in gleichem Ausmaße treffen wie jene den Ertrag aus Immobiliarvermögen, Ganz allgemein ergab sich
aus den vorstehenden Ungleichheiten der Veranlagung eine weitgehende Schädigung der Steuermoral.
Die zahlreichen Mängel, die der Mobiliarertragsteuer seit ihrer Einführung im Jahre 1864 anhafteten,
wuchsen mit der steigenden Bedeutung von Handel, Gewerbe und Lohnarbeit, um so mehr, als eine
Gewerbesteuer fehlte, die, als Ertragsteuer wie die Grund- und Gebäudesteuer ausgebildet, die Aus-
gestaltung der Mobiliarertragsteuer zu einer Einkommensteuer ermöglicht hätte. Trotz zahlreicher
Reformvorschläge, die jedoch nicht in der gleichen Weise im Mittelpunkt finanzpolitischer Erörterungen
standen wie in Frankreich, blieb dieses System erhalten, da die auf steuerlichem Gebiete überwiegend
liberal eingestellten Regierungen der Vorkriegszeit eine allgemeine Einkommensteuer nach englischen
oder deutschen Vorbildern angesichts der Deklarationsfeindlichkeit der italienischen Steuerzahler nicht
für ratsam erachteten. Erschwerend wirkte endlich die weitverbreitete Abneigung gegen eine Vermögen-
steuer, die nach Einführung einer allgemeinen Einkommensteuer in greifbare Nähe gerückt wäre.
Aus diesen Mängeln im System der direkten Steuern ergibt sich die entscheidende Bedeutung der
Verbrauchsabgaben und der Vermögensverkehrsteuern für das italienische Finanzsystem der Vorkriegs-
zeit. In engem Zusammenhang damit steht die Schwierigkeit, in Zeiten vermehrten Finanzbedarfes die
Steuereinnahmen entsprechend zu steigern, da die Verbrauchsabgaben in der Regel zum Teil auch Güter
belasten, deren Verbrauch nicht unbedingt für die Lebenshaltung notwendig ist und daher gerade in
solchen Perioden häufig eingeschränkt wird. Besonders trifit das dann zu, wenn zur Steigerung der
Ergiebigkeit solcher Abgaben die Steuersätze heraufgesetzt werden, so daß auf diesem Wege nur
selten der Steuerertrag erhöht wird, häufig sogar im Gegenteil durch die Konsumverminderung zurück-
geht. Ähnliches, wenn auch in abgeschwächtem Maße, gilt von den Vermögensverkehrsteuern, die bei
der weiten Ausdehnung des Stempel- und Registerzwanges für die italienischen Finanzen von großer
Bedeutung sind. Diese Schwierigkeiten der Einnahmesteigerung machten sich bereits bemerkbar, als
durch den italienisch-türkischen Krieg ein gesteigerter Finanzbedarf entstand.
In den Nachwirkungen des Kolonialkrieges, insbesondere in den durch ihn erhöhten Schuldenlasten
sowie in den geringen Möglichkeiten der Ertragsteigerung im italienischen Steuersystem der Vorkriegszeit
liegen die wichtigsten Faktoren für Italiens ungenügende finanzielle Kriegsbereitschaft.
Il. Die italienische Finanzwirtschaft während des Krieges.
Staatseinnahmen und -Ausgaben (Entrate e Spese Effettive)*).
Einnahmen Ausgaben Defizit
in 1000 Lire
1914/00 0A NE 2 559 959 5 395 397 2 835 438
(915/16... 7.0 2a 3 733 734 10 625 242 6 891 508
96/1 5 345 044 17 595 259 12 250 215
OT ea 7 532 766 25 298 807 17 766 041
OS nn 9 675 845 32 451 576 22 775 731
a. Die Entwicklung der Ausgaben.
Die Entwicklung der italienischen Finanzen in den Jahren 1914 bis 1918 war bedingt durch die Kosten
des Weltkrieges. Schon in der Zeit der Neutralität Italiens führte die unmittelbare Nachbarschaft der
kriegführenden Staaten zu einer wesentlichen Steigerung der italienischen Ausgaben für Landesverteidigung.
Die folgende Übersicht zeigt die Entwicklung der wichtigsten Ausgaben für die Zeit von 1913/14 bis 1918/19:
Jahr Rüstungs- Schulden- Sonstige
ausgaben dienst Ausgaben
in Millionen Lire (Originalziffern)
DB 918 530 1 238
1914/1bee 3 226 569 1600
19160 a 8 262 735 1628
1916/17... 0400001 114636 1 148 1812
1917/18000 21290 1 684 2.384
1918/1190... 0.0 26 635 2624 3.192
Die sprunghafte Steigerung der Staatsausgaben während des Krieges ist nicht allein durch das Hin-
zutreten der eigentlich militärischen Kriegskosten bedingt. Es ergab sich auch die Notwendigkeit,
die staatliche Wirtschaftspolitik zu erweitern. Neben den im Verlauf des Krieges sich dauernd stei-
gernden Maßnahmen für die landwirtschaftliche Produktion, die für Italien so wichtige Brennstoff-
wirtschaft. sowie für die Eisenbahnen, die bei der weitgehenden Lahmlegung der Küstenschiffahrt den
1) Nach Annuario Statistico Italiano. 1919—1921, Roma 1925, S. 462.
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