724 Schiffbau.
Die Konstruktion der Geschosse bedingt genügende Haltbarkeit gegen den Druck der
Pulvergase, hinreichende Festigkeit und Zähigkeit beim Auftreffen auf Panzerziele, günstige
Geschoßform zur Überwindung des Luftwiderstandes sowie Zündvorrichtungen, um die
Sprengladung der Granaten und Shrapnels zur Explosion zu bringen. Als Material
verwendet man für Granaten vorzugsweise Gußeisen und zwar als Hartguß. Die
Panzergranaten werden aus geschmiedetem und gehärtetem Stahl gefertigt und erhalten
neuerdings besondere Geschvßkappen von weichem Stahl, um das Durchschlagen des
Panzers zu begünstigen. Auch werden dieselben mit Pulver als Sprengladung ver
sehen, welches sich beim Auftreffen des Geschosses durch die Reibung an der Geschoß-
wandung von selbst entzündet. Um die Wirkung der Explosion zu erhöhen, füllt man
die aus Stahl gefertigten hohlgeschmiedeteu Granaten mit detonierendem Sprengstoff
— Schießbaumwolle, Nitroglycerin, Melinit — und es wurden Verzögerungszünder ein
geführt, welche die Detonation der Sprengladung erst vollziehen, wenn die Granate das
Ziel ganz oder teilweise durchschlagen hat. Die Geschoßwandungen werden dabei nur
gerade so dick hergestellt, daß die Granaten beim Abfeuern der Geschütze nicht in Stücke
gehen. Besonders eignen sich derartige Geschosse für Haubitzen und Mörser, welche eine
geringe Anfangsgeschwindigkeit und kleine Ladungen aufweisen.
Schiffsxan;er.
Die Geschichte der Schiffspanzer hängt mit der Entwickelung der Marineartillerie
seit Einführung der Bombenkanone und der gezogenen Geschütze eng zusammen. Der
Schiffspanzer erhielt, wie wir im vorigen Kapitel gesehen haben, bei der Beschießung
von Kinburn seine Feuertaufe und veranlaßte bereits im Jahre 1858 den Bau des
ersten Panzerschiffes, der „Gloire", welchem kurz darauf die Schwesterschiffe „Normandie",
„Jnvincible" und „Couronne" folgten. Diese Schiffe wurden aus Holz erbaut und erhielten
über die ganze Länge einen Eisenpanzer von 120 mm Dicke. Die Platten wurden auf
der äußeren Holzbeplankung mit starken eisernen Holzschrauben in einfachster Weise be
festigt. England folgte alsbald mit dem Bau zweier Panzerschiffe, „Warrior" und „Black
Prince", welche aus Eisen hergestellt wurden. Sie erhielten Panzerplatten von 114 mm
Dicke, welche auf einer doppelten Lage von Teakholz von 450 mm Stärke gelagert und
durch starke eiserne Bolzen an der eisernen Schiffswand befestigt waren. Die Holzhinter
lage sollte dein Panzer eine elastische Auflage bieten. Später begnügte man sich mit
einer Lage Holz, und hieran hat man bis in die neueste Zeit festgehalten. Die Panzer
stärke schwankte, der Durchschlagskraft der damaligen Geschütze entsprechend, längere Zeit
zwischen 114 und 150 mm. Als indessen die Marineartillerie dem Panzer Geschütze von
größerem Kaliber und erheblich vermehrter Durchschlagskraft entgegenstellte, mußte man
daran denken, einesteils die Panzerstärken zu vermehren, anderenteils die Herstellungs
weisen und das Material der Platten zu verbessern. An Stelle der geschmiedeten Panzer
platten traten die viel homogener herzustellenden gewalzten Platten, und man steigerte
die Dicke stetig, bis sich auch hier allmählich eine Grenze bot. Als man durch die
unausgesetzt gesteigerte Leistungsfähigkeit der Geschütze das Stärkenmaß der Panzerplatten
über 250 mm erhöhen wollte, zeigte es sich, daß dieselben eine auffallende Sprödigkeit
aufwiesen, so daß sie schon nach einem Schuß aus einem schweren Geschütz zersprangen.
Das anfängliche Streben, mit Hilfe der Panzerplatten die Granaten davon abzu
halten, die Schiffswände zu durchschlagen und ihre verderbenbringende Wirkung in das
Schiffsinnere hineinzutragen, mußte daher bald dahin ergänzt werden, den Walzeisen
platten neben möglichst großer absoluter Widerstandsfähigkeit gegen die lebendige Kraft
der aufschlagenden Geschosse auch eine genügende Weichheit und Zähigkeit zu verleihen,
um zu verhüten, daß sie bei inehrfachem Getroffenwerden nicht zu Bruch gingen und
eine gefahrbringende Bresche verursachten. Da die Fortsetzung des Kampfes zwischen
Artillerie und Panzer stetig größere Panzerstärken erforderte, so entschloß man sich, statt
einer Platte von größerer Dicke deren zwei von geringerer Stärke hintereinander zu lagern,
und dieselben durch eine Holzzwischenlage voneinander zu trennen, das sogenannte