Contents: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Wesen der Konkurrenz. 
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158. Wesen derselben, verschiedene Beurteilung in den entgegen— 
gesetzten Schulen. Im Anschluß an die vorstehenden Ausführungen über Vertehr, 
Marktwesen und thatsächliche Handelsorganisation erscheint es am richtigsten, das 
Wesen der Konkurrenz zu eroͤrtern; in einzelnem der Wertlehre vorgreifend, bereiten 
wir damit andererseits das Verständnis derselben vor. 
Wir beginnen mit der Frage: Was verstehen wir unter Konkurrenz, unter Wett— 
bewerb? Concurrere heißt zusammen⸗, neben einander herlaufen. Wir denken dabei 
jedenfalls an einen gesellschaftlichen Vorgang, an dem mehrere beteiligt sind. Sie 
konkurrieren, wenn sie ein gemeinsames Ziel erreichen wollen; sie streben nach ein und 
demselben; sie wissen, daß sie einen Wettlauf unternehmen, daß das Ziel von ihnen 
je nach ihren Kräften, ihrer Anstrengung früher oder später, besser oder schlechter, ganz 
oder halb oder gar nicht erreicht wird. Wir sprechen von Konkurrenz im allgemeinen 
überall da, wo Machterfolge, Ehre, Vorteile, wirtschaftliche Güter nicht in unbegrenzter 
Menge vorhanden sind, wo die Beschränktheit des Erstrebten den Wettbewerb, “ja den 
Kampf der Menschen oder der menschlichen Gemeinschaften erzeugt. Um das, waß jeder 
ohne weiteres im Überfluß haben kann, wird nicht konkurriert. Das Ziel der Kon—⸗ 
turrenz ist immer ein solches, daß nur einer oder eine bestimmte Zahl es erreicht, oft 
so, daß, wenn es sich um eine Mehrzahl von Siegern handelt, sie in eine Reihe 
geordnet werden; häufig so, daß es Sieger und Ausgeschlossene giebt, mindestens 
so, daß eine Hierarchie von viel und wenig Erreichenden entsteht. Die Art der 
Entscheidung der Kämpfe ist die allerverschiedenste: bald ist es der brutale Kampf, 
bald der Ausspruch eines Schiedsgerichts ober der öffentlichen Meinung, bald sind es 
3— Verträge, die erstrebt, abgeschlossen oder abgelehnt, günstig oder ungünstig gestaltet 
werden. 
Die Konkurrenz ist nichts anderes als der Kampf ums Dasein; die Individuen, 
die Stämme, die Völker haben nie ohne Reibung und Wettbewerb, ohne Kampf gelebt, 
so sehr Moral, Sitte und Recht, gemeinschaftliche Gefühle und Interessen den Streit 
da und dort ausgeschlofsen oder gemildert haben. Der Trieb nach Anerkennung, nach 
Thätigkeit, nach Erfolg hat wie das menschliche Selbstgefühl bei etwas höherer Kultur 
den Rivalitätstrieb erzeugt. Er hängt mit den selbstischen Gefühlen, der Eigenliebe, 
dem Hochmut, dem Bessersein- und Besserwifsenwollen zusammen; er kann zum Unrecht, 
zur Gemeinheit, zur Ungerechtigkeit, zur Gewaltthat führen; aber er ist zugleich die 
Schule der Thatkraft, der Energie, des Fortschritts. Ohne Rivalität und Konkurrenz 
tritt Stillstand ein. Das Leben entwickelt fich nur durch Kraftproben, durch Kräfte⸗ 
messung (I, S. 31). 
Die Völker konkurrieren um die Weltherrschaft und den Weltmarkt, die politischen 
Parteien und socialen Klassen um Einfluß und Macht in der Staals- und Kommungl— 
verwaltung, die Provinzen, Kreise und Gemeinden um Eisenbahnen und Straßen, um 
Förderung aller Art. In jedem gesellschaftlichen Kreise konkurcieren die Glieder um 
Ansehen und Ehre, in jedem Beamlenkörper die einzelnen um Beförderung, Gehalt und 
Auszeichnung, in jeder Schule die Schüler um die höheren Plätze und Prädikate. 
Die wirtschaftliche Konkurrenz setzt einen Markt mit Kaͤufern und Verkäufern 
voraus. Die Anfänge desselben entstanden mit dem ersten Verkehr. Aber er war 
lange so beschränkt, alle Wirtschaft war lange so überwiegend Eigenwirtschaft der 
Familie für den eigenen Verbrauch, daß mit dem, geringen und engen Marktverkehr 
auch die Konkurrenz sehr gering war. So weit Überschuͤsse erzeugt wurden, übrige 
Arbeitskraft vorhanden war, forderte sie der Grundherr, die Gemeinde, die öffentliche 
Gewalt nach Sitte und fester Rechtssatzung. Auch so weit Gemeinde und Stammes— 
mitglieder auf dem Markte tauschlen, betrachteten sie sich lange mehr als Freunde, die 
sich Gefälligkeiten erwiesen; nur soweit Fremde mit Fremden tauschten, entstand eigentliche 
Konkurrenz, freilich auch nicht ohne Schranken und Ordnungen aller Art. Erst wo 
die Geldwirtschaft fiegte, die Märkte größer, aller Verkehr unperfsönlich wurde, erst als 
in den vergrößerten Staaten ein freier, innerer Verkehr sich ausbildete, zwischen den 
Staaten das Völkerrecht Ähnliches erlaubte, entstand die gesellschaftliche und wirtschaft—
	        
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