1041] Portugiesische und spanische Merkantilpolitik. 583
Priestern und gedrückten Bauern, durch die Inquisition in die Barbarei des Mittel—
alters zurückgeworsen. Die merkantilistischen Maßregeln wurden falsch und so über—⸗
trieben angewandt, daß sie das wirtschaftliche Leben töteten, statt es zu fördern. Das
große amerikanische Reich wurde als ein Land betrachtet, wo man den Adel und die
Kirche mit reichen, ja ungeheuren Gütern ausstatten, eine Anzahl hoher Beamten an⸗
stellen könne, nicht als ein Kolonisations-, Absatz und Handelsgebiet; allen Fremden
streng verschlossen, war es auch den Spaniern nur mit besonderer königlicher Erlaubnis
zugänglich. Die Abschließung der hörigen indianischen Bevölkerung gegen europäische
Berührung war im Prinecip nicht falsch, sondern segensreich, durste aber nicht zur Er—
starrung, sondern mußte nach und nach zur Erziehung, zur Emporhebung auf euro—
päisches Kulturniveau führen. Spanische Waren dahin auszuführen, verbot man vielfach
im 16. Jahrhundert, damit sie in Spanien nicht zu teuer würden. Der große Bedarf
an europäischen Waren wurde seit Philipp II. zu */10 von Holland, Frankreich, Eng—
land u. s. w. geliefert, die über Sevilla oder direkt im Schmuggelwege nach Westindien
kamen. Die bald nötige Negereinfuhr nach Amerika, die ungeheure Gewinne gab, kam
nach und nach ganz in fremde Hände. Aller Handel nach Amerika stand unter strengster
Staatsaufsicht, geschah auf der staatlichen Flotte, die jährlich das Silber zurückbrachte;
im Hafen von Vortobello wurden im Admiralsschiff alle Preise festgesetzt; stets wußten
wenige große Häuser den Markt zu beherrschen, mit 100 -300 00 Gewinn zu ver—⸗
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spater versucht, scheiterten aber an der Starrheit des konservativen indischen Rates in
Madrid. Jin Laufe des 17. und 18. Jahrhundert drangen die Engländer, Holländer,
Franzosen immer mehr in Westindien vor; Spanien begnügte sich mit dem Schein der
Herrschaft, verbrauchte seine indischen Silbereinkünfte in nutzlosen europäischen Kriegen,
die doch den Rückgang seiner Macht seit dem 17. Jahrhundert nicht hinderten. Auf
den gaunzen großen merkantilistischen Aufschwung Mittel- und Nordeuropas hat Spanien
keinen erheblichen Einfluß ausgeübt. Portugal und Spanien waren die zwei Staaten,
die durch Übertreibung der Monopole, durch falsche Anwendung des Kolonialsystems
und Merkantilismus früh ihren kurzen wirtschaftlichen Aufschwung rückgängig machten.
c) Die Vereinigten Niederlande entstanden als selbständiger Staatenbund
1379 1648 durch den 70 jährigen Kampf um ihren protestantischen Glauben und ihre
Unabhängigkeit von Spanien. Die zwei wichtigsten der Landschaften waren Holland
mit Amsterdam und Seeland. Die glückliche Sage an der Rheinmündung, die Traditionen
aus der Römerzeit, die Teilnahme am Hansabund, später am Schicksal und der Blüte
Burgunds hatten die bedachtsam schlichten, fleißigen und rechnenden Holländer zu aus⸗
gezeichneten Schiffern, Fischern, Kaufleuten und Gewerbetreibenden ebenso wie zu klugen
Holitikern gemacht. Von der Hansa bekämpft, waren sie von 1425 -1600 schon mehr
und mehr Herren der Ostsee und die begünstigten Fremden an den nordischen Höfen
geworden. Während sie noch überwiegend in den Institutionen der Stadtwirtschaft
und der kleinen Landschaft befangen waren, hatte ihnen der lange Kampf mit Spanien
doch eine gewisse staatliche Einheit, vor allem für die maritimen Zwecke gegeben. Wie
einft Antwerpen das Erbe Brügges, so hatte Amsterdam nach der zweimaligen katholischen
Unterwerfung Antwerpens 1576 und 1588 das Erbe dieses Welthandelsplatzes angetreten;
die Stadt wurde von 1388 —1750 das Centrum des Welt⸗- und Kolonial-, des Kredit⸗
und Geldhandels. So lange der Krieg gegen Spanien dauerte und das oranische Haus
unitarisch die Kräfte zusammenhielt, beseelte Patriotismus, Glaubenseifer, eine schlichte
herdische Große diese stadtrepublikanischen Fischer und Kaufleute. Der lange Krieg war
eine seltene Schule der Schiffahrt, des Seeraubs, ein gutes Mittel, die Gegner überall
zu verlreiben und niederzuwerfen. Als man in dem spanisch gewordenen Lissabon die
Holländer sich nicht mehr mit Gewürzen versorgen ließ, fuhren sie hauptsächlich von
598 an selbst nach Ostindien und den Molukken, vernichteten dort die portugiesische
Herrschaft, gründeten die ostindische Compagnie (1602), die einige Menschenalter den
Gewürzhandel nach Europa, sowie einen erheblichen Teil des asiatischen Zwischenhandels
monopdoisserte. Die asiatischen Fürsten mußten versprechen, nur an die Compaqnie zu