142 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. [900
noch, daß J. G. Hoffmann, Krug und andere aus den ersten 40 Jahren des Jahr—
hunderts noch zahlreiche Beispiele von Bauernhufen anführen, für die kaum irgend ein
Abnehmer zu finden war, daß die preußischen Domänen 1820-18383 nach der Ansicht
der ersten Sachverstündigen gerade nur das Gebäudekapital mit 50/0 verzinsten. Die
mecklenburgischen Hufenpreise verhalten sich in ihrem Steigen von 1770 — 1879 an
olgendermaßen:
Lehnhufe Allodialhufe Die Domänenpachtpreise pro Hufe waren:
1770 -1779 100 100 1843 - 1845 4393 Mk.
800 - 1809 361 331 1830 - 1835 5275 ,
1810 -1819 210 215 1860 -æ1865 8529 ,
1840 - 1849 461 657 1873 -1879 7179 .
870-2-51878 677 775
Einige Domänenpachtzahlen nach Conrad seien noch angeführt pro Hektar in
Mark nach Regierungsbezirken:
Gumbinnen Danzig Stettin
18319 99 — 27741
i8350 832 10,88 14,88
1870 18181 311892 2560
1890 2065 3015 28121
Stralsund
1819 7,62
1830 1362
1870 3188
1890 2822
Einige Domänen Niederschlesiens geben
in ihrer Pacht folgende Verhältniszahlen:
1840 100
1850 126 - 184
1875 187-383738
1900 169—-316
Im Jahre 1902 erzielten 25 preußische Domänen pro Hektar 36,50 Mk., in der
Vorperiode 46 Mk. Die große Periode der steigenden Kauf- und Pachtpreise von
1840 - 1875 enthält gewiß manche Monopolrentenbildung, aber auch das Resultat einer
viel höheren Bewirtschaftungsweise und Kapitalinvestation, der Wegeausbildung, Separa—
tion und Ablösung u. s. w.; sie wird weniger Monopolrentenbildung gewesen sein als
die Steigerung 1780 -1806. Ein Teil des 1840 -1875 erzielten Monopolwertes ging
1875— 1900 wieder verloren, wie es denn überhaupt charakteristisch für das Jahr—
hundert ist, daß auf die eine Blütezeit 1340-1875 die zwei großen langen Krisen
1806 - 1840 und 1875—1900 kommen, in welchen Grundrente und Kaufpreise fielen,
zahlreiche Bankerotte die Landwirtschaft heimsuchten.
Kann das Bild der Grundrentenbildung Frankreichs und Deutschlands von
1800 - 1900 als typisch gelten für Länder älterer Kultur, so sehen wir ein wesentlich
abweichendes Bild in dem England von 1770 —-1846 und in den Kolonialgebieten, in
WWee
erzeugten. England hatte lange Epochen niedriger, unveränderter Weizenpreise. Rogers
ührt für 1260 — 1520 einen Durchschnittspreis pro Quarter Weizen von 5!/2 Schilling
an. Und im 17. Jahrhundert war derselbe 838 Schilling, 1701 - 1766 82 Schilling
gewesen; von einer großen Monopolrentenbildung war in diesen Zeiten keine Rede, die
Getreideexportprämien von 1689 an erleichterten den überführten englischen Getreide—
narkt. Nun aber kam von 1770 an der große industrielle Aufschwung, der Kampf
mit Frankreich, die Absperrung der ausländischen Zufuhr; die innere Landwirtschaft
konnte dem Bedarf entfernt nicht folgen; der Weizenpreis stieg (1804 -1812) bis auf
38 Schilling und mehr; nach dem Krieg hielten die Schutzzoͤlle die Preise bis 1846
auf 56—66 Schilling. In dieser ganzen Epoche von 1770-1846 fand eine enorme
Monopolrentenbildung statt, eine Ausdehnung des Ackerbaues auf ganz schlechte Böden.
Aus dieser Zeit stammt die Theorie Ricardos, die Anklage gegen das Monopol der
Srundrente. Es waren außerordentliche Umstände, Krieg, eine durch Klafsfeninteressen
beherrschte Handelspolitik, einseitige Industrieentwickelung, welche ein Steigen der Pacht
per Acre von 10 auf 50, ja vereinzelt 70 Schilling (1780 — 1815), auf wenigstens noch
25—40 Schilling in der Folgezeit schufen (Porter). Zuverlässige Schäßungen gaben die
Rente der landwirtschaftlich beuutzten Grundstücke Englands 1798 auf 6,8, 1860 auf 42,9,