615) Veränderung der Produktionskosten bei gleichbleibender Nachfrage. 157
duktion erleichtern, bei den alten Verkaufspreisen die Gewinne etwas erhöhen. Ob im
Zusammenhang damit die Preise sinken, hängt von der Stärke der Nachfrage ab;
meistens ist sie, wenn der Zinsfuß infolge von Geschäftsstockungen vorübergehend sinkt,
eine abnehmende.
Sie kann ferner bestehen in einer Verminderung der Arbeitskosten, d. h. in Er—
sparnis an Arbeit und Anwendung ergiebigerer Arbeit oder in einem Sinken der Löhne.
Die erstere Erscheinung wird fast stets zunächst nur in einzelnen Geschäften oder Ge—
schäftszweigen vorkommen und dann je nach der Nachfrage und Marktlage zu Ertra—
gewinnen der Unternehmer oder Preisreduktionen führen; soweit die Anderung mit
technischen Fortschritten zusammenhängt, komme ich gleich noch besonders darauf. Das
Sinken der Löhne wird teils partiell in einzelnen Zweigen des Wirtschaftslebens, teils
allgemein eintreten können. In beiden Fällen wird die Lohnersparnis den Gewinn
zunächst erhöhen, dann aber durch die Konkurrenz zu billigeren Warenpreisen führen.
Ein solches Sinken der Preise verschafft den Konsumenten einen Vorteil um den Preis
der Herabdrückung des Einkommens der Arbeiter. Diese werden weniger kaufkräftig
als vorher, es kann die Armenlast und die sociale Not so steigen, daß hierdurch die
Gesamtheit viel größeren Nachteil hat als der Konsumentenkreis durch die billigeren
Waren Vorteil. Jede absichtliche Warenverbilligung durch Lohndrücken steht daher mit
Recht in schlechtem Geruch.
Die Verminderung der Kosten kann aber auch bestehen in technischen Fortschritten,
verbefserter Geschäftsorganifation, billigeren Frachten. Die beiden ersteren Momente
treten in der Regel so in die Erscheinung, daß zunächst einzelne sie finden und an—
wenden. Diese werden dann, so lange sie oder wenige Nachahmer allein im Besitze
der Vorteile sind, erhebliche Extragewinne machen; denn so lange sie nur einen Teil
der Nachfrage befriedigen, andere Geschäfte, die in alter Weise arbeiten, neben ihnen
noch nötig sind, bleibt der Preis der alte. Einzelne Familien, Städte und Länder,
die zuerst und länger allein die großen technischen und organisatorischen Forsschritte
vollziehen, werden dadurch die reichen. Man hat oft und mit Recht gesagt, nur dieser
Fall sei es, der heute nöch erhebliche Vermögen in den Händen der Umernehmer er—
zeuge. Die Quelle dieser Extragewinne kann aber stets nur eine gewisse Zeit hindurch
fließen. In dem Maße wie die Fortschritte bekannt und nachgeahmt werden, — auch
wo die Betreffenden Erfindungspatente auf eine Anzahl Jahre haben, geschieht es nach
Ablauf derselben — enisteht eine stärkere Konkurrenz, ein Überangebot, ein Versuch,
durch Preisminderung Kunden zu werben. Und so sinken mit der Zeit alle Preise im
Verhältnis des technischen Fortschrittes und der verbesserten socialen Organisation der
Produktionsorgane. Nur wo die Beschränktheit einzelner Produktionsgüter zu sehr in
entgegengesetztem Sinne wirkt, tritt die Verbilligung nicht ein, oder findet gar Ver—
—X Für die meisten Produkte des eigentlichen Gewerbefleißes, Zucker,
Chemikalien, Gespinste, Gewebe, Hausgeraͤte, Werkzeuge, hat durch diese Ursache eine
außerordentliche Verbilligung in den letzten Generationen stattgefunden. Der Meter
einen Wolltuches in Reims fiel 1816— 1883 von 16 auf 1,48 Francs; die englischen
Baumwollstoffe sanken 1880— 1880 um 60 Prozent im Preis. Marr führt an, daß
12 Dutzend Stahlfedern in England 1820 144 Schilling (als Folge des Handwerks—
betriebes) kostelen, 1880 8 Schilling (als Folge der Manufaktur-⸗), 1867 226 Pence
als Folge des Fabrikbetriebes). A. Wells führt als die durch technische Fortschritte
geuestens stark verbilligten Waren Zucker, Petroleum, Kupfer, Eisen, Quecksilber, Silber,
Zinn, Nickel, Bleiweiß Kohlen, Sulphale, Chinin, Papler, Salpeter an.
Noch rascher pflegt die Verbilligung durch bessere Transportmittel und gesunkene
Frachten zu wirken, da neue Verkehrswege und Verkehrsmittel, einmal hergestellt, sofort
jedem offen stehen. Wir haben oben schon (F150, 181) mancherlei Frachtermäßigungen
Zgeführt; wir werden für die letzten 200 Jahre im Durchschnitt aller Frachtuittel Lin
Sinken derselben von 20 —50 auf 0,83—8 Pf. per Tonnenkilometer annehmen können. Eine
Tonne Getreide don Newvork nach Liverpool zu schaffen kostete 1873 noch 30,68. 1893