Th. Paine.
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and einem Monarchen, der erbliche Monarchie festsetzt, nicht.
Dennoch bleibt der Versuch, nicht alle Ordnung zum Spiel-
ball wechselnder Majorität machen zu wollen, anerkennens-
werth als Ausfluss des Strebens nach einem festen Prineip der
Autorität,
In Europa und namentlich in England hat von Paine’s
politischen Schriften das Buch über die „Menschenrechte‘* am
meisten Aufsehen gemacht. Für die Unabhängigkeit Amerika’s
hatten sich Paine und Burke erklärt; nunmehr vertheidigte
Paine die französische Revolution gegen Burke.
In den „Menschenrechten‘“ finden wir jene wohlthuenden
3puren staatsmännischer Einsicht wie im „gesunden Menschen-
verstand‘ und in der „Krisis“ nicht mehr.‘ Ueberhaupt ist
dieses Buch nicht mehr mit der gleichen Frische geschrieben.
[n den Prineipien, was Staatsvertrag, Volkssouveränetät, Hass
gegen Monarchie und Adel etc. betrifft, enthält es nur Wieder-
holungen. Die Tendenz, die Monarchie als Quelle aller Uebel,
die Republik dagegen als Quelle alles Guten hinzustellen, wird
in ihrer Uebertreibung ermüdend. Dass Paine in seiner
Polemik Burke nicht gerecht wird, versteht sich von selbst.
Beide reden einfach in verschiedenen Sprachen und Paine
kann Burke gar nicht verstehen... Eine historische Ent-
wicklung staatlicher Einrichtungen kennt er überhaupt nicht,
as giebt für ihn nur Menschenrechte, die seit dem Ursprung
des Menschengeschlechts bestehen und dieses Zurückgehen
auf einen (fingirten) Ursprung aller Dinge erscheint Paine
als die allein berechtigte und gründliche Forschungsweise.
Er fragt nicht, was ist und wie es geworden ist, sondern wie
Alles vernünftiger Weise werden soll, England hat gar keine
Constitution, weil nicht das ganze Volk auf Grundlage seiner
Menschenrechte einen Staatsvertrag geschlossen hat, Nur der
Staatsvertrag auf Grundlage der gemeinsamen Interessen und
der Vernunft kann eine rechtmässige Regierung begründen,
die Menschenrechte der französischen Revolution (S. 70, Bd. IH)
machen Paine gegen jede organische Entwicklung staatlicher
[nstitutionen platterdings blind. „Die Menschheit ist nach
meiner Ansicht immer reif genug, ihr wahres Interesse zu