1037) Die englische Handelspolitik bis 1600.
Konkurrenz siegte. Es wurde ihr durch die fremdenfreundliche königliche Politik er—
leichtert.
England hatte im ältern Mittelalter wie andere Länder ein die Fremden hart
behandelndes Recht; auch von Stadt zu Stadt hatte das Gilderecht manche Schranken
aufgerichtet. Zumal in London, Bristol u. s. w. galten die gewöhnlichen Verbote des
Detailhandels, des Handels von Gast zu Gast, des längeren Aufenthaltes. König,
Aristokratie und Klerus kämpften aber dagegen, weil die fremden Reeder, Kaufleute und
Handwerker ihnen bessere und billigere Waren lieferten, große Kredite gaben, die zu
verkaufenden englischen Rohprodukte besser bezahlten. Die carta mereatoria von 13808
zab allen Fremden freien Detailverkauf, freies Aufenthaltsrecht und Ahnliches. Eine lange
Opposition der Städte knüpfte sich an sie und andere königliche Privilegien; wir ver—
solgen deren Schwankungen nicht. Es kam bis zu Aufständen gegen die Fremden—
kolonien; aber das Bedürfnis und das königliche Interesse war den Fremden immer
wieder günstig; die englischen Bürger waren auch nicht einig; die der kleinen Städte
wollten in London direkt mit den Fremden verkehren, nicht bloß durch den Londoner
Bürger. Die heftigsten Kämpfe im Parlament und in den einzelnen Städten, die ihre
Lokalstatuten gegen die königlichen Privilegien verteidigten, hörten im 15. Jahrhundert
nicht auf. Eduard IV. (1461 —1468) machte den ersten Versuch, die fremden Gewerbe—
kolonien mit dem einheimischen Gewerbe zu verschmelzen, jene den Städten zu unter—
stellen. Seine Konflikte mit den Hanseaten führten zu einem Kriege und Einfällen
derselben in England, so daß der König nachgeben, ihnen im Utrechter Frieden wieder
alle ihre alten Vorrechte einräumen mußte (1474). Sein Nachfolger, Richard III., wagte,
wenigstens die Italiener in sehr viel engere Schranken zu weisen. Die beiden ersten
Tudors, Heinrich VII. und VIII. gingen langsam vorsichtig weiter, den wachsenden
Fremdenhaß zügelnd, die Fremden, die noch viel zu mächtig waren, deren man nicht
ntraten konnte, langsam etwas zurückdrängend; sie versuchten einen Teil der fremden,
hauptsächlich deutschen Kaufleute und Handwerker zu naturalisieren, das Handelsjoch
ber Venetianer abzuschütteln; den Hansen nahm man 1540 einen Teil der für sie so
gewinnbringenden Ausfuhr ungeschorener Tücher, um die Fertigmach ung im Lande zu
begünstigen.
Erst in der Zeit von 1652—1597 fällt die Entscheidung: England wird aus
dem fremdenfreundlichsten das fremdenfeindlichste Land; es bekampft die fremde Kon—
kurrenz hauptsächlich durch die tief einschneidende Umgestaltung des Fremdenrechtes. Ein
großer englischer Kaufmann, Thomas Gresham, der an der Spitze der Exporteure, der
Merchant adventuroers steht, hat der Regierung dabei die Hand geführt. Die Gleich—
tellung der Hansen mit den übrigen Fremden 1552 durch Eduard VI. wurde freilich
1554 nochmal durch die katholische Maria widerrufen. Aber Elisabeth hob alle Sonder⸗
rechte der Hansen 1579 auf, und im Anschluß an die hieran sich knüpfenden Streitig⸗
keiten erfolgte die Schließung des hansischen Stahlhoses in London und damit die Ver—
nichtung des hansischen Handels nach England (1687). Es war die natürliche Reaktion
gegen eine faft 800 jährige handels- und schiffahrtspolitische Fremdherrschaft, welche
hauptsächlich die Italiener und die Hansen unter Verletzung aller Rechtsgleichheit in
zrückender Weise ausgeübt hatten. Es war begreiflich, daß man nun geneigt war,
übers Ziel hinauszuschießen, und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts beschränkte
nan alle Fremden durch ungünstige Rechtsbestimmungen, höhere Zolle und Gebühren,
Verbot alles Detailverkaufes, so in England und Irland, daß iede ernstliche Konkurrenz
derselben unmöglich wurde (Montchretien).
Außer mit dem Fremdenrecht haite man freilich schon längst noch mit zwei
anderen Waffen zu kämpfen verstanden: einmal mit den kartellartigen Organisationen
der englischen Kaufleute und dann mit Schiffahrtsgesetzen. Schon im 18. Jahrhundert
sehen wir die englischen Könige bemüht, im finanziellen und wirtschaftlichen Interesse
die Ausfuhr der wichtigsten englischen Rohprodukte, Wolle, Häute, Butter und Käse,
Zinn und Blei so zu organisieren, daß die englischen Kaufleute sie auf staatlich bestimmte
Stapelplätze, Brügge und Dortrecht, später Antwerben und Calais bringen und hier
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