805)] Die Grade und Arten der Konkurrenz. Die Geschäftsdringlichkeit. 47
lich fern gehalten, nicht eingreifen, aber je nach Preisen und Gewinnen, je nach
bestimmten Rachrichten und Veranlassungen doch sich beteiligen. Die jeweilige Neu—
anpassung der Produktion und des Handels an den Bedarf hängt mit dieser möglichen
Ausdehnung und Einschränkung der konkurrierenden Kreise zusammen.“
Ebenso wichtig wie die Zahl ist die Art der Konkurrenten hauptsächlich in der
Beziehung, ob für sie das abzuschließende Geschäft im Mittelpunkt oder in der Peripherie
hrer wirlschaftlichen Lebensinteressen steht. So weit rein wirtschaftliche Ursachen die
Stärke oder Schwäche der in einer Gruppe nebeneinander Konkurrierenden und der
einander gegenüberstehenden Gruppen bestimmen, werden wir sagen können, diese engere
oder entfernlere Beziehung des einzelnen Geschäfts zu den wirtschaftlichen Lebensinteressen
der einzelnen sei der ausschlaggebende Punkt für die Stärke der Wettbewerber. Er
äußert sich aber je nach der Lage und Stellung der Betreffenden in verschiedener Weise.
Die Bedeutung des einzelnen Geschäfts muß sich zunächst je nach der Entwickelung
der ganzen Verkehrsͤwirtschast verschieden geltend machen. In älterer Zeit, so lange
die Mehrzahl der Menschen nicht fur den Narkt, sondern für die eigene Wirtschaft, fuͤr
den eigenen Konsum thätig war, erschien jeder Verkauf von Waren oder Arbeit für sie
als eine mehr gleichgültige, zufällige Nebensache. Derartiges dauert aber auch heute
noch vielfach fort. Ein Teil unserer Bauern und Gutsbesitzer, auch viele andere auf
dem Laände oder in kleinen Städten Lebende ernähren sich noch zum Teil von eigenen
Lebensmitteln; was sie an Produkten oder Arbeit als Bauern oder Handwerker oder
Tagelbhner verkaufen, mag immerhin wichtig für fie sein, aber es ist keine solche Existenz—
rage, wie für den Besitzlosen der Verkanf seiner Arbeit, für den städtischen Kaufmann
der Vertrieb seiner Waren. Die Tausende von heimarbeitenden Frauen, die in der
Broßstadt heute eine paar Stunden des Tages für den Zwischenmeister arbeiten, im
übrigen einen Ernährer in ihrem Manne oder Vater haben, konkurrieren untereinander
nicht so, machen ihre Interessen gegenüber dem Verleger nicht so geltend, wie die, welche
allein von solcher Beschäftigung leben. J
Man wird weiter sagen koͤnnen, daß überhaupt der Armere, von den Sorgen des
Lebens Gedrückte im ganzen mehr Anlaß zur Konkurrenz hat als der Wohlhabende
und Reiche, für den das einzelne Geschäft nie so dringlich ist wie für den, welcher an
seinem Besitz einen Rückhalt hat. Freilich schließt das nicht aus, daß reiche Kaufleute
mit ausgebildetem Erwerbstrieb doch energischer konkurrieren als manche unbemittelte,
durch die Verkehrswirtschaft noch nicht so geschulte Leute. Die Verhältnisse sind über⸗
haupt so kompliziert und wechselvoll, daß es nicht gelingen wird, alle Fälle und Grade
der Geschäftsdringlichkeit hier zu erschöpfen. Es seien nur einige der wichtigsten Unter—
scheiduugen, die vjt schon gemacht wurden, erwähnt. Sie erhalten ihr rechtes Licht
wesentlich durch den hier eroͤrterten Gesichtspunkt der Geschäftsdringlichkeit.
Man hati es mehrfach ausgesprochen: die Verkäufer konkurrierten eigentlich allein,
die Käufer — man meinte damil die Konsumenten — wenig oder garnicht, nicht unter
sich, weil sie sich umeinander kaum kümmern, und nicht im Sinne eines Widerstandes
gegen die Verkäufer. Daran ist viel Richtiges, sofern der verkaufende Kaufmann und
Fabrikant meist ein größeres Interesse am einzelnen Geschäft hat als der einkaufende,
hesonders der wohlhabende Konsument. Für den Verkäufer bedeutet es eine große
Anderung seines Profits, ob er ein Pfund Kaffee ein paar Pfennige teurer oder billiger
giebt, für den einkaufenden Konsumenten ist das ein so kleiner Posten seines Budgets,
daß er vielfach kaum darauf achtet. Außerdem ist weiten Kreisen der Konsumenten
eine gewisse Unkenntnis der Waren, oft auch eine Acht- und Sorglosigkeit in ihrer
Konsumtion eigen, die sie in ihrem eigenen Geschäft ganz abgelegt haben. Sie, noch
mehr ihre Frauen und Kinder, geben auf der Reise, im Laden Hunderte aus, ohne nach
5 zu fragen, während sie als Verkäufer in ihrem Geschäft um jeden Pfennig
Neuerdings hat Dr. F. Oppenheimer die ganze wirtschaftliche und sociale Geschichte
aus dem verschiedenen Interesse der Käuser und — * der 8 zu e
gesucht, daß er so argumentiert: alle Käufer haben, wenn die Preise steigen, dasselbe