140 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Guterumlaufes u. der Einkommensverteilung. —[1898
zeben. Roscher lehrte, daß deshalb die intensive Landwirtschaft in der Regel nur
rentiere, wenn die verkäuflichen Ernteprodukte im Geldpreise stärker steigen als die
Produktionskosten, welche durch sinkenden Zinsfuß, bessere Maschinen und Geräte sich
ermäßigen können.
So richtig das Angeführte im allgemeinen ist, so sehr es ausschließt, auf einer
Quadratmeile die Nahrung für Millionen zu erzeugen, so ist dieses sogenannte Gesetz
doch häufig von abstrakten, mit der Geschichte der Landwirtschaft unbekannten Doktrinäreu
in seinen Folgen überschätzt worden. Es hat seine Geltung nur in der bestimmten
Richtung der Löslichmachung der Nährstoffe in der Ackerkrume; es schließt nicht aus,
daß eine Summe von Arbeiten, Kapitalverwendungen, technischen Fortschritten nicht
oder nur beschränkt unter dasselbe falle. So wenn vor 400 Jahren nur 26,
vor 100 60, heute 86—90 0/0 der Flur jährlich bestellt wird; so wenn durch Drainage
und andere Wafferabfuhr die reichsten Böden, die bisher nur Sumpfgras gaben, in üppiges
Ackerland verwandelt werden, wobei das aufgewendete Kapital in 83—53 Jahren sich
schon ersetzt; so wenn man neuerdings durch Zusammenlegung der Ackerparzellen die
Produktionskosten auf die Hälfte verminderte. Ein erheblicher Teil der Fortschritte,
die heute in Geräten, besserer Saatauswahl, besserer Anspannung der Tiere, Verwendung
von Dampf und Elektrizität, nützlicherer Fruchtfolge, rationellerer Tierzucht gemacht werden,
fällt nicht unter das Gesetz der abnehmenden Erträge. Es wird noch vielfach so
irrationell und technisch falsch gewirtschaftet, daß große Ernte- und Reinertragssteigerungen
bei gleichen Kosten möglich sind. Um zu schweigen von den Wege- und Transport—
oerbesserungen, die oft jahrzehntelang Preise und Grundrenten senken, und von der
historischen Thatsache, daß der Anbau oft nicht vom guten zum schlechten Boden,
sondern umgekehrt vom schlechten zum guten fortschreitet (z4. B. wegen der ursprünglich
leichteren Bebauung der geringen Höhenbbden). Daher ist praktisch für jede Zeit und
jedes Land die Vorfrage für die Monopolrentenbildung, ob die teurer oder billiger kommen—
den Fortschritte überwiegen, was wohl schon Schüz und andere, zumal die praktischen
vandwirte betonten, die Grundrentengegner aber bis auf die neueste Zeit oft fast
ganz ignorierten.
Bei dem großen historischen Material über landwirtschaftliche
Grundrentenbildung können wir nur einige wenige, besonders sorgfältig vor—
bereitete Beweisstücke vorlegen. So die durchschnittlichen Kaufpreise und Renten des
Ackerlandes aus Frankreuch, welche Vicomte D'Avenel uns bietet. Sie stellten sich
pro Hektar für den Durchschnitt ganz Frankreichs und in heutigen Francs ohne Be—
rücksichtigung des wechselnden Geldwertes folgendermaßen:
Kaufpreis Rente
9. Jahrh.
3. *5
1200 - 1225 445 12,9
226- 1250 239 237509
.251 - 1275 220 2060
1276 - 1300 261 26,00
1301 - 1325 222 22,00
1326 - 1350 108 1080
1351 21375 83 8,50
HKaufpreis
376 - 4400
4011425
426- 1450
151- 1475
76-1500
501 1525
1526 - 1550.
1551 -2 1575. 261
1576-1600 317
—
Ronte
Kaufnreis Reute
1601- 1625 277
626- 1650 308
651- 1675 481
1676 - 1700 375
701 - 1725 265
4726 - 1750 344
1751-2 1775 515
14,20 1776 - 1790 764
19,80 1890 1600
Wir können nicht versuchen, die Fülle der Ursachen dieser Zahlenreihen zu er—
schöpfen; das Wichtigste aber ist klar. Vom 9. Jahrhundert bis Anfang des 18. die
zroße Steigerung, welche Folge der innern Kolonisation, der aufsteigenden wirtschaftlichen
Blüte, der auf gegen 20 Millionen gewachsenen Bevölkerung (JS. 171) ist; dann
Stillftand und Rückgang bis 1500; von da wieder ein Steigen, das unter Colbert
seinen Höhepunkt (166116735) hat, 50 Jahre lang dann wieder abflaut, seit Fleurys
riedlichem Regiment wieder bis 1790 zunimint; im'19. Jahrhundert Verdoppelung des
Kaufpreises bei Stabilität der Rente. Lange Epochen des Rückganges und der Stabilität
der Kaufpreise und Rente kommen vor; ihre Ursachen sind teilweise politisch-kriegerische,