709) Post- und Gemeindesparkassen 1860- 1900. 251
der örtlichen Sparkassen und deren Ausleihegeschäft in den Kreisen, welche ihr Geld
zur Sparkasse bringen. Die Sparerfolge sind teilweise in den Ländern ohne Post—
sparkasse größer als in den Ländern mit ihr. Das waren auch die Motive, welche in
Deutschland 1885 die Ablehnung des Gesetzentwurfes zu einer Postreichssparkafse
herbeiführten.
In Deutschland haben die Gemeinden und Kreise in der Hauptsache das ganze
Sparkassenwesen in den Händen behalten und im ganzen richtig weiter zu bilden
zgewußt. PVreußen zeigt folgende Entwickelung:
835 80 Sparkassen mit 99645 Sparkassenbüchern 16 Mill. Mk. Guthaben 160 Mk. auf 1 Buch
865 323 n * 919 313 k 268 —A
895 11888 6327387 4000 618 1
1900 1490 F 8670709 3 5745 33 J 6623 —1
Für ganz Deutschland hat man 1884 6 Mill. Bücher mit 2838 Mill. Mark
berechnet, für 189721899 18,8 Mill. Bücher mit 8186 Mill. Mk. Die Zahl der
Annahmestellen ist in Preußen 1881 -1900 von 2088 auf 4871 in 3518 Orten, in
Württemberg 1879 -51895 von 84 auf 1415 gestiegen; für ganz Deutschland zählt
Drape 18891-1892 6878 Annahmestellen. Auf 100 Einwohner fielen 1891 -1892
Sparkassenbücher: in Deutschland 21,2, in Preußen 20, in Sachsen 47, in Bremen 71,
in Großbritannien 17, in Frankreich 20, in Hsterreich 14, in Italien 12, in der
Schweiz 27, in Dänemark 88. Die Guthaben bis 300 Mark machten in Preußen
600/0 aus; die Bücher der eigentlichen Arbeiter machten bei 6 Kassen, die Drape nach—
weist, 30 750/0 aus.
Die Gesamteinlagen der Sparkassen betrugen 1897-1900 etwa in Deutschland
329 Milliarden Mark, in Großbritannien 4-38, in Frankreich 3—4 Milliarden Mark.
wobei was in Genojfenschaftskassen liegt, nicht gerechnet ist. So trügerisch ein großer
Teil aller vergleichenden Sparkaffenstatistik ist, weil die Kassen der verschiedenen Länder
lerschiedene Bevölkerungsklassen umfassen, verschiedene Organisation haben, die gröbsten
Thatsachen der Entwickelung spiegelt die Statiftik doch richtig wieder. Sie zeigt, daß
Deutschland mit seinen kommunglen Kassen nicht hinter den Postsparkassenländern zurück—
blieb, sondern sie überholte. Sie zeigt auch, daß in Frankreich und Osterreich ihr
keineswegs eine stärkere Heranziehung der Arbeiter gelang.
Die Reformen der Sparkassen, welche teils schon begonnen haben, teils und noch
nehr erst der Durchführung harren, liegen gleichmäßig auf dem Gebiete der Spar—
nregung und Sparerleichterung, wie auf dem der Anlage des gesammelten Kapitals.
In ersterer Beziehung ist die Losung: mehr Einzahlstellen, lange Hffnung derselben
und zu den für die kleinen Leute passenden Stunden, möglichst Annahme der kleinsten
Zahlungen, Ausbildung von Lockmitieln aller Art für die Einzahlung. Da die kleinste
die die größte Einzahlung fast gleich viel Verwaltungskosten macht, die kleinsten für die
Verwaltung zu teuer werden, so hat man den Verkauf von Pfennig- und Groschen—
marken eingeführt, die auf Karten bis zum Betrag der Minimaleinzahlung von einer
oder auch von mehreren Marken geklebt, dann als Zahlung angenommen werden. Man
hat Pfennigsparkafsen als Sammelstellen und ebenso Schulsparkassen gegründet,
wobei die Lehrer die Kinder anregen und deren Pfennige in Empfang nehmen. Belgien,
England, Frankreich haben die Schulsparkassen ausgebildet (es gab im letzten Land
1896 24 000 Jugendsparkafsen mit 0,44 Mill. Sparern, 12,0 Mill. Franes Cinlagen).
Durch Fabriksparkassen hat man den Arbeitern die Einlegung zu erleichtern gesucht.
Freilich erleichtert keine Einrichtung die Einlegung mehr als die Postsparkasse.
Ein kaum begonnener Versuch ist der wöchentliche Abholungsdienst für die, welche
8 wünschen: die englisch-amerikanische Volksversicherung verdankt ihm ihre großen
Erfolge; manche deutsche Sparkassen und ländliche Vorschußvereine haben ihn organisiert;
er kostet zuerst viel, in Frankfurt a. M. z. B. jährlich 15000 Mk. Aber 'er wirkt
ehr erziehend. Er bereitet den Sparzwang vor, den bis jetzt einzelne Fabriken für
uugendliche Arbeiter eingeführt haben, den Schanz verallgemeinern moöchte, um für jeden