Full text: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

132 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. —[1890 
der inneren Anordnung der Fabrik, in der Technik, in der Verkehrsvermittelung, wie 
sie teilweise der tüchtige Werkmeister, der Commis herausfinden kann, können unter 
Umständen bereits viel ausmachen, viel verantwortlicher und einflußreicher aber sind die 
Dispositionen des eigentlichen Geschäftsleiters. 
Von ihnen hängt es ab, ob die Kosten gedeckt, ein Überschuß, ein Reinertrag 
erzielt wird. Jedenfalls will man stets a) eine Verzinsung des im Geschäft steckenden 
ezigenen Kapitals erreichen, b) eine Vergütung für die Thätigkeit des Unternehmers, wie 
er sie nach Geschicklichkeit und Leistungsfähigkeit sonstwo erzielen könnte; bleibt darüber noch 
ein Überschuß, so hat man diesen Teil neuerdings häufig, e) als Unternehmergewinn im eigent— 
lichen Sinne aufgefaßt. Das Einkommen des Unternehmers enthält so drei Elemente, die aber 
äußerlich nicht geschieden sind, so sehr die Kapitalverzinsung, die gewöhnliche und die 
eigentümliche unter c) erwähnte Arbeitsvergütung theoretisch sich scheiden lassen; alle 
drei Teile haben einen lotterieartigen Charakter, zumal der letztgenannte. Selbst wenn 
das Unternehmen im ganzen gut geht, ist nur im Durchschnitt der Jahre auf ein be— 
stimmtes Unternehmereinkommen zu rechnen, da Kosten und Verkaufspreise immer 
schwanken, kleinere Verluste stets störend eingreifen können. Aber der lotterieartige 
Charakter des ganzen Unternehmereinkommens zeigt sich noch mehr darin, daß je nach 
den Konjunkturen und Zufällen die Geschäfte überhaupt bald stocken, bald blühen, ja 
biele bald mit ganzem oder teilweisem Verlust des Kapitals zu Grunde gehen, bald 
vieder große Gewinne erzielen, die bei Sparsamkeit zu rascher Vermögensbildung führen. 
Wer schuld an dem einen oder anderem sei, ist überhaupt, jedenfalls allen Fernerstehen— 
den, schwer zu sagen. Übertreibender Neid entsteht leicht, weil die Menge mehr die großen 
deriodisch sich einstellenden Treffer und nicht die zahlreichen Nieten sieht. Gotard hat 
irüher für Frankreich, Wells neuerdings für die Vereinigten Staaten behauptet, nur 
100/0 aller Unternehmungen glückten dauernd. Daß 10 — 200/0 aller Geschäfte meist 
im ersten Jahre wieder eingehen, zeigen die ungeheuren Wechsel in den Eintragungen 
unserer Firmenregister und die Statistik der Konkurse. May, ein erfahrener Kausmann, 
meint, daß, wenn 1895 und 1896 in Deutschland 182 und 168 Mill. Mk. durch 
Konkurse ausfielen, diese nur einen kleinen Teil der durch Akkorde verlorenen Kapital— 
beträge darstellen. So bleibt der Gesamtbetrag des Unternehmereinkommens erheblich 
hinter der Vorstellung zurück, welche die Arbeiter und das große Publikum in der 
Regel von ihm haben. Zumal in den zahlreichen älteren Geschäften, in allen denen, 
welche in hergebrachten Bahnen sich bewegen, welche keine Monopolstellung haben, 
erheblicher Konkurrenz unterliegen oder gar jahrelang unter ungünstiger Konjunktur 
leiden, ist es häufig nur so, daß die Gewinne die eigenen Kapitalien notdürftig zu 
22380/0 verzinsen und eine mäßige Arbeitsvergütung bringen. Wo die entgegengesetzten 
Umstände walten, wo geniale Geschäftsleute große technische Neuerungen, Betriebs-⸗ 
derbesserungen, Absatzausdehnungen durchführen, da find umgekehrt oft 15 — 60 und 
mehr Prozent des Kapitals (einschließlich der Arbeitsvergütung) zu verdienen. 
b) Nach diesen Bemerkungen könnte es scheinen, als ob von einer einheitlichen 
zeitweisen Höhe des Unternehmereinkommens gar nicht gesprochen werden könnte. Und 
es trifft dies auch bis auf einen gewissen Grad zu: wie schon die Höhe des Lohnes 
und der bedungenen Kapitalrente zur selben Zeit, auf demselben Markte sich nur be— 
schränkt ausgleichen, so thut es der Unternehmergewinn noch viel weniger. Zumal die 
ganz großen Geschäfte mit Monopolstellung, wie die kleinen Geschäfte der Bauern, 
Handwerker, Kleinhändler nehmen an der überhaupt vorhandenen Ausgleichung nicht viel 
teil; erstere wegen ihrer Sonderstellung, ihres Monopols, letztere weil ihre Inhaber nicht 
kaufmännisch geschult und beweglich genug sind. Für eine große Zahl von Unter— 
nehmungen, die zwischen diesen Erxtremen stehen, in gut rechnenden kaufmännischen 
Händen sind, trifft nun aber, soweit sie untereinander sich technisch und geschäftlich 
ennen und durchschauen, soweit sie leicht ihre Geschäfte, Kapitalanlagen u. s. w. ändern 
önnen, natürlich zu, daß hoher Gewinn in bestimmten Geschäftszweigen Kapital und 
Unternehmer anlockt, geringer Gewinn abstößt. Steigende und fallende Gewinne be— 
einflussen in dieser Weise die Produktion und den Handel.
	        
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