337)] Gewicht, Gehalt, Fuß der Münzen. 79
Mark, aus welcher die deutschen Münzen bis 1857 hervorgingen, wurde als Silbermark in
16 Lot, das Lot in 18 Grän, als Goldmark in 24 Karat à 12 Grän eingeteilt; wenn
man von 16.5, 15-, 12 lötigem Silber, von 24-, 20 karätigem Gold sprach, so meinte man
so viel Feingehalt sei in der betreffenden Legierung vorhanden. Heute wird der Feingehalt
der Münzen fast überall in Tausendstel des Edelmetalls angegeben; unsere guten deutschen
und die meisten anderen Münzen haben jetzt 900 Teile Edelmetall auf 100 Legierungs-
metall. Ganz sichere Münzgrundgewichte hat erst die Präcisionstechnik unseres Jahr—
hunderts geschaffen, wie unsere Technik auch erst die Möglichkeit bot, ohne zu große
Kosten und Schwierigkeit sicher reines Edelmetall wie jede beliebige Mischung her—
zustellen. Die antiken und älteren mittelalterlichen Münzen waren vielfach in dem
reinen Edelmetall geprägt, wie man es eben damals herstellen konnte. Später hat
man besonders den Silbermünzen erheblichere Zusätze von Legierungsmetall bis zu ein
Viertel, ja zur Hälfte und darüber beigefügt, in erster Linie aus Sparsamkeit oder um
einen Münzgewinn zu machen; teilweise glaubte man auch die Münze dadurch härter
und dauerhafter zu machen. Vom, Übermaß dieses schlechten Gemisches ist man zurück—
gekehrt, aber gaug hat man die Übung, legiertes Geld zu prägen, nicht aufgegeben;
ob es richtig sei, darüber streiten Techniker und Münzpolitiker noch.
Alle älteren und einige neuere Münzgesetze oder Instruktionen für Münzmeister
lkennen nur das legierte Metall; sie sagen, aus der Mark so und so legierten Silbers
mache man 60 Groschen oder 8 Thaler, aus dem Kilogramm 200 Silberfrancs und
3100 Goldfrancs; das einzelne Munzstück kann dann, entsprechend dem Einteilungs—
princip, in ein einfaches Zahlenverhältnis zum Münzgrundgewicht kommen. Der deutsche
Reichssthaler von 1666 wog /8 Mark oder 2 VLot; der französische Franc hat ein
Gewicht von 1000 /3200 S 5 Gramm. Die neueren deutschen Münzgesetze gehen davon aus,
daß nur das Edelmetall Wert verleihe, sie besagen also: eine Mark fein Silber, ein
Pfund fein Gold soll in 14 Thaler, in 189,5 Zehnmarkstücke geteilt werden; und da
nun zu dem Feingewicht ein Zusatz von Legierungsgewicht kommt, so wiegt das einzelne
Münzstück stets eiwas schwerer als ihr durch das Münzgesetz direkt bestimmtes Gewicht
an Feinmetall besagt; unser Thaler von 18357 hatte 16,66 Gramm fein Silber, war
18,518 Gramm schwer, unser Zehnmarkstück hat 8,884 Gramm fein Gold, ist 8,982
Bramm schwer.
b) Münzfuß. Die ältesten Münzen waren dem Gewicht und dem Namen nach
einfache Teile des Grundgewichts; wie der Römer nach Pfunden (Affen) und Zwölftel—
pfunden (Unzen) ursprünglich rechnete, fso hat man im ganzen älteren Mittelalter nach
Pfunden und ihren Teilen (240 Pfennige — ein Pfund Pfennige) gezählt, und das
englische Pfund Sterling, der franzöfische Franc, welcher nur ein neuer Name für das
Livre ist, der italienische Lire zeigen noch diesen Zusammenhang. In der langen
historischen Entwickelung des Münzwesens, wobei immer der Anschluß an die älteren
NRamen und Rechnungsgewohnheiten, an die bisher üblichen Münzen, die längst durch
Umlauf oder Leichterprägung einen anderen Wert erhalten hatten, den Ausschlag
gab, kamen nun aber alle moͤglichen komplizierten Einteilungen des Münzgrundgewichts
auf. Eine einfache Einteilung desselben war nicht Bedürfnis, weil man ja nicht Lote
oder Gramme Silber mit Loten oder Grammen Kaffee und Zucker verglich, sondern den
Wert von einigen Gramm Silber mit dem Wert eines Kilogramms oder Centners Ware.
Unter dein Munzfuß verstehen wir das Stückzahlverhältnis, nach welchem das
Münzgrundgewicht, das legierte oder das feine, eingeteilt ist, um die Hauptmünze des
Landes zu erhalten. Wir hatten in Deutschland vom 16. Jahrhundert an einen Acht—
chalerfuß, der sich fuccessiv in einen Vierzehnthalerfuß verwandelte, d. h. ursprünglich
wurden 8 Thaler aus der rohen, zuletzt 17650 -1871 14 aus der feinen Mark, 1857
bis 1871 30 Thaler aus dem Pfund fein (was fast identisch mit dem älteren Thaler
war) hergestellt. Das Münzgesetz vom 4. Dezember 1871 ordnet an, daß 18985 Gold—
mark- oder Drittelthaler aus dem Zollpfund sein Gold geprägt werden.
Die Hauptmünze erklärt aber allein für sich noch nicht das Münzsystem; sie
ist nur der Mittelpunkt, der zu einer erheblichen Zahl von Teilmünzen und mehrfachen