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965) Die römischen Klassenkämpfe bis Julius Cäsar.
seiner Bildung, als einer der seltenen Höhepunkte der Menschheit gilt, so Zann
das nicht vor der Einsicht verschließen, daß die überwiegende alte Senaß arennokratie
gegen 184 das Weltreich nicht mehr zu regieren, über die beginnenden socktar ree
klüftungen und wirtschaftlichen Entartungen nicht mehr Herr zu werden vermochseet
Nachdem man alle Gegner niedergeworfen, Karihago und Korinth aus Handelsneid
zerstört, den Handel von Capua, Tarent, Syrakus, Rhodos auch lahmgelegt hatte, stand
diese vielfach bereits von habsüchtigen Wucherern abhängige und geleitete Senatsaristo—
kratie 146—90 v. Chr. vor dem politischen Bankerott und der socialen Revolution.
Die neue Epoche (184 —80 v. Chr.) charakterisiert sich durch große Reformanläufe,
blutige Bürgerkriege und Massenschlächtereien, sociale und politische Staatsstreiche und
Diktaturen; sie endigt mit der definitiven Herstellung der Monarchie. Die Klassen—
kämpfe und die Klaffenherrschaft spielen dabei die Hauptrolle. Die soeialen Zustaͤnde
sind keine wesentlich anderen als schon 242—5134; ihre Symptome treten nur immer
greller und ungünstiger hervor. Die Zahl der Sklaven wie ihre furchtbare Mißhand—
lung wächst; entsetzliche Sklavenaufstände (134—182, 102 - 106, 78 ꝛc.), die jahrelang
große römische Heere beschäftigen, verwüsten Sizilien und Italien. Der Bauernstand
nimmt weiter ab, obwohl die gracchischen Gesetze 80 000, die julianischen 120 000, die
pompejanischen 20000 neue Ackerstellen (beide letzteren vornehmlich für Veteranen)
schaffen. Die ungeheuren, von Beamten und Publikanen zusammengerafften Reichtümer,
sowie Sitte und Zwang, sie in italischem Grund und Boden anzulegen, sind damals
wie später verhängnisvoll für die Bauern geworden. Die Freigelassenen und der besitz-
lose hauptstädtische Pöbel nimmt weiter an Zahl und Einfluß zu. Die hauptstädtische
Masse entartet zu einem anarchischen, für Jeden käuflichen Lumpengesindel in der Hand von
liederlich- verbrecherischen Bandenführern und Kanaillen. Die Habhsucht der kapitalistischen
Kaufleute und Geldmänner entartet in Asien fso, daß Mithradates unter dem Beisall
aller Bedrückten (88) in Kleinasien 80 000 oder 150000 italische Personen, d. h. Publi—
kanen und ihr Personal an einem Tage, bald darauf 20000 in Delos morden lassen
konnte; die Publikanen, hieß es, entvölkerten ganze Provinzen durch ihre Sklavenjagden;
„vor ihnen ist alles Recht eitel und die Freiheit der Bundesgenossen nichts;“ vergeblich
hatten die edelsten Staatsmänner, die Scipionen, Amilius Paulus, Cato ?ꝛc. für Ein—
schräukung ihrer Rechte und ihrer Macht gestritten; sie werden die unbarnhherzigen
Gläubiger der Senatoren und der Bauern, der fremden und bundesgenoffischen Stadte;
sie kaufen bei der Mafsenkonfiskation des Sulla, Marius ꝛc. die Vermögensstücke der
Gemordeten und verdienen daran 1000—2000 0/0. Gegen das Jahr 100 v. Chr. hieß es,
es gebe nur noch 2000 reiche Leute in Italien. Marius hat dann 50 Senatoren und 1000
Ritter, Sulla deren 40 und 1600 gemordet, um sie ihres Vermögens zu berauben; der Ertrag
war im letzteren Falle 81 Millionen Mark, der wirkliche Wert war der 10-20 jache.
Es hat wohl nie vorher und nie nachher eine klügere, aber auch nie eine habsüchtigere
und gemeinere Klasse von Geldmännern gegeben als diese Publikanen der Bürgerkriege,
die in ihrer Doppelftellung als Steuerpächter, Gerichtsherren, Reeder, Bankiers, Plantagen⸗
besitzer und Sklavenjäger alles an sich rissen. Nicht das Kapital an sich hat sie so
entarten lassen, sondern eine Reihe einzigartiger Gesellschafts- und Staatszustünde;
hauptsächlich der Umstand, daß alle große Politik zur Geldsache entartet war. Man
könnte sagen: die erste große Epoche geldwirtschaftlicher Ungebundenheit und kapitalistischer
Freiheit in einem alle Konkurrenten vernichtenden Weltreich mußte solche Entartung er—⸗
zeugen. Die Menschheit mußte auch hier ein furchtbares Lehrgeld zahlen.
Die letzte Ursache aber für all' diese Mißstände wie für die Revolutionen und
Bürgerkriege lag darin, daß die alte große Aristokratie seit 200 v. Chr. im Niedergang
war, daß die aristokratische Senatsregierung mit ihrer Schwerfälligkeit, ihrem Faktions—
treiben zur Regierung der Provinzen wie zu großen Reformen unfähig war, daß die
durch Volkswahl geschehende Besetzung der Jahresämter keine feste Regierung mehr auf—
kommen ließ, daß in den Komitien früher ein ehrbarer Bauernstand, jetzt ein genuß—
süchtiger, besitzloser, fauker, bestechlicher Stadtpöbel entschied, daß die Wahlen nur ein
Borsen- und Geldgeschäft geworden waren, daß Konsulat, Tribunat, Ceusur entarteten
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