893) Die Unternehmer gegenüber den Konsumenten, den Grund- und Kapitalbesitzern. 435
trotz aller Verluste und Gewinneinschränkungen — im ganzen heute doch die Leute mit
den großen Einkommen, die Vermögenerwerbenden sind.
b) Die, welche den Unternehmern die Waren abnehmen, sind in letzter Linie die
Konsumenten, zunächst aber oft mehr die Händler oder andere Produzenten. Die
letzteren sind ja nun häufig den Unternehmern ebenbürtig; sie sind selbst ünternehmer,
sie können den verkaufenden Produzenten sogar überlegen sein, sind es aber dann nicht,
wenn sie kleinere Leute sind. Die Käufer von Stahl und Roheisen stehen meist als
die Schwächeren den Produzenten des Rohstoffes gegenüber, oft auch die Weber als Garn—
käufer den Spinnern. Aber all' das schwankt. Das zuletzt konsumierende Publikum
hat wohl in den Konsumvereinen begonnen, sich etwas zu organisieren; im ganzen steht
es, ob reich oder arm, den Produzenten und Händlern unorganisiert, ohne allzu viel
Sachkenntnis gegenüber, läßt sich alles Mögliche gefallen, ist der schwächere Teil im
Konkurrenzkampfe, zahlt die Zeche bei Streiks, Zollerhöhungen, Preiswechseln, erhält
keine oder nicht sofort billigere Preise, wenn die Kosten sich vermindern. Abgesehen von
diesen Einflüssen der Machtstellung der Nachfragenden auf den Unternehmergewinn
—
die wir oben (I1I 8 176-178) versuchten darzustellen. Die mit dem Gesamtwohlstande
im ganzen steigende, besonders in gewissen Aufschwungsperioden rasch wachsende Nach—
frage hebt die Gewinne. Ungünstige Lage der mittleren und unteren Klassen und
Einschränkung ihrer Nachfrage muß den Unternehmergewinn herabsetzen. Diese Folge
ungleicher Einkommensverteilung hat man neuerdings häufig als Unterkonsumtion
bezeichnet und mit Recht ausgefuͤhrt, daß die entsprechende Mehrkonsumtion der Reichen
kein auskömmliches Gegengewicht bilde.
c) Die Verkäufer und Vermieter der Rohstoffe und Produktionsmittel,
die Grundbesitzer, Kapitalverleiher und Arbeiter stehen der Unternehmerklasse im einzelnen
in recht verschiedener Lage und Stärke gegenüber; die großen Kreditinstitute häufig als
die Überlegeneren, die Arbeiter oft und lange als die Schwächeren. In ihrer Gesamt—
heit aber sind diese Klassen doch in der neueren Zeit nicht eigentlich die Stärkeren ge—
wesen, wenn auch einzelne Gruppen es zeitweise waren.
Die Grundbesitzer und Kapitalverleiher haben schon dadurch eine abgeschwächte
Position, daß ein großer Teil der Unternehmer von Haus aus reich ist, über die nötigen
Grundstücke und Kapitalien ganz oder teilweise verfügt. Besonders in Bezug auf
die Grundstücksbeschaffung durch die Unternehmer gilt dies. Wo in Aufschwungs⸗
perioden städtischer und laͤndlicher Grundbesitz an Wert sich anschickte, stark zu steigen,
haben vielfach die Unternehmer verstanden, ihn vor der Haupthausse in ihren Besitz zu
bringen, ja die Steigerung dann spekulativ zu übertreiben, vor der etwaigen Baisse
aber wieder zu verkaufen. Wo die unternehmenden Landwirte noch selbst Grundeigen—
tümer (nicht Pächter) sind, fließt ihnen die periodische Grundrentenbildung zu. Die
Bergwerkseigentümer haben in den meisten Staaten ihre Feldverleihungen vom Staate
hillig erhalten; die Wertsteigerungen der Kurxen und Aktien fließen in ihre Tasche.
Ahnlich geht es mit Patentwerten, dem Wert von Wasserkräften, dem steigenden Wert
der blühenden Aktiengesellschaften. Wir kommen auf diese Art steigender Gewinne,
die im Wertzuwachs fixer Kapitalien sich ausdrücken, weiter unten zurück. Ich füge nur
noch bei, daß es sich anders verhält, wo die Landwirte Pächter sind, wo Gebäude—-,
Geschäfts-⸗, Fabrik-, Bergwerksanlagen auf einem Boden stehen, der nur auf Zeit über—
lassen ist. Da kann der Bodenbesitzer dem Unternehmer immer wieder die gestiegenen
Gewinne als Pacht und Rente abnehmen. Da können die Pächter successiv in schlechtere
dage durch zu große Konkurrenz kommen, wie es den englischen von 1820 bis 1870,
neuerdings 1876—1890 den holsteinischen Pächtern, noch mehr den irischen, belgischen,
südeuropäischen Klein- und Teilpächtern begegnete. Umgekehrt können freilich auch in einer
Zeit stark sinkender Grundrente, wie 1875—1900 die Pächter (die Unternehmer), sofern
sie sich selbst wenig Konkurrenz machen, den Hauptverlust auf die großen verpachtenden
Grundeigentümer abwälzen, wie neuerdings in England.
Der von Ricardo stark übertriebene Satz, daß aller Unternehmergewinn ausschließ—
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