Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

122 
Erstes Buch, Cap. 1. 
Zwischen den Theorien, die den Staat auf den Zweck 
des Rechtsschutzes oder den der Wohlfahrt gründen, unter- 
scheidet Paine niemals scharf. So heisst es in der Krisis 
S, 98: „Die Ermuthigung und Beschützung der guten Unter- 
“hanen eines Staats und die Unterdrückung und Betrafung 
der schlechten ist der Hauptzweck, weshalb eine Regierung 
hingestellt wird“ und S. 325: „die öffentliche Wohlfahrt ist 
Zweck der Regierung einer Republik. Es ist daher nothwen- 
dig, zu wissen, was man unter öffentlicher Wohlfahrt versteht. 
Dieser Ausdruck hat keine dem Wohle der einzelnen Indi- 
Auen feindliche Bedeutung, sondern umfasst im Gegentheil 
das Wohl eines jeden Individuums, Die öffentliche Wohl- 
fahrt ist das Wohl von Allen, weil sie das Wohl 
eines jeden Einzelnen ist, denn wie der Staatskörper 
alle Einzelnen in sich begreift, so umfasst er auch das öffent- 
liche Wohl, das Wohl aller seiner einzelnen Theile. Das Grund- 
princip der öffentlichen Wohlfahrt ist die Ge- 
rechtigkeit und wo man diese unparteiisch ausübt, wird 
jene befördert; denn wie es zum Wohle eines Jeden gereicht, 
dass ihm nicht Unrecht geschieht, so ist es auch zu seinem 
Besten, dass der Grundsatz, der ihn beschützt, nicht in der 
Person eines Anderen verletzt wird, weil eine derartige Ver- 
Jetzung seine Sicherheit schwächt, und das dem Zufall über- 
lässt, was ihm ein fester Fels sein soll.“ 
Es kommt Paine nur darauf an, dass der Staat überhaupt 
von den ursprünglich alleinberechtigten Individuen geschaffen 
wird, dass ihm Gleichheit der Rechte und billige Regierung 
gesichert sind. 
Im „gesunden Menschenverstand“ kommt vielfach sittliches 
Pathos nebst biblischen Citaten vor. Indessen wird auch schon 
hier unbedingte Gewissensfreiheit verlangt, und man kann nicht 
sagen, dass der „gesunde Menschenverstand‘ im Widerspruch 
mit dem späteren „Zeitalter der Vernunft‘, das die Autorität 
der Bibel unbedingt verwirft, steht, denn die Bibel wird nur zu 
dem Nachweise benutzt, dass auch aus ihr keine Rechtfertigung 
für die Monarchie folge. 
In der „Krisis‘“ kommen trotz alles starken Patriotismus
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.