Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 1. 
überhaupt keine Nutzanwendung verträgt. Godwin sagt (S. 305): 
„Im Leben jedes Menschen ist eine Kette von Ursachen, die 
ihren Ursprung in der seiner Geburt vorangehenden Ewigkeit 
hat und in regelmässiger Aufeinanderfolge die ganze Periode 
seines Daseins durchzieht, so dass es für ihn unmöglich war, 
in irgend einem Moment anders zu handeln, als er wirklich 
handelte.“ Dies ist eine Vorstellung, die sich an und für 
sich nicht widerlegen lässt, so lange wir eben lediglich den 
Menschen, der gehandelt hat, betrachten. 
Aber Godwin glaubt nicht nur, dass die Menschheit sich 
vervollkommnen wird, dass also die Kette von Ursachen 
in der ganzen Menscheit immer mehr Tugend hervorbringen 
wird, sondern er selbst will durch die Lehre der Wahrheit 
und Tugend eine neue allmächtige Ursache in das mensch- 
liche Leben einführen. Er glaubt, wie später Owen, an ein 
mit seinen Lehren beginnendes tausendjähriges Reich des 
Friedens und des Glücks und schreibt Bücher, um diesen 
Zustand herbeizuführen. 
Gesetzt nun, er denke sich alle anderen Menschen als 
von seinen Lehren willenlos bewegte geistige Apparate, so ist 
doch wenigstens er selbst ein Theil jener selbständigen ewigen 
Urkraft, von der alle Bewegung ausgeht. Sowie wir an der 
Vorstellung dieser letzten Ursache der Bewegung angekommen 
sind, sind wir auch an der Grenze des Erkennbaren und Be- 
zreiflichen und gerathen unvermerkt aus dem Bereiche der 
wissenden Betrachtung in das des Glaubens — bei Godwin 
des Glaubens an die eigene Mission, der doch wohl noch ver- 
wegener und unwissenschaftlicher ist, als der Glaube an einen 
Gott, der den einzelnen Menschen eine gewisse Willensfrei- 
heit lässt. 
Wer in der Betrachtung des nothwendigen ursächlichen 
Zusammenhangs aller Dinge stecken bleibt, muss consequent 
bei der thatenlosen Betrachtung des Lebens stehen bleiben. 
Wenn man dann doch handeln will, d. h. durch Aeusserung 
seiner Gedanken die Welt umgestalten will, so muss man sich 
antweder selbst für die alleinige Urkraft halten, oder für ein 
von unbekannten Ursachen auserlesenes Werkzeug, das selbst
	        
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