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Erstes Buch, Cap. 1.
kung eines übertriebenen einseitigen Princips muss es aner-
kannt werden, wenn Paine in der Krisis S. 326 die Grund-
rechte der Amerikaner anführt, denen zufolge „alle Menschen
gleich frei und unabhängig geboren sind und gewisse natür-
liche angeborene, unveräusserliche Rechte besitzen; die Be-
wohner des Staats das alleinige ausschliessliche und angeborene
Recht haben, denselben zu regieren; alle gesetzgebenden und
vollstreckenden Beamten verantwortlich sind; die Regierung
zum allgemeinen Nutzen, Schutz und Sicherheit des Volkes
errichtet ist; das Volk das Recht hat, die Regierung zu ver-
ändern oder ‚abzuschaffen ete. ete.“ — und dann behauptet,
dass diese Grundrechte als solche unantastbar seien: „In
diesem Versprechen und Bunde : liegt die Grundlage der
Republik; die Sicherheit der Reichen und der Trost der
Armen ist, dass der Besitz eines Jeden sein Eigenthum ist,
das kein despotischer Monarch ihm entreissen kann und dass
ihn auch das allgemein bindende, alle Theile der Republik
zusammenhaltende Prineip vor der Desp otie der Mehrheit
schützt; denn Despotie kann manchmal durch die Macht
Vieler drückender als durch die eines Einzelnen über Alle
ausgeübt werden,“ Aus diesen Grundsätzen folgert Paine
unter Anderem auch, dass die Regierung einen Vertrag mit
Privaten, z. B. einen der Bank gewährten Freibrief, nicht
einseitig durch Gesetz ändern könne. Gerade bei diesem
Beispiel zeigt sich allerdings sehr deutlich, dass Paine die
Constanz gewisser prinecipieller Ordnungen dadurch beweisen
will, dass ihm .die wichtigsten Naturrechte der Individuen
über dem verfassungsmässigen Rechte der Staatsorgane stehen,
dass also das Individuum und nicht die staatlich verbun-
denen Individuen der eigentliche Souverän ist. Die Auffassung
ist an sich unhaltbar, weil die prineipiell feststehenden natür-
lichen Grundrechte selbstverständlich willkürlich gefasst sind
und alle Rechte einer sie anerkennenden und aufrechterhalten-
den sichtbaren Autorität bedürfen, Die Unhaltbarkeit von
Paine’s Auffassung tritt klar in den Consequenzen hervor,
denen zufolge ein der Bank gewährter Freibrief die Regierung
awig bindet, dagegen ein Vertrag zwischen Volksvertretung