Full text: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

621)] Angebot und Nachfrage nach Geld; lokaler Geldwert. 163 
durchschnittliche Wechselportefeuille der wichtigeren Banken in sieben Staaten betrug nach 
demselben Gewährsmann 1868 4214, 1880 6777, 1890 11196, 1893 10278 Mill. Mk. 
Der Giroumsatz der deutschen Reichsbank stieg 1876 —1900 von 8,8 auf 81,8 Milliarden 
Mark, um die doppelten Beträge, wenn man Einnahme und Ausgabe addiert. Wenn 
es je irgendwo gn Zahlmitteln sehlt, steigert sich in der Regel die Kreditvermittelung, 
und wo' sie im Überfluß da sind, schränkt sie sich ein. Sie ist das Hauptmittel, den 
Geldwert im großen und ganzen stabiler als früher zu machen. Natürlich sind deshalb 
Schwankungen doch nicht ausgeschlossen; es kommt immer auf die gesamte Spannung 
von Angebot und Nachfrage an, und wir sahen, aus welch' zahlreichen Elementen sich 
diese Kräfte zusammensetzen. 
e) Der lokale Geldwert hat sich mit dem steigenden interlokalen und inter— 
nationalen Waren-, Geld- und Kreditverkehr gegen früher viel mehr ausgeglichen, aber 
er ist keineswegs ein überall gleicher. Er ist da am niedrigsten, wo das Angebot im 
Verhältnis zur Nachfrage nach Edelmetall am stärksten ist, also in den Gegenden starker 
Gold- oder Silberproduktion und in den Mittelpunkten des Weltverkehrs, wo alles 
überschüfsige Edelmetall sich sammelt, wie heute in Newyork, London, Hamburg. Auch 
in der nächsten Umgebung dieser beiden Arten von Sammelpunkten des Angebots wird 
bei den geringen Transportkosten von Edelmetall und Geld der lokale Geldwert ein 
ähnlicher oder gleicher sein. Freilich handelt es sich stets darum, ob diese benachbarten 
Gegenden lebendigen Verkehr mit jenen Sammelpunkten haben. Wo ein solcher fehlt, 
kann der Überschuß hier nicht auf den Geldwert dort wirken. So wird der lokale 
Geldwert aller übrigen Gegenden, Länder und Weltteile abhängig von dem Maß des 
Verkehrs mit den Centralpunkten. Je geringer die Verkehrsmittel dahin sind, je weniger 
ein Land oder eine Gegend Exportwaren hat, die in den Ländern des Edelmetallüber— 
flusses stark begehrt sind, einen desto geringeren Anteil am Gesamtbetrag des Edelmetalls 
werden sie erhalten. Das Sinken des Geldwertes, wie es im Laufe der Geschichte 
sich vollzog, geht aus von jenen Mittelpunkten und verbreitet sich in immer aus— 
gedehnteren, aber auch schwächeren Wellenkreisen auf die peripherischen Gebiete. In 
jedem einzelnen dieser letzteren kommt es darauf an, wie viel es an Edelmetall durch 
Warenexport anzuziehen vermöge, wie dieses Edelmetall dann als Schmuck, als Münze, 
als Schatz- oder Cirkulationsmittel genutzt werde, wie die gesamten Faktoren des 
Angebots und der Nachfrage sich hier siellen. Im ganzen behalten alle Länder geringerer 
wirtschaftlicher Entwickelung einen höheren Geldwert, d. h. niedrigere Preise. 
1822. Der Geldwert und die allgemeine Preisbewegung;,, Folgen 
derselben. Wollen wir nun tatsächlich die historischen und geographischen Anderungen 
des Geldwerts untersuchen, so werden wir natürlich alle die bisher erwähnten Faktoren 
und Ursachen im einzelnen festzustellen, wo irgendmöglich zahlenmäßig Angebot und 
Nachfrage zu fixieren suchen. Aber stets ist der Vorgang ein so unendlich komplizierter, 
daß alle Schlüsse aus solchem Material, das immer lückenhaft nach einzelnen Seiten ist, 
weifelhaft bleiben. So find wir stets darauf angewiesen, doch den Schwerpunkt der 
Anterfüchung auf die Gesamtbewegung der Preise zu legen, aus der Wirkung auf die 
Ursache zu schließen. Wo die Preise ganz allgemein steigen oder fallen, da werden 
vir immer veranlaßt sein, das auf den Geldwert zurückzuführen. Freilich sind auch 
hier die Schwierigkeiten der Untersuchung fast unüberwindliche. Wir können nie die 
Durchschnitte aller Preise erfassen; wir müssen uns immer mit Durchschnitten von 
einigen oder einigen Dutzend Gütergattungen und meist mit rohen Rechenmethoden, 
welche Waren verschiedener Bedeutung gleichsetzen, begnügen. Und stets bleibt, wie wir 
e sahen, die Frage offen, ob nicht gerade die für unsere Untersuchungen zugäng— 
ichen Gattungen konkrete Warenwertsänderungen in solchem Maße erfahren haben, daß 
lirdurch mehr als durch den Geldwert der Durchschnitt sich geändert habe. Kein 
—“ daß deshalb auch über die Deutung der so gemachten Preisuntersuchungen 
Streit geblieben ist. 
sch idn Die thatsächliche hästoxische Gesamtbewegung der Preise wird 
in ihrem Zusammenhang mit dem Gelbdwert nach dem heutigen Stande unseres Wissens 
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