Full text: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Ursachen des wechselnden Unternehmergewinnes. 433 
Die Prozesse, um die es sich dabei handelt, haben wir bereits oben (8 181), 
als wir die Wirkung der Produktionskosten auf den Wert erörterten, in analoger Weife 
dargestellt. Wir brauchen sie daher hier nicht nochmal zu analysieren. Wir sahen, 
wie schwierig und wie langsam der Ausgleich auf vielen Gebieten ist, wie er teilweise 
aur durch Neubewertung der fixen Kapitalien (Steigen und Fallen ihrer Geldpreise 
entsprechend dem veränderten Gewinn) erfolgt, wie er aber immerhin in der Tendenz 
vorhanden ist. Diese Tendenz wirkt schwächer zwischen verschiedenen Staaten, zwischen 
ganz verschiedenen Geschäfts- und Berufszweigen, sie wirkt am stärksten zwischen gleichen oder 
ähnlichen Geschäften derselben Gegend. Immer bleibt das Endergebnis, daß nian von 
einer gleichmäßigen Durchschnittshöhe des Gewinnes ganzer Länder und Geschäftszweige 
reden kann, daß man ein allgemeines Steigen oder Fallen desselben beobachten, daß 
man die allgemeinen Ursachen, die hierauf wirken, untersuchen kann. Dieser Aufgabe 
wenden wir uns jetzt zu. 
232. Das Steigen oder Fallen des Unternehmergewinnes. Die Ur— 
achen, welche die Höhe des Unternehmergewinnes bestimmen, liegen einerseits in der 
Zahl, der Fähigkeit, dem Besitz, der Macht der Unternehmer und andererseits in der Zahl 
und den Eigenschaften derer, die ihnen als Verkäufer der Rohstoffe und Produktions— 
mittel und als Käufer der Waren gegenüberstehen. Die Spannungsverhältnisse zwischen 
diesen drei Personengruppen müssen die Höhe des Gewinnes ergeben. Es handelt fich 
auch hier um Angebots- und Nachfrageverhältnifse; die Unternehmer sind gegenüber 
den Verkäufern der Produktionsmitiel die Rachfragenden, gegenüber den Konfsumenten 
die Anbietenden. 
a) Die Zahl der eigentlichen Unternehmer, ihre Zu- oder Abnahme ist schwer 
zu bestimmen, ihre Abgrenzung gegenüber den kleinen Geschäftsleuten, die eigentlich nur 
Arbeiter find, bleibt unsicher, wie wir sahen. Wir haben ihre Entstehung (18 188 -146) 
aus dem Handel und der Familienwirtschaft geschildert. Die Ausbildung des Handels— 
zeistes, der bürgerlichen Mittelklassen, die steigende Achtung und Ehre des wagenden 
Unternehmerstandes, die Ausbreitung des technischen und kaufmännischen Schulwesens, 
die Ordnung der kaufmännischen Karrieren, die ganze neuere sociale Klassenbildung 
deherrschen die Zahl. Die neuere Kreditorganisation vermehrte besonders in den Zeiten 
des Kapitalüberflusses die Möglichkeit, daß fähige Kaufleute und Techniker ohne oder 
mit kleinen Vermögen selbständig wurden. Die Äusbildung der komplizierten und ver— 
größerten Betriebe und Rechtsformen vermehrte teilweise (z. B. durch Zulassung be— 
schränkter Haft), verminderie aber doch im ganzen die Leichtigkeit neuer Geschäfts⸗ 
gründungen. Der seit 30—40 Jahren stark wachsende Einfluß der Gründungsbanken 
auf die Neuentstehung größerer Geschäfte erleichterie die Kapitalbeschaffung, machte aber 
allen bei diesen Banken nicht gut eingeführten Anfängern den Beginn und die Aus— 
dehnung der Geschäfte schwieriger. Wo sehr starke Konkurrenz der Unternehmer besteht, 
wird dadurch ihre Zahl stets wieder reduziert. Wo Kartelle und Trusts fich bilden, 
suchen sfie mit allen Mitteln neue Geschäfte zu hindern, vermögen es aber doch nicht 
ganz, zumal wenn sie ihre Preise zu hoch setzen. In Ländern mit großem auswärtigen 
Handel und mit Kolonialbesitz werden überschüssige jüngere Kräfte immer rasch wieder 
untergebracht, während fie in Ländern ohne solche Entwickelung ungünstig wirken, 
periodisch zu viele nicht nötige und nicht gehörig fundierte Geschäfte grüunden. So sind 
es komplizierte, vielfach einander entgegenwirkende, in ihrem Gesamterfolg schwer fest— 
stellbare Ursachen, welche die Zahl der Ünternehmer bestimmen. Auch der ganze Volks— 
charakter, die Rasse, die Kulturstufe wirken wesentlich mit. 
Ebenso wichtig wie die Zahl sind die persönlichen Eigenschaften der Unter— 
nehmer (vergl. IS. 414 -415, S. 480 -486), wie sie in den neueren Kulturstaaten im 
ganzen übereinstimmend, im einzelnen nach Rasse, wirtschaftlichen Institutionen u. s. w. 
doch vielfach abweichend sich ausgebildet haben; die Klasse umschließt naturgemäß allerlei 
Spielarten des Charakters, der Erziehung, der Herkunft; die einen rücken als Empor⸗ 
kömmlinge in den Stand ein, die anderen haben eine durch Generationen ererbte Schulung, 
zeigen aber auch die Fehler des ererbien Reichtums. Stahlharte frühere Arbeiter. 
Schmolber, Grundriß der Volkswirtschaftslehre. II. 1.26. Aufl. 29
	        
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