte Produktion; der billiger Produzierende macht
Extragewinn, ob seine Produktionselemente und ihr Buchwert der jüngsten Gegenwart
angehören oder Jahre zurückreichen.
Alle Produzenten aber werden gleichmäßig den Unterschied machen, daß sie für
Vorarbeiten und Aufwendungen, die ein oder mehrere Jahre zurückliegen, eine andere
Vergütung zu erhalten fuchen, als für die gestern gemachten. Bei unendlich vielen
wirtschaftlichen Produktionen sind Anlagen nötig, die zunächst Jahre hindurch unbezahlt
bleiben; die erste Ernte von Weinbergen und Kaffeeplantagen kommt erst nach Jahren;
viele Waren müssen lange liegen, bis sie genußreif sind; um Salzlager zu erschließen,
sind Bohrungen und Vorarbeiten nötig, die erst nach Jahren sich bezahlt machen.
Alles Kapital stellt, wie wir im nächsten Kapitel sehen werden, Gütervorräte dar, die
aicht bloß Arbeit gekostet, unter Umständen Seltenheitswert haben, sondern die auch
mehr oder weniger durch Aufbewahrung wertvoller geworden sind. Die gewöhnliche
privatrechtliche Form, in der sich das ausdrückt, ist die, daß wir sagen, das Kapital
hat so viel Monate oder Jahre Zinsen gekostet, weil jeder, der fremde Kapitalien zur
Produktion verwendet, Zins für die Zeit zahlen muß, für welche er dem Eigentümer
die eigene Nutzung entzogen hat. Dementsprechend fordert er in den Produktionskosten
entsprechenden Ersatz und erhält ihn, sofern er richtig, d. h. der Nachfrage entsprechend,
produziert hat. Und insofern ist der allgemeine Satz richtig, daß neben den Arbeits—
kosten der Kapitalzins ein Element der Produktionskosten sei. Zwei Güter, welche
gleiche Arbeit gekostet, von welchen aber das eine nur Arbeit der Gegenwart, das
andere dieselbe Arbeit vor zehn Jahren erforderte, können im Wert für gewöhnlich nicht
gleich stehen, oder was dasselbe ist, gleiche Arbeit und ungleicher Kapitalaufwand für
zwei Güter bedingen nicht gleichen, sondern verschiedenen Wert. —
Wir fügen noch zwei Bemerkungen über die zusammengesetzten Produktionskosten
und die Verkehrs- und Handelskosten als Teile der Produktionskosten bei.
Wenn zwei Güterarten notwendig regelmäßig zusammen produziert werden, wie
Blei, Kupfer und Silber meist im Bergbau, Getreide und Fleisch in der Landwirtschaft,
Gas und Coaks in der Gassabrik, so haben sie zusammengefetzte Produktionskosten, und
der Unternehmer wird für sein Geschäft stets nur fragen, ob er durch die Preise der
zwei oder mehr Güter zusammen seine Kosten ersetzt erhalte. Er mag also buchmäßig
rechnen, daß unter seinen Roheinnahmen von 10000 Mark das Getreide 60, das Fleisch
40 Prozent ausmachen sollte; so lange er nur 10000 Mark im ganzen einnimmt, hat
er keinen Anlaß zur Anderung, wenn etwa das Getreide auf 40 Prozent der Einnahme
sinkt, das Fleisch auf 60 steigt. Es wird auf die verhältnismäßige Stärke der Nachfrage
nach dem einen und andern Produkt ankommen, welcher Fall eintritt. Wenn fremde
Konkurrenz im einen Zweige die Preise drückt, wird der Produzent versuchen, die Pro—
duktion im andern zu steigern; erst wenn ihm dies nicht gelingt, hat er Schaden, wird er
daran denken, seine Produktion anders zu gestalten, etwa den einen Teil der Produktion
durch anderes zu ersetzen. Jedenfalls bandelt es sich hier nicht um einen Fall der