Godwin.
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Da dieselbe nur das allgemeine Wohl in gewissen Nothfällen
zu wahren hat, so soll ferner jedes Mitglied der Gesammtheit
an der Staatsgewalt betheiligt sein. In die Praxis übersetzt
heisst dies, dass jede Art von Monarchie und Aristokratie
ein Unding ist. „Jeder König ist in Folge unabweislicher
Nothwendigkeit ein Feind der Menschheit“ (S. 399). „Monarchie
ist eine unnatürliche Institution“, der König selbst ist in einer
bemitleidenswerthen Lage und wer ihre Abschaffung wünscht,
daher ein Freund der Könige, diese als Menschen betrachtet,
„Es giebt keine wichtigen Functionen allgemeiner Oberauf-
sicht, die man richtiger Weise einem einzelnen Individuum über-
tragen könnte.“ Daher sind nicht nur erbliche Monarchie, die
allerdings in Folge der höchst verwerflichen Prinzenerziehung
besonders schlimm ist, sondern auch Wahlmonarchie, beschränkte
Monarchie und Präsidentschaft mit königlichen Rechten, ein
Unding. „Der Name König ist das Grab der menschlichen
Tugend, ein Monument des Wahnsinns, der Feigheit und des
Elends der Menscheit“ (S. 458), auch jede Aristokratie, d. h.
jede „erbliche hervorragende Stellung ist eine Beleidigung
der Vernunft und Gerechtigkeit (S. 461); denn es ist ein
wichtiges Princip der Gerechtigkeit, dass Jedermann nur in
Folge seines persönlichen Verdienstes ausgezeichnet werden
Yann.
Dagegen ist Demokratie das einzig Wahre, d. h. das
System, „demzufolge jedes Glied der Gesellschaft als ein Mensch
und als nichts mehr betrachtet wird, jeder Mensch gleich
ist, soweit positive Satzung reicht‘ (S. 489). Man wirft frei-
lich der Demokratie vor, dass sie Demagogie, Unbeständigkeit,
allgemeines Misstrauen etc. hervorrufe, allein selbst mit
diesen Fehlern wäre sie besser als Monarchie und Aristokratie,
aus denen Kriege, Geldgier und andere Uebel hervorgehen,
and diese Uebel der Demokratie sind nur Folge des Verderbs
der Menschheit durch Monarchie und Aristokratie. Sie wer-
den mit der Verbreitung der Wahrheit schwinden.
Nun bleiben aber auch in der Demokratie allerlei Ein-
richtungen übrig, die dem Einzelnen einen leidigen Zwang
auflegen. Dahin gehört vor Allem die Unterwerfung der