430 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. 888
die mäßige Zahl Personen, die rein von ihrem Vermögen leben. Außerdem wird man
die rein privatwirtschaftlichen Einkommensteile der Gemeinden, der Staaten und des
Reiches unter den 8,14 Milliarden zu fuchen haben.
Nehmen wir die oben nachgewiesenen 8,71 Milliarden Vermögensrente und dazu
ganz die restierenden nicht nachgewiesenen 8,14 Milliarden ebenfalls als Vermögens⸗
einkommen zusammen, so giebt das 6,88 Vermögens⸗- zu 18,15 Arbeitseinkommen. Das
scheint uns kein unwahrscheinliches Verhältnis. Halten wir an der Annahme jest, daß
das deutsche Nationalvermögen 200 Milliarden betrage, so geben fast 7 Milliarden
eine Verzinsung von 31/20/0, was als Durchschnitt weder zu hoch, noch zu niedrig sein
dürste; nehmen wir statt 823/00/0 aber 40/0, so wäre die Rente 8 Milliarden; von
25 Milliarden Gesamtieinkommen kämen dann 17 auf die Arbeit. Bleiben wir bei
7 Milliarden, so kämen nach unseren Annahmen von ihnen 1 auf die 16,36 Millionen
Arbeiter und Beamten, 2,71 auf die etwa s Millionen großen und kleinen Unternehmer;
wahrscheinlich ist dieser Betrag zu klein; wir nahmen bei unserer Aufstellung nur Be—
dacht auf das im Geschäft befindliche eigene Vermögen der Unternehmer; sie werden
auch noch größere Kapitalmassen sonstwie angelegt haben. Rechnen wir 15211/2 Milliarden
Rente als Verzinsung des privaten Korporationsvermögens, so blieben 11/3—2 Milliarden
Vermögensrenie als in unserer Aufstellung nicht näher nachgewiesen; sie flössen in die
Hände der reinen Rentner und eventuell in die von Unternehmern, Beamten ꝛc.
Wenn wir 10 —150/0 des gesamten Vermögens als Staats- und Korporations-
vermögen annehmen (vgl. oben II S. 183), so wären das wie gesagt 20-30 Milliarden
Vermoͤgen, die zu 81/2 d/0 7—10/23 Mill. Mk. reine Vermögensrente geben; der deutsche
Staatseisenbahnbesitz ist nach Zahn 1900 etwa 12—183 Milliarden wert. Die Be—
deutung des Staats- und Korporationsvermögens und der Steuern, sowie der Staats⸗
schulden auf die Einkommensverteilung näher zu besprechen, ist hier nicht der geeignete
Ort. Es fehlten dazu heute auch noch vielfach die speciellen Unterlagen und Erhebungen.
Einige der wesentlichsten für diese Fragen in Betracht kommenden Gesichtspunkte haben
wir iĩ S. 304-85, 321 -22, 483 ff. erörtert. Der Kernpunkt bleibt, daß je größer
das Staats- und Korporationsvermögen ist, je größere Steuern gezahlt werden, desto
mehr die Privatpersonen auf die Formen des Arbeitseinkommens angewiesen sind.
Es versteht sich, daß in der hier berechneten Vermögensrente die Grundrente ein—
begriffen ist.
Der ganze Zweck des vorgeführten Beispiels konnte nicht sein, ganz sichere Zahlen
hinzustellen, sondern nur der, eine richtige ungefähre Größenvorstellung vom Arbeits-
und Vermögenseinkommen und von der privatrechtlich und wirtschaftlich ganz ver—
schiedenen Art des Arbeitsverdienstes und der Vermögensrente zu geben. Man wird
die Schätzungen im einzelnen mannigfach anders ansetzen können, wie wir zugeben,
das Gesamtbild bleibt ein ähnliches. Es sollte der sogenannten natürlichen Einkommens—
lehre mit ihren drei Einkommensarten Gewinn, Grundrente und Lohn ein Bild der
Wirklichkeit gegenüber gestellt werden. Dieses Bild wird in anderen Ländern und
anderen Zeiten sich natürlich vielfach anders gestalten. Daß es aber mit analogen
neueren Versuchen im ganzen übereinstimmt, und daß angesehene Forscher des Auslandes
ein ähnliches Bedürfnis wie wir fühlten, zeigt die auch von Gide übernommene Be—
rechnung von Coste für Frankreich aus der Zeit von 1890. Nach ihr zerfiele das
französische Nationaleinkommen von 28— 24 Milliarden Franes in solgende Teile und
ginge an folgende Klassen: 8 Milliarden Franes an die 8 Millionen Arbeiter,
1 Htilliarden an die 4,8 Millionen kleinen Bauern und Handwerker, 8 Milliarden an
die 2,7 Millionen mittlere und größere Unternehmer, 3 Milliarden an verpachtende
Grundbesitzer, Rentiers u. s. w. und liberale Berufe, O,5 Milliarden an die 1,6 Millionen
Armen u. s. w. Kiager hat neuerdings für die fast 2 Millionen Norweger folgende
Schätzung gemacht: 186 Millionen Kronen bezeichnet er als Haushaltseinkommen aller
Klassen durch eigene Arbeit im Haushalt, 146 Millionen leilt er den Landwirten,
88 Millionen den Manufakturisten und Handwerkern, 72 Millionen den Händlern,
Verkehrsanstalten, 837 Millionen den Schiffern, 88 Millionen den öffentlichen Beamten,