Full text: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Die Entstehung der Notenbanken. 221 
die allgemeine, später sogenannte königliche Bank, welche von ihren ersten Einzahlungen 
drei Viertel, von ihren späteren den ganzen Betrag in Staatspapiergeld annahm, damit 
die schwebende Staatsschuld tilgen follte, dann enorme Notenmengen ausgab, rasch 
wieder zusammenbrach. Ihre erste Nachfolgerin, die Caisse d' Escompte (1776), war 
ine Akliennoten- und Disskontobank, deponierte von ihren 15 Mill. Francs Kapital 10 
in Staatsschuldscheinen. Die 1800 gegründete, heute noch bestehende Bank von Frank⸗ 
reich hat noch nach dem Gesetz vom 17. November 1897 von ihrem Grundkapital von 
190,5 Mill. Francs 140 in einem unkündbaren Darlehen an den Staat festgelegt und 
besitzt außerdem so große Beträge französischer Staatsrente, daß ihr gesamter Wert an fest⸗ 
gelegten Forderungen an den Staat neuerdings wiederholt 840 Mill. Francs und mehr 
zusmachte. Die zwei ersten Unionsbanken der Vereinigten Staaten 1791 51810 und 
1816 —–1836 hatten ihren Hauptzweck in der Übernahme von Unionsschulden und der 
Stütze des Unionskredits. Als die anticentralistische Partei sie beseitigt hatte, trat 
volle Notenfreiheit ein; aus ihren Mißbräuchen erwuchs dann erst im Staate Neuyork, 
später, von 1868 —1882, in der Union ein System der Gesetzgebung, das die National⸗ 
m Gegensatz zu den Staaten-) Banken zwang, so viel Unionsbonds zu kaufen und 
oͤffentlich zu deponieren, daß sie zur Notenausgabe im Verhältnis von 10: 0 stehen. 
Wir kommen darauf zurück. Die privilegierte österreichische Staatsbank, von 1816 bis 
heute die einzige Notenbank in Osterreich-Ungarn, mußte zehn Elftel ihres Kapitals in 
Staatspapiergeld nehmen, erhielt dafür eine 21/20/0 ige Staatsobligation; sie lieh der 
Regierung nachher immer wieder, zeitweise bis 800 Mill. Mark. Bis 1899 noch waren 
don ihrem Kapital von 163 Mill. Mark 134 in Form einer Schuld des Staates au 
die Bank vorhanden, erst die Veränderungen von 1899 redusierten diese Schuld auf 
etwas über ein Drittel des bisherigen Betrages. 
Ähnliche Verbindung mit den Staatsfinanzen hatte die schwedische Reichsbank 
von 1606— 1776, die dänische Courant- und Staatsbank von 1786 an. Die preußische 
Bank war von 1765 —1806 nur ein Staatsinstitut zur Verwaltung von gerichtlichen 
Depositen und Privateinlagen; sie wurde 1817 eine selbständige staatliche Noten— und 
Diskontobank, von 1846 an eine solche mit Privatbeteiligung, welch' letztere bis 1867 
mmer stärker wurde; 1876 bei ihrer Umwandlung in die deutsche Reichsbank mit 120 
Mill. Mark Kapital wurde sie eine Art Altiengesellschaft unter Staatsleitung mit aus— 
schließlichem Privatkapital. Sie hat von allen älteren großen Banken allein dem 
Staatskredit sast nie anders als nebenbei und bankmäßig gedient. Die russischen älteren 
großen Banken, wie die 1860 gegründete russische Reichsbank waren und sind nichts 
als Hülfsorgane des Finanzministeriums. 
Dennoch wäre es falsch, die ganze Entwickelung der Notenbanken historisch an 
die Bedürfnisffe des Staatskredits anzuknüpfen. Das praktische Bedürfnis der kauf⸗ 
männischen Kreditgebung im Diskont-, Lombard-, Kontokurrentverkehr war ebenso wichtig. 
And wo man den zunehmenden Privatbankiers und Aktiengesellschaften gestattete, Noten 
auszugeben, da haben von 1730 bis zur, Gegenwart diese immer wieder den aus⸗ 
giebigsten Gebrauch davon gemacht: zuerst in England und den Vereinigten Staaten, 
m 19. Jahrhundert auch auf dem Kontinent. Sie konnten so am leichtesten und 
zilligsten Kredit geben; ihr eigenes geringes Kapital und ihre Depositen, deren An— 
sammlung nur schwer und langsam Sitte wurde, erst seit 1850 in England große 
Beträge ärgab, waren lange ungenügend. Wo man die Notenausgabe nicht gestattete, 
da blieb das ganze Bankwesen leicht in seiner Entwickelung zurück. Auch konnten die 
privilegierten größeren Notenbanken in Frankreich, Preußen, Osterreich und den meisten 
deutschen Staaten lange dem Bedürfnis nicht genügen; sie waren in der Provinz ohne 
eden Einfluß. In den meisten kleinen Staaten fehlten lange alle Notenbanken. Die 
Schweiz erhielt ihre erste 1834, Baden 1870, Württemberg 1871.. 
So entstand in England 1780 -1844, in den Vereinigten Staaten von 1780 
bis heute, in den kontinenkalen Staaten vielfach erst seit 1840—1860 der große Kampf 
um die Banknotenausgabe, der zugleich zum Kampf zwischen den großen Centralbanken 
und den kleinen und privaten Banken um das Kreditgeschäft überhaupt wurde. Der
	        
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