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Erstes Buch, Cap. 1.
handeln. Er beginnt mit den moralischen Untersuchungen
and bezeichnet die Moralphilosophie als die Wissenschaft, die
uns unsere Pflichten und deren Gründe lehrt. Die Regeln sind
Jas Gesetz der Ehre, das Gesetz des Landes und das Gesetz
der Schrift; angeborene moralische Instinkte giebt es nicht,
wenigstens kann die Morallehre nicht darauf begründet werden.
Der grundlegende Begriff ist das Glück (Buch I Cap. 4) und
glücklich ist nach Paley, ganz wie nach Bentham (vergl.
unten) jeder Zustand, in dem die Summe von Lust die Summe
von Leid übertrifft. In der Aufzählung der einzelnen pleasures
und pains ist er dann allerdings Bentham überlegen, indem
Sinnengenuss, Freiheit von Arbeit, hoher Rang ete. nicht die
wesentlichen Bestandtheile des Glücks sind, sondern die Be-
‘hätigung unserer gesellschaftlichen Neigungen, die Uebung
unserer Kräfte in Verfolgung von Zwecken, die weise Reglung
unserer Gewohnheiten und unsere Gesundheit. Daher ist das
Glück so ziemlich in allen Ständen gleich vertheilt und schon
in dieser Welt macht die Tugend glücklicher "als das Laster.
Tugend ist den Menschen Gutes thun im Gehorsam gegen
Gott und um ewigen Glückes willen.
Soweit Paley hierbei Bentham überlegen ist, ist er es
doch eigentlich nur durch grössere Menschenkenntniss, denn
im Grunde ist der Gottesbegriff nur äusserlich beigefügt und
es herrscht eine materijalistisch-individualistische Anschauung,
was gleich im II, Buche deutlicher hervortritt. Hier heisst
es, „der Unterschied zwischen Klugheit und Pflichtgefühl sei
lediglich der, dass wir im ersten Fall überlegen, was wir in
dieser Welt gewinnen oder verlieren, im letzteren Fall auch
in Betracht ziehen, was, wir in der künftigen Welt gewinnen
sder verlieren.“ In beiden Fällen überlegen wir lediglich,
„was wir selbst durch eine Handlung gewinnen oder
verlieren und Verpflichtung ist nichts weiter als eine Ver-
anlassung von genügender Stärke.“
Der moralische Mensch ist also der Spielball gewisser
Berechnungen und denkt nur an sich allein.
„Die Methode, den Willen Gottes in Bezug auf eine Hand-
lung aus der Natur zu erkennen, ist die, dass wir nach der