Full text: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

592 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. —[(1050 
1760 483 922 (6103 Schiffe), 1770 593 962 (7898), 1790 1184 581 (10053), 1800 
466 632 (11 487). Die schottischen Schiffe (1000 -2600 mit 60 000 - 150 000 Tonnen) 
sind dabei nicht einbegriffen. In den Kriegszeiten waren stets Hunderte, 1810 1506 
private Handelsschiffe für den Staat geheuert. Die englische Aus- und Einfuhr betrug 
1697 7 Mill. M, 1730 16,8, 1770 29,8, 1805 64,6, 1815 96,8 Mill. 4 (1977 Mill. 
Mark). 
Liegt der Schwerpunkt des englischen Merkantilismus auch in der Schiffahrts-, 
Fischerei-, Kriegs⸗, Kaper- und Kolonialpolitik, so ist doch auch die Industrie- und 
Landwirtschaftspolitik sehr charakteristisch. Das wichtigste Gewerbe war das der Wolle, 
das an den ausgezeichneten englischen Rohstoff anknüpfte. Vom 14. —17. Jahrhunderi 
wurde sehr viel rohe Wolle nach dem Kontinent ausgeführt, daneben auch ungefärbte 
und ungeschorene Tücher, die in Flandern und Deutschland fertig gemacht wurden. Die 
Ausfuhr der Wolle hatte man oft schon durch hohe Zölle zu erschweren gesucht; von 
1614-1688 griff man zu Ausfuhrverboten, zunächst ohne Erfolg. Die Technik des 
Wollgewerbes durch flandrische Meister zu heben, hatte man von Eduard III. an bis 
zu Elisabeth, dann wieder 16860—1700 durch Hugenotten mit Vorteil versucht. Im 
16. Jahrhundert hatte der handelspolitische Kampf im Lande darüber geschwebt, ob 
man rohe Tücher noch auszuführen erlauben sollte, wie die Kaufleute wuͤnschten, oder 
ob man überwiegend nur fertige hinauslasse, wie die Färber, Fertigmacher und Groß— 
verleger verlangten. Die Ausfuhr lebender Schafe hatte Elisabeth 18665 verboten. Als 
im 17. Jahrhundert neben die Tücher die Kammgarnstoffe traten, sowie die Färberei 
und Zubereitung der Wollstoffe immer wichtiger wurden, und als die holländische und 
ranzösische Wollindustrie einen sehr großen Aufschwung gerade in den neuen Stoffen 
zahm, erschien das englische Wollgewerbe bedroht; und zumal die Ausbildung der 
ogenannten New-Draperie, der feinern, mehr Leute beschäftigenden, war für England bis 
iber 1700 eine Lebensfrage, wie bis über 1750 die Wollindustrie überhaupt das große 
nationale Gewerbe war. Für 1700 schätzt Davenant den Wert der englischen Wolle 
auf 2, der erzeugten Wollwaren auf 8, der exportierten Stoffe auf 824,8 Mill. F 
(bei einer Gesamtausfuhr von 8,6—7 Mill. 1617-1710). Daher 1666 das Gesetz, 
alle Leichen in Wolle zu kleiden, daher von 1688 an die streng kontrollierte Durch⸗ 
ührung des Wollausfuhrverbots, wodurch man die Konkurrenzländer zu schädigen hoffte, 
daher 1690 die Vernichtung der irischen Wollindustrie durch überhohe Ausfuhrzölle, 
daher 1700 das Verbot der Einfuhr indischer Seiden- und bedruckter Calicostoffe, daher 
1718 das Verbot der Auswanderung aller gelernten Wollarbeiter. Und mit daher 
auch seit 1678 das so sehr wichtige Verbot der Einfuhr der meisten französischen Waren. 
Frankreich und England haben im 17. Jahrhundert mehrere Handelsverträge 
geschlossen, andere zu schließen versucht, auch vorübergehende Einfuhrverbote waren 
vorgekommen; als von 1660 an aber die französische Industrie einen großen Aufschwung 
nahm, die englische Mode die französischen Waren beguünstigte, die Wein⸗ Brauntwein-, 
Linnen-, Papier⸗, Wollgewebe-, Seidenwareneinfuhr nach England rasch stieg, während 
der französische Tarif von 1667 die englische Einfuhr nach Frankreich sehr hemmte, da 
entstand in England große Mißstimmung und Klage über die ungleiche Bilanz; 
England, hieß es, verarme; vergeblich zog Ludwig XIV. seinen Freund Karl II. zum 
Kampf gegen Holland herbei, suchte ihn noch durch völkerrechtliche Konzessionen zu ge— 
winnen. Volk und Parlament haßten Frankreich immer mehr; 1675 schon hatte man 
der Regierung einen whigistisch großindustriellen Handelsbeirat aufgedrängt, der das 
Berbot der französischen Waren forderte. Im Jahre 1678 knüpfte man an notwendige 
Seldbewilligungen für den König die Bedingung, das Verbot für französischen Wein, 
Branntwein, Tuch-, Seide-, Leder-, Gold- und Silberwaären u. s. w. auf drei Jahre 
durchzuführen. Es hat dann einige Mal hohen Zollen Platz gemacht, ist aber immer 
wieder, zumal in den Kriegsjahren, hergeftellt worden. Du die Absicht Bolingbrokes 
und der Tories, das Verbot 1713 durch einen vernunftig billigen Handelsvertrag zu ersetzen, 
dem Ansturm der whigistischen Fabrikanten im Parlament mit neun Stimmen erlag, blieb 
es erhalten bis 1788. Schon nach wenigen Jahren haätten fich die Seiden- und zahl⸗
	        
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