331)] Wiederherstellung der Valuta nach einer Papierentwertung. 173
Preise und der Wechselkurs nach dem Ausland, in dubio auch die gesamte Aus- und
Einfuhr in den gewohnten Geleisen. Und das ist volkswirtschaftlich viel wichtiger als
die formale Verletzung des alten Versprechens, die Scheine in ihrem Nennwert einzulösen.
Wenn trotzdem in solchen Fällen nicht alle wirtschaftlichen Kreise zufrieden sind,
so ist das leicht begreiflich. Es klagen die, welche überhaupt keine Rückkehr zur Bar—
zahlung wünschen, die, welche aus dem fortlaufenden Wechsel der Agios Gewinn zogen.
Außerdem können nie alle Interessenten gleichmäßig mit dem Umwechslungskurs des
alten Papiers in das neue Geld zufrieden sein, weil die Preise aus der Papier—
zeldzeit nicht alle gleichmäßig durch das Papiergeld beeinflußt waren. Die Opposition
geht teilweise auch von solchen aus, welche die ganze Sanierung zu teuer finden, welche
fürchten, der neue Zustand werde wegen einer dauernd ungünstigen Zahlungsbilanz sich
nicht halten lassen, wie Italien 1883 seine Barzahlung nicht aufrecht erhalten konnte.
Es giebt ja überhaupt Praktiker und Theoretiker, die behaupten, eine Papiervaluta fei
nicht bloß an sich viel billiger als eine Hartgeldvaluta; sie habe auch, sofern sie nur
stabil sei, keine wesentlichen Nachteile gegenüber dieser. Ja sie habe für weniger reiche
Länder den Vorteil, daß bei ungünstiger Bilanz das Edelmetall nicht sofort abfließe,
sondern daß durch den Druck der Wechselkurse die Preise der Exportwaren so weit herab—
gedrückt würden, daß Ausfuhr und Einfuhr sich ausgleichen können. Und wir werden
zugeben, daß ein erheblicher Teil der Schäden der Papiervaluta beseitigt ist, wenn es
einem Lande gelingt, sein Papiergeld gegenüber dem Hartgeld des Auslandes Jahre
und Jahrzehnte lang auf dem gleichen Niveau zu halten. Die wesentlichsten Ein—
wirkungen auf die Preise, die Unsicherheit, das Schwanken des Agios fallen damit weg,
wenn nicht ganz, so doch in der Hauptsache. Einzelne Theoretiker glauben für eine
fernere Zukunft, alle Cirkulation werde künftig in der Hauptfache in allen Staaten
wesentlich durch Papier unter Erhaltung großer Goldreserven im Staatsschatz und in den
Centralbanken bestritten werden.
Wie dem aber auch sei, mit größeren Gefahren ist jede Papiervaluta doch ver—
bunden. Und jeder halbwegs wohlhabende Staat, der es vermag, wird daher gut
thun, auch von einer stabil gewordenen Papiervaluta zur Barzahlung zurückzukehren;
d. h. nur so viel Papier und Banknoten im Verkehr zu lassen, daß das Hartgeld
wieder Preismaß und Regulator aller Preise wird, und damit die heimische Volks—
wirtschaft zu einer normalen Preisbildung und zu einem normalen Handel mit dem
Ausland zurückkehrt.
Politisceh und wirtschaftlich gut geordnete und hochstehende Staaten haben auch
Papiervaluten kaum in den letzten 150 Jahren gehabt. Für die weniger entwickelten
oder halbkultivierten, für die erst neu sich konsolidierenden Staaten waren sie häufig ein
Mittel der finanziellen Verzweiflung: die Regierungen wußten sich nicht anders zu
helfen; man überblickte früher auch die gefährliche Tragweite der Maßregel nicht. Mit
Papiergeldausgaben, wie sie die französische Revolutionsregierung in wenigen Jahren
bis 48 Milliarden Livres trieb, konnte man vorübergehend eine ungeheure Macht ent—
wickeln, fast alle Bürger und alles Eigentum auskaufen, aber um den Preis, daß die
Inhaber der Assignaten Bettler wurden. Es ist gleichsam eine kommunistische Maß—
regel, eine Besteuerung, die, auf den Zufall der Entwertung gestellt, wie ein Verhängnis
Tausende und Millionen im Staatsinteresse beraubt.
Es ist zu hoffen, daß gesittete Regierungen immer seltener und in immer geringerem
Maß zu diesem für Volkswirtschaft und Finanzen aleich verhängnisvollen Mittel
greifen werden.
5. Vermögen, Kapital und Kredit, Kapitalrente und Zinsfuß.
Außer den volkswirtschaftlichen Lehrbüchern von Roscher, Wagner, Philippovich
Schönberg: Hermann, Staatswirtschaflliche Untersuchungen. 4832 und 1870. — Knies, Gelt
und, Kredit, 1. Abt. 1878 und 1888. — v. Böhm-Bawerk, Kapital und Kapitalzins. 2 Bde.
1884 18890 2. Aufl. 1900. — Ders., Einige stritige Fragen der Kapitalstheorie. 1900. —