651) Depositen, Giroverkehr, Checks und Banknoten. 198
Checksystem bei zahlreichen Depofitenbanken decentralisiert und wird erst durch seine
Zusammenfassung mittelst Abrechnungshäufern zu höchster und dem Girowefen ganz
entsprechender Wirkung gebracht.
Die Depostten der Bank von England betrugen 1780 schon 94 Mill. Mk., stiegen
dann bis 1814 auf 296, um 1840 wieder auf 126 zu stehen; von 1831-1881 nahmen
sie von 830 auf 600 Mill. zu, die der übrigen großen Londoner Aklienbanken in
derselben Zeit von 170 auf 1840 Mill. Mk.; 1901 uün Dezember betrugen die privaten
und öffentlichen Depositen der Bank von England 1241 Mill. Mk. Die Depositen im
Vereinigten Königreich stiegen in den 1880er Jahren auf 10, 1898 auf 15 Milliarden
Mark. Die Privat- und Staatsdepositen der Banken der Vereinigten Staaten machten
1870 5317,6, 1897 1869,5 Mill. Dollars, also auch 7 28 Milliarden Mk. aus. Doch
darf dabei die eigentümliche Buchung und Berechnung der englischen Depositen nicht über—
sehen werden. Ein sehr großer Teil entsteht nur buchmäßig durch Gutschreibung eines
eingeräumten Kredits auf Grund von Effekten, Wechseln u.s. w. während in Deutsch⸗
land die Depositen in viel höherem Grade bar eingezahlt sind. Wenn also die deutsche
Reichsbank 1876 216, 1900 512 Mill. Mk. Depofiten hatie (wovon 72 und 888 auf
Giroguthaben), wenn die deuischen Effektenbanken 1888 250, 1900 997 Mill Mer
Depositen, die deutschen Notenbanken gar nur 1878 192,5 1901 48 Mill. Depositen
aufwiesen, so zeigt das zwar, daß das Depositengeschäft in Deutschland weniger aus—
gebildet ist als in England, aber die Differenz ist viel kleiner als die Zahlen befagen.
Auch die Ausbildung des Austausches von Checks und anderen Kreditpapieren
in den Abrechnungs- und Clearinghäusern ist in England sehr viel entwickeller: die
jährlichen Umsätze des Londoner Clearinghauses stiegen von 1876 -1901 von 101 auf
195, die der deutschen von der Reichsbank seit 1884 eingerichteten Abrechnungsstellen
bis 1900 von 12 auf 29 Milliarden Mk. Adolf Weber berechnet für 1899, daß die
Umsjätze der gesamten englischen Clearinghäuser 194, die der deutschen entsprechenden
Instikute 48Milliarden eexreichten.
c) Die Banknote. Quittungen über Gelddepositen bei vertrauenswürdigen
Stellen, welche an den Vorweiser wieder zurückgezahlt wurden, haben schon 23800 v. CEhr.
in Chaldäa wie Münze cirkuliert. AÄhnliches finden wir bei den Römern, dann im
Mittelalter in Venedig, in Genua und anderwärts. In London stellten die Goldschmiede
seit 1645 solche Quittungen aus. Indem man sich dann gewöhnte, derartige Scheine
wegen ihrer leichteren Übertragbarkeit stets in runden Summen auf 10, 100, 500 oder
1000 Pfund oder Gulden auszustellen, den Namen des Deponenten auf ihnen weg—
zulassen, von seiten der Bank auf jede Kompensativuseinrede zu vbergichten und zugleich
den Noteninhabern ein Vorzugsrecht vor allen anderen Gläubigern der Bank zu geben,
war die Umwandlung aus dem Depositenschein in die Bantnote vollendet Die
Banknoke ist sozein auf runde Summen der Landeswährung gestelltes, mechanisch
hergestelltes, durch Übergabe des Zettels übertragbares, zinsloses Zahlungs—
versprechen einer Bank, dem Inhaber jeder Zeit auf Verlangen qGauf
Sichth die Summ⸗ zu zahlen. Indem private Bankiers und große Banken von
1650- 1800 an begannen, solche Noten in Menge auszugeben, d. h. so zinslos vom
Publikum Kredit zu nehmen, in der Form, daß sie damit zahlten, Kredit gaben, Wechsel
diskontierten, wurden die Banknoten einerseits von 1700 -51850 das große Schwungtad
der Bank—⸗ und kaufmännischen Kreditentwickelung, andererseits die Veranlassung zu leicht⸗
snnigem Kredit, zur Preistreiberei und zu Krisen. Die Banken konnten in Momenten des
ertrauens und des Geschäftsaufschwunges sehr viel mehr solche Noten ausgeben, als sie
Depofiten oder Bargeld hatten, resp. als sie nachher im Moment des Mißtrauens ein—
sen konnten. Daher traten frühe allgemeine Schranken und Vorschriften über das
Recht der Notenausgabe ein, auf die wir unten kommen. Die Note war von Anfang
qr nur halb kaufmaͤnnisches Kreditmittel, sie war durch die Art, wie das kaufmännisch
W große Publikum sie aufnahm, wie durch ihre Form und ihre Rechtsklaufeln halb
An Münzzeichen, ein Geldstellvertreter und fiel als solcher unter die ordnende Hand der
Staatsgewall.
Schmoller, Grundriß der Volkswirtschaftslehre, II. 1.26. guf!