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Erstes Buch, Cap. 1.
Zwischen den Theorien, die den Staat auf den Zweck
des Rechtsschutzes oder den der Wohlfahrt gründen, unter-
scheidet Paine niemals scharf. So heisst es in der Krisis
S, 98: „Die Ermuthigung und Beschützung der guten Unter-
“hanen eines Staats und die Unterdrückung und Betrafung
der schlechten ist der Hauptzweck, weshalb eine Regierung
hingestellt wird“ und S. 325: „die öffentliche Wohlfahrt ist
Zweck der Regierung einer Republik. Es ist daher nothwen-
dig, zu wissen, was man unter öffentlicher Wohlfahrt versteht.
Dieser Ausdruck hat keine dem Wohle der einzelnen Indi-
Auen feindliche Bedeutung, sondern umfasst im Gegentheil
das Wohl eines jeden Individuums, Die öffentliche Wohl-
fahrt ist das Wohl von Allen, weil sie das Wohl
eines jeden Einzelnen ist, denn wie der Staatskörper
alle Einzelnen in sich begreift, so umfasst er auch das öffent-
liche Wohl, das Wohl aller seiner einzelnen Theile. Das Grund-
princip der öffentlichen Wohlfahrt ist die Ge-
rechtigkeit und wo man diese unparteiisch ausübt, wird
jene befördert; denn wie es zum Wohle eines Jeden gereicht,
dass ihm nicht Unrecht geschieht, so ist es auch zu seinem
Besten, dass der Grundsatz, der ihn beschützt, nicht in der
Person eines Anderen verletzt wird, weil eine derartige Ver-
Jetzung seine Sicherheit schwächt, und das dem Zufall über-
lässt, was ihm ein fester Fels sein soll.“
Es kommt Paine nur darauf an, dass der Staat überhaupt
von den ursprünglich alleinberechtigten Individuen geschaffen
wird, dass ihm Gleichheit der Rechte und billige Regierung
gesichert sind.
Im „gesunden Menschenverstand“ kommt vielfach sittliches
Pathos nebst biblischen Citaten vor. Indessen wird auch schon
hier unbedingte Gewissensfreiheit verlangt, und man kann nicht
sagen, dass der „gesunde Menschenverstand‘ im Widerspruch
mit dem späteren „Zeitalter der Vernunft‘, das die Autorität
der Bibel unbedingt verwirft, steht, denn die Bibel wird nur zu
dem Nachweise benutzt, dass auch aus ihr keine Rechtfertigung
für die Monarchie folge.
In der „Krisis‘“ kommen trotz alles starken Patriotismus