Full text: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

611)] Elemente der Produktionskosten Wirkung derselben. 153 
Wertbildung unabhängig von den Produktionskosten, obwohl für Coaks z. B. an 
manchen Orten zu wenig bezahlt wird, weil hohe Gasvpreise noch eine Ausdehnung des 
Coaksangebots angezeigt erscheinen lassen. 
Zu den Produklionskosten im weitern Sinn gehören alle Aufwendungen und 
Spesen, die gemacht werden müssen, um die Waren in die Hände der Verbraucher zu 
bringen, also auch alle Verkehrs- und Handelskosten. Wir haben oben schon erwähnt, 
wie bedeutend sie seien; sie verteuern einzelne Waren um nur wenige, andere um 
30 —-50, oft um 100 und mehr Prozent. Wer sich einbildet, alle Wertbildung liege 
im Produktionsprozeß, kann dies nicht gerechtfertigt finden. Wer die Arbeit der Ver— 
kehrsanstalten und der Händler und den sonstigen für den Cirkulationsprozeß nötigen 
Auͤfwand genauer kennt, wird von diesem Aufschlag nicht überrascht sein, wenn er auch 
zugiebt, daß der Handel oft falsch organisiert sei und deshalb übermäßig viel koste. 
Auch die oft gehörte Klage, daß die Engrospreise und die Detailpreise sich nicht parallel 
bewegen, ist im ganzen unrichtig; sie haben im großen und ganzen dieselbe Tendenz. 
Aber es liegt in der Natur der Sache, daß die Großhandelspreise empfindlicher sind, 
etwas mehr schwanken als die Detailpreise. Der Kleinhändler muß suchen, konstante 
Preise festzuhalten, um seine Kunden nicht zu verlieren. Auch ist natürlich, daß je nach 
der Spannung zwischen Angebot und Nachfrage, der Zwischenhandel und Verkehr seine 
Spesen zeitweise reichlich, zeitweise nur halb ersetzt erhält; aber auf die Dauer muß er 
sie auf den Käufer in dem Betrag überwälzen, der seinen Aufwendungen entspricht. 
Und wenn der Zwischenhandel den reicheren, gut zahlenden Kunden geringere Preise 
anrechnet als den ärmeren, vielfach oder gar nicht bar zahlenden, auf Kredit kaufenden, so 
liegt darin auch keine Ausnahme von dem Sabze, daß die Handelskosten einen Bestand— 
teil der Produktionskosten bilden. 
Doch lassen wir diese Einzelheiten bei Seite und fragen wir nun, wie die Pro— 
duktionskosten auf den Wert wirken? 
181. Die Wirkung der Produktionskosten auf den Wert. Wir 
müssen zuerst fragen: was bedeuten die Produktionskosten für den Produzenten oder 
verkaufenden Händler? Er will sie mindestens ersetzt erhalten und womöglich noch 
einen Gewinn machen; erhält er das nicht, so hat er einen Verlust; kann er mehr er— 
halten, so nimmt er es; die Produktionskosten sind für ihn das Minimum, dessen Ersatz 
ihn veranlaßt, das Geschäft wie bisher fortzusetzen; eine Grenze für seine Einnahme 
enthalten sie nicht; steigt die Nachfrage, ohne daß das Angebot ebenso rasch zunimmt, 
so steigt der Marktpreis vielleicht weit über die Produktionskosten; handelt es sich um 
virkliche Seltenheiten, wie berühmte Bilder, so werden sie ganz gleichgültig. Auch wo 
die tägliche Produktion durch die Natur der Sache sehr große Schwankungen zeigt, wie 
iie aus den Fischmärkten großer Seestädte sich zeigt, entscheidet das tägliche bald große 
bald kleine Angebot den Preis auf dem Markte mit seiner ziemlich stabilen Nachfrage, 
yhne daß die Kosten des Tages direkten Einfluß hätten. 
Der Konsument oder Kaäufer kennt selten die Produktionskosten so gut wie der 
Verkäufer; aber er schließt auf sie aus dem bisherigen Preis, er sucht sich, wenn er 
kann, zu unterrichten; unter Umständen legt er fich die Frage vor, mit welchen Kosten 
er selbft das Gut herstellen oder wenigstens, wo er es anderweitig billiger erhalten 
önnte. Er wird, wenn er seinen Zwed erreichen kann, nicht leicht mehr als die Pro— 
duktionskosten geben; sie werden ihm als der billige Preis erscheinen, unter dem er 
aber, wenn's moͤglich ist, gern bleibt, den er nur überschreitet, wenn das Gut ibm jehr 
ötig erscheint, und seine Mittel die größern Auslagen gestatten. 
3 So stehen jedenfalls psychologisch die Produktionskosten im Mittelpunkt der 
überlegungen aller Marktteilnehmer. Und weiterhin wird die Frage, ob sie im Markt— 
greise gerade ersetzt, ob sie überreichlich vergolten oder zum Teil gar nicht ersetzt werden, 
zum Motiv für' die Regulierung des Angebots. Unter gewöhnlichen Verhältnissen 
dird, wenn sie gerade ersetzt werden, das Augebot dasselbe bleiben; steht der Marktpreis 
e ihnen, so entsteht eine Tendenz zu seiner Vermehrung, steht er unter ihnen, auf die 
auer eine solche zut Einschränkung des Angebots. Und diese Veränderungen des An—
	        
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