611)] Elemente der Produktionskosten Wirkung derselben. 153
Wertbildung unabhängig von den Produktionskosten, obwohl für Coaks z. B. an
manchen Orten zu wenig bezahlt wird, weil hohe Gasvpreise noch eine Ausdehnung des
Coaksangebots angezeigt erscheinen lassen.
Zu den Produklionskosten im weitern Sinn gehören alle Aufwendungen und
Spesen, die gemacht werden müssen, um die Waren in die Hände der Verbraucher zu
bringen, also auch alle Verkehrs- und Handelskosten. Wir haben oben schon erwähnt,
wie bedeutend sie seien; sie verteuern einzelne Waren um nur wenige, andere um
30 —-50, oft um 100 und mehr Prozent. Wer sich einbildet, alle Wertbildung liege
im Produktionsprozeß, kann dies nicht gerechtfertigt finden. Wer die Arbeit der Ver—
kehrsanstalten und der Händler und den sonstigen für den Cirkulationsprozeß nötigen
Auͤfwand genauer kennt, wird von diesem Aufschlag nicht überrascht sein, wenn er auch
zugiebt, daß der Handel oft falsch organisiert sei und deshalb übermäßig viel koste.
Auch die oft gehörte Klage, daß die Engrospreise und die Detailpreise sich nicht parallel
bewegen, ist im ganzen unrichtig; sie haben im großen und ganzen dieselbe Tendenz.
Aber es liegt in der Natur der Sache, daß die Großhandelspreise empfindlicher sind,
etwas mehr schwanken als die Detailpreise. Der Kleinhändler muß suchen, konstante
Preise festzuhalten, um seine Kunden nicht zu verlieren. Auch ist natürlich, daß je nach
der Spannung zwischen Angebot und Nachfrage, der Zwischenhandel und Verkehr seine
Spesen zeitweise reichlich, zeitweise nur halb ersetzt erhält; aber auf die Dauer muß er
sie auf den Käufer in dem Betrag überwälzen, der seinen Aufwendungen entspricht.
Und wenn der Zwischenhandel den reicheren, gut zahlenden Kunden geringere Preise
anrechnet als den ärmeren, vielfach oder gar nicht bar zahlenden, auf Kredit kaufenden, so
liegt darin auch keine Ausnahme von dem Sabze, daß die Handelskosten einen Bestand—
teil der Produktionskosten bilden.
Doch lassen wir diese Einzelheiten bei Seite und fragen wir nun, wie die Pro—
duktionskosten auf den Wert wirken?
181. Die Wirkung der Produktionskosten auf den Wert. Wir
müssen zuerst fragen: was bedeuten die Produktionskosten für den Produzenten oder
verkaufenden Händler? Er will sie mindestens ersetzt erhalten und womöglich noch
einen Gewinn machen; erhält er das nicht, so hat er einen Verlust; kann er mehr er—
halten, so nimmt er es; die Produktionskosten sind für ihn das Minimum, dessen Ersatz
ihn veranlaßt, das Geschäft wie bisher fortzusetzen; eine Grenze für seine Einnahme
enthalten sie nicht; steigt die Nachfrage, ohne daß das Angebot ebenso rasch zunimmt,
so steigt der Marktpreis vielleicht weit über die Produktionskosten; handelt es sich um
virkliche Seltenheiten, wie berühmte Bilder, so werden sie ganz gleichgültig. Auch wo
die tägliche Produktion durch die Natur der Sache sehr große Schwankungen zeigt, wie
iie aus den Fischmärkten großer Seestädte sich zeigt, entscheidet das tägliche bald große
bald kleine Angebot den Preis auf dem Markte mit seiner ziemlich stabilen Nachfrage,
yhne daß die Kosten des Tages direkten Einfluß hätten.
Der Konsument oder Kaäufer kennt selten die Produktionskosten so gut wie der
Verkäufer; aber er schließt auf sie aus dem bisherigen Preis, er sucht sich, wenn er
kann, zu unterrichten; unter Umständen legt er fich die Frage vor, mit welchen Kosten
er selbft das Gut herstellen oder wenigstens, wo er es anderweitig billiger erhalten
önnte. Er wird, wenn er seinen Zwed erreichen kann, nicht leicht mehr als die Pro—
duktionskosten geben; sie werden ihm als der billige Preis erscheinen, unter dem er
aber, wenn's moͤglich ist, gern bleibt, den er nur überschreitet, wenn das Gut ibm jehr
ötig erscheint, und seine Mittel die größern Auslagen gestatten.
3 So stehen jedenfalls psychologisch die Produktionskosten im Mittelpunkt der
überlegungen aller Marktteilnehmer. Und weiterhin wird die Frage, ob sie im Markt—
greise gerade ersetzt, ob sie überreichlich vergolten oder zum Teil gar nicht ersetzt werden,
zum Motiv für' die Regulierung des Angebots. Unter gewöhnlichen Verhältnissen
dird, wenn sie gerade ersetzt werden, das Augebot dasselbe bleiben; steht der Marktpreis
e ihnen, so entsteht eine Tendenz zu seiner Vermehrung, steht er unter ihnen, auf die
auer eine solche zut Einschränkung des Angebots. Und diese Veränderungen des An—